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Diagnose der Mukoviszidose: S2k-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Diagnose erfordert klinische Hinweise oder ein positives Neugeborenenscreening sowie den Nachweis einer CFTR-Funktionsstörung.
  • Der Schweißtest (Pilokarpin-Iontophorese) steht an erster Stelle der Diagnostik; ein Chloridwert ≥ 60 mmol/l sichert die Diagnose.
  • Eine genetische Diagnostik ist bei einem Schweißchlorid ≥ 30 mmol/l oder nach positivem Neugeborenenscreening indiziert.
  • Bei unklaren Befunden kommen elektrophysiologische Messungen (nPD, ICM) zum Einsatz.
  • CFSPID beschreibt die Konstellation eines positiven Neugeborenenscreenings mit unklarer Konfirmationsdiagnostik.
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Hintergrund

Die Mukoviszidose (Cystische Fibrose, CF) ist die häufigste lebensverkürzende, autosomal-rezessive Erkrankung in Deutschland mit einer Häufigkeit von 1:4754. Durch das Neugeborenenscreening (NBS) werden mittlerweile 77 % der Betroffenen im ersten Lebensjahr diagnostiziert. Das Krankheitsspektrum wird heute differenzierter betrachtet und in Mukoviszidose, CFSPID (Mukoviszidosescreening positiv und unklare Konfirmationsdiagnostik) sowie CFTR-bedingte Erkrankungen unterteilt.

Diagnosekriterien

Für die Diagnosestellung müssen spezifische Kriterien aus klinischen Hinweisen und dem Nachweis einer CFTR-Funktionsstörung erfüllt sein:

DiagnoseKlinische VoraussetzungNachweis der CFTR-Funktionsstörung
MukoviszidosePositives NBS, betroffene Geschwister ODER klinische HinweiseSchweißchlorid ≥ 60 mmol/l (2x), 2 CF-verursachende Mutationen ODER pathologische nPD/ICM
CFTR-bedingte ErkrankungKlinische HinweiseCFTR-Funktionsstörung in 2 Messungen, die nicht die Kriterien für Mukoviszidose erfüllen
CFSPIDPositives NBS ohne klinische HinweiseSchweißchlorid < 30 mmol/l + 2 Varianten (mind. 1 nicht CF-verursachend) ODER Schweißchlorid 30-59 mmol/l + max. 1 CF-Variante

Klinische Hinweise

Bei Vorliegen folgender Symptome soll eine Diagnostik auf Mukoviszidose veranlasst werden:

  • Sinopulmonal: Chronischer Husten (> 3 Monate), Sputumproduktion, pfeifendes Atemgeräusch, Trommelschlegelfinger, Bronchiektasen, chronische Rhinosinusitis, Nachweis typischer Erreger (z. B. Pseudomonas aeruginosa, Staphylococcus aureus).
  • Gastrointestinal: Exokrine Pankreasinsuffizienz, rezidivierende/chronische Pankreatitis, Mekoniumileus, chronische Lebererkrankung (fokal biliäre Zirrhose), Dystrophie.
  • Salzverlustsyndrom: Hypochlorämische Alkalose ohne Erbrechen bei Kindern.
  • Genital: Obstruktive Azoospermie.

Schweißtest

Der Schweißtest steht aufgrund seiner Verfügbarkeit und hohen Sensitivität an erster Stelle im Abklärungsprozess. Er soll als Pilokarpin-Iontophorese durchgeführt werden.

  • Voraussetzungen: Ab dem 3. Lebenstag (optimal ab 10. Tag), Körpergewicht > 2000 g, postmenstruales Alter ≥ 36. SSW.
  • Bewertung der Chloridkonzentration:
SchweißchloridInterpretationKonsequenz
≤ 29 mmol/lUnauffälligMukoviszidose unwahrscheinlich
30-59 mmol/lKontrollbereichWeitere Diagnostik auf Mukoviszidose erforderlich
≥ 60 mmol/lPathologischVereinbar mit der Diagnose Mukoviszidose

Genetische Diagnostik

Die molekulargenetische Diagnostik sichert die klinische Verdachtsdiagnose und erlaubt ggf. eine Therapie mit CFTR-Modulatoren. Sie ist indiziert:

  • Nach auffälligem Neugeborenenscreening (IRT/PAP).
  • Bei klinischem Verdacht und einem Schweißchlorid ≥ 30 mmol/l.
  • Bei rein genitaler Ausprägung (obstruktive Azoospermie) auch ohne vorherigen Schweißtest.

Elektrophysiologie

Können Patienten nach Schweißtest und Genetik nicht eindeutig zugeordnet werden, soll eine elektrophysiologische Messung erfolgen:

  • Nasale Potentialdifferenzmessung (nPD): In vivo Messung im unteren Nasengang.
  • Intestinale Kurzschlussstrommessung (ICM): Ex vivo Messung an Rektumbiopsaten in einer Ussingkammer.

Beide Methoden erfordern erfahrene Zentren und standardisierte Protokolle.

💡Praxis-Tipp

Führen Sie den Schweißtest frühestens ab dem 3. Lebenstag (optimal ab dem 10. Tag) bei einem Körpergewicht > 2000 g durch. Zur Diagnosesicherung ist ausschließlich die Chloridmessung zulässig, die Leitfähigkeitsmessung dient nur als Screening.

Häufig gestellte Fragen

Ein Schweißchloridwert von ≥ 60 mmol/l bei mindestens zwei unabhängigen Messungen ist vereinbar mit der Diagnose Mukoviszidose.
CFSPID steht für ein positives Mukoviszidosescreening bei gleichzeitig unklarer Konfirmationsdiagnostik (z. B. Schweißchlorid < 30 mmol/l und zwei CFTR-Varianten, von denen mindestens eine nicht Mukoviszidose-verursachend ist).
Eine genetische Diagnostik sollte bei einem Schweißchloridwert ≥ 30 mmol/l, nach einem positiven Neugeborenenscreening oder bei Vorliegen einer obstruktiven Azoospermie veranlasst werden.
Bei unklaren Befunden (z. B. Schweißchlorid 30-59 mmol/l) können die Nasale Potentialdifferenzmessung (nPD) und die Intestinale Kurzschlussstrommessung (ICM) zur weiteren diagnostischen Einordnung genutzt werden.

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