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Bronchiektasen-Erkrankung: S2k-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Diagnose erfordert zwingend das Vorliegen klinischer Symptome in Kombination mit radiologischen Kriterien im CT.
  • Eine Exazerbation ist definiert als Verschlechterung von mindestens 3 von 6 Kardinalsymptomen über mindestens 48 Stunden.
  • Bei Erstnachweis von Pseudomonas aeruginosa soll umgehend ein Eradikationsversuch unternommen werden.
  • Eine strukturierte ätiologische Basisdiagnostik ist bei Erstdiagnose obligatorisch, um behandelbare Ursachen zu identifizieren.
  • Mindestens einmal jährlich soll eine Sputumdiagnostik sowie eine klinische Risikostratifikation erfolgen.
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Hintergrund

Die Bronchiektasen-Erkrankung ist ein heterogenes Syndrom, das durch irreversible Atemwegserweiterungen und chronische respiratorische Symptome gekennzeichnet ist. Um asymptomatische radiologische Zufallsbefunde abzugrenzen, fordert die Leitlinie die einheitliche Verwendung des Begriffs Bronchiektasen-Erkrankung. Die Diagnose setzt zwingend das Vorliegen klinischer Beschwerden (meist Husten, Auswurf und Exazerbationen) in Kombination mit radiologischen Nachweisen voraus.

Radiologische Diagnostik

Die Computertomografie (CT) des Thorax ist der Goldstandard zur Diagnosesicherung und ätiologischen Abklärung. Bronchiektasen gelten als gesichert, wenn mindestens eines der folgenden Kriterien erfüllt ist:

KriteriumBeschreibung
Bronchoarterielle RatioDurchmesser des Bronchus ist größer als der der begleitenden Pulmonalarterie (Ratio ≥ 1)
Fehlende VerjüngungDer Bronchus verjüngt sich im Verlauf nach peripher nicht
Pleuranahe SichtbarkeitEin Bronchus ist in einem Abstand von ≤ 1 cm von der viszeralen Pleura sichtbar

Ätiologische Basisdiagnostik

Da die Erkrankung viele verschiedene Ursachen haben kann (z.B. COPD, Asthma, Immundefekte, Zilienfunktionsstörungen), soll bei Neudiagnose ein standardisiertes Basis-Paket erhoben werden:

  • Ausführliche Anamnese und klinische Untersuchung
  • Lungenfunktionsprüfung (Bodyplethysmografie / Spirometrie)
  • Pulsoxymetrie und/oder kapilläre Blutgasanalyse (BGA)
  • FeNO-Messung
  • Labor: Differentialblutbild, Transaminasen, Bilirubin, Kreatinin, CRP, IgG, IgA, IgM und IgE
  • Sputumdiagnostik (allgemeine Bakteriologie, Mykobakterien, Schimmelpilze)

Definition der Exazerbation

Eine Exazerbation liegt vor, wenn sich mindestens 3 der folgenden 6 Kardinalsymptome über mindestens 48 Stunden verschlechtern und eine Therapieänderung erfordern:

Symptom-KategorieKlinisches Zeichen
HustenNeuer oder vermehrter Husten
SputummengeZunahme von Menge und/oder Konsistenz
SputumpurulenzNeuauftreten oder Zunahme der eitrigen Beschaffenheit
DyspnoeNeue/vermehrte Kurzatmigkeit oder verschlechterte Belastbarkeit
AllgemeinbefindenMüdigkeit, Abgeschlagenheit, Unwohlsein (Malaise)
HämoptysenNeu aufgetretene oder vermehrte Hämoptysen

Hinweis: Der Schweregrad richtet sich nach der Therapie (leicht = ambulant ohne Antibiotikum, moderat = ambulant mit oralem Antibiotikum, schwer = stationär und/oder parenterale Antibiose).

Mikrobiologie und Infektionsmanagement

Die Sputumuntersuchung soll bei Erstdiagnose, bei jeder Exazerbation und im stabilen Verlauf mindestens einmal jährlich erfolgen.

Pseudomonas aeruginosa

Eine chronische Infektion mit P. aeruginosa geht mit häufigeren Exazerbationen und einer erhöhten Mortalität einher.

  • Screening: Jede Probe muss gezielt auf Pseudomonaden untersucht werden.
  • Eradikation: Bei Erstnachweis soll zwingend ein Eradikationsversuch unternommen werden.
  • Hygiene: Betroffene sollen von Mukoviszidose-Patienten (CF) getrennt betreut werden, um Kreuzinfektionen zu vermeiden.

Nichttuberkulöse Mykobakterien (NTM) und Aspergillus

  • NTM: Alle Patienten sollen initial kulturell auf NTM untersucht werden. Bei Verdacht (Gewichtsverlust, Hämoptysen, Therapieversagen) sind mindestens drei unabhängige Sputumproben nötig.
  • Aspergillus: Ein alleiniger kultureller Nachweis ohne Klinik rechtfertigt keine antifungale Therapie. Bei Risikofaktoren ist jedoch ein Screening auf eine chronische pulmonale Aspergillose (CPA) indiziert.

Risikostratifikation

Mindestens einmal jährlich soll das Risiko für zukünftige Exazerbationen evaluiert werden. Hochrisikopatienten ("frequent exacerbator") zeichnen sich aus durch:

  • ≥ 2 antibiotikapflichtige Exazerbationen pro Jahr ODER
  • ≥ 1 stationäre Behandlung wegen schwerer Exazerbation pro Jahr ODER
  • Chronische P. aeruginosa-Infektion.

💡Praxis-Tipp

Führen Sie bei jedem Erstnachweis von Pseudomonas aeruginosa umgehend einen Eradikationsversuch durch und kontrollieren Sie den Erfolg mikrobiologisch. Ein alleiniger kultureller Nachweis von Aspergillus ohne Klinik bedarf hingegen keiner Therapie.

Häufig gestellte Fragen

Wenn neben dem radiologischen Nachweis im CT auch typische klinische Symptome wie chronischer Husten, Auswurf oder Exazerbationen vorliegen.
Als Verschlechterung von mindestens 3 von 6 Kardinalsymptomen (Husten, Sputummenge, Sputumpurulenz, Dyspnoe, Malaise, Hämoptysen) über mindestens 48 Stunden, die eine Therapieänderung erfordert.
Eine bronchoarterielle Ratio ≥ 1, eine fehlende Verjüngung des Bronchus nach peripher oder die Sichtbarkeit eines Bronchus ≤ 1 cm von der Pleura.
Bei Diagnosestellung, bei jeder klinischen Verschlechterung (Exazerbation) und im stabilen Verlauf mindestens einmal jährlich.

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