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Anamnestisches Erstgespräch: S1-Leitlinie (DEGAM)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Das Erstgespräch dient der Etablierung einer kooperativen Arzt-Patient-Beziehung und der Vermeidung von Fehlversorgung.
  • Die Anamnese sollte frühzeitig bio-psycho-soziale Aspekte und salutogene Ressourcen des Patienten erfassen.
  • Der Ablauf gliedert sich in 7 flexible Module, wobei das erste Modul (Patientenzentrierung) bei jedem Erstkontakt obligatorisch ist.
  • Wiederholte Zusammenfassungen durch den Arzt strukturieren das Gespräch und sichern das gegenseitige Verständnis.
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Hintergrund

Die DEGAM S1-Handlungsempfehlung fokussiert sich auf die Gesprächsführung bei bisher unbekannten Patientinnen und Patienten in der Hausarztpraxis. Ziel ist es, am Beginn der Arzt-Patient-Beziehung eine Grundlage für eine empathische und kooperative Zusammenarbeit zu legen. Dadurch sollen Selbstwirksamkeitspotenziale entwickelt sowie Über- und Unterversorgung vermieden werden.

Rahmenbedingungen und Praxisorganisation

Für ein ungestörtes und zielführendes Gespräch müssen die strukturellen Rahmenbedingungen in der Praxis stimmen:

  • Empfehlung: Die "Spielregeln der Praxis" (z. B. verfügbarer Zeitrahmen) sollten transparent gemacht werden. 20 Minuten können ein ausreichender Zeitraum für ein geplantes Erstgespräch sein.
  • Empfehlung: Der Umgang mit Störungen (z. B. dringende Telefonate) sollte im Team abgesprochen sein. Bei Unterbrechungen sollte der Arzt sich entschuldigen und den Faden durch eine Zusammenfassung wiederherstellen.
  • Empfehlung: Hausärzte sollten im Vorfeld wissen, wer auf sie zukommt. Wenn eine Dokumentation am PC während des Gespräches unumgänglich ist, sollte das Gespräch unterbrochen und dies dem Patienten mitgeteilt werden.
  • Empfehlung: Für Dokumentation und Selbstreflexion sollte von vornherein Zeit berücksichtigt werden.

Grundhaltungen in der Gesprächsführung

Die Leitlinie betont eine personenzentrierte, ressourcenorientierte Haltung:

  • Empfehlung: Eine bio-psycho-soziale Anamnese sollte möglichst frühzeitig erhoben werden.
  • Empfehlung: Hausärzte sollten bereits zu Beginn versuchen, Beziehungsmuster ihrer Patienten zu erkennen und zu verstehen.
  • Empfehlung: Bereits in der Anamnese sollen die salutogenen Fähigkeiten (Ressourcen) des Patienten erfahrbar gemacht und gestärkt werden.
  • Empfehlung: Sozioökonomische Verhältnisse, kulturelle Herkunft und die Einbindung in soziale Gruppen sollten erfragt werden, da sie die individuellen Ressourcen beeinflussen.
  • Empfehlung: Einordnungen und Zusammenfassungen sollten wiederholt während des anamnestischen Gesprächs angeboten werden.

Die 7 Module des Erstgesprächs

Die Leitlinie schlägt einen flexiblen Ablauf in sieben Modulen vor. Die Reihenfolge kann geändert werden, jedoch sollen die Fragen des ersten Moduls in allen ersten Begegnungen angewandt werden.

ModulFokusKerninhalte & Interventionen
1. PatientenzentrierungBegrüßung, Zuhören, PatientenperspektiveOffene Einstiegsfrage ("Was führt Sie zu mir?"), aktives Zuhören ohne Unterbrechung, Erfragen von Befürchtungen und Erwartungen, Zusammenfassen.
2. Arztzentriertes KlärenDifferentialdiagnostik, Red FlagsDirekte Fragen (Wie? Wo? Wie oft?), Klärung von Auslösesituationen, vegetative Anamnese, Vorerkrankungen, Medikation.
3. Psychosozialer KontextAlltag, Umfeld, GefühleBeeinträchtigungen im Alltag erfragen ("Was gelingt nicht mehr so gut?"), Sichtweisen von Angehörigen einbeziehen, wahrgenommene Gefühle benennen.
4. BewältigungsstrategienRessourcen, SelbstwirksamkeitBisherige Lösungsversuche explorieren ("Was hat bisher geholfen?"), eigene Stärken und Lebensleistungen erfragen und würdigen.
5. Biografische AnamneseHerkunft, Familie, LebenswegUmgang mit Krankheit in der Herkunftsfamilie, Schwellensituationen, berufliche und familiäre Situation erfassen.
6. Ziele und VorgehenPartizipation, TermineGemeinsame Abstimmung von Zielen ("Was soll wieder möglich werden?"), diagnostisches Vorgehen klären, Alarmsymptome besprechen.
7. Reflexion & DokumentationNachbereitungZeit für Dokumentation der Fakten und Selbstreflexion, ggf. Einbeziehung von Informationen des Praxisteams (MFA).

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie im Gespräch wiederholt kurze Zusammenfassungen ('Verstehe ich Sie richtig, dass...'). Dies strukturiert nicht nur die Anamnese, sondern vermittelt dem Patienten auch Wertschätzung. Vermeiden Sie zudem die gleichzeitige Arbeit am PC – kündigen Sie Dokumentationsphasen aktiv an und pausieren Sie dafür das Gespräch kurz.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie nennt 20 Minuten als einen ausreichenden Zeitraum für ein terminlich geplantes, hausärztliches Erstgespräch. Der genaue Umfang hängt jedoch vom Anliegen des Patienten ab.
Nein, die Reihenfolge der Module ist flexibel anpassbar. Lediglich die Interventionen des ersten Moduls (Patientenzentrierung) sollen zwingend bei jeder ersten Begegnung angewandt werden.
Eine gleichzeitige Arbeit am PC stört in der Regel die Beziehungsgestaltung. Wenn eine Dokumentation während des Gesprächs unumgänglich ist, sollte das Gespräch kurz unterbrochen und dies dem Patienten transparent mitgeteilt werden.
Sie dient dazu, Beschwerden im aktuellen psychosozialen und lebensgeschichtlichen Kontext zu verstehen, individuelle Ressourcen (Salutogenese) zu erkennen und dadurch Fehlversorgung zu vermeiden.

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