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Neugeborenen-Screening: S2k-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die reguläre Blutentnahme erfolgt im Alter von 36 bis 72 Lebensstunden.
  • Ab 2025 informieren Laborärzte die Eltern direkt über auffällige Befunde, nicht mehr der Einsender.
  • Bei Frühgeborenen <32 SSW ist ein Zweitscreening im korrigierten Alter von 32 SSW zwingend erforderlich.
  • Bluttransfusionen, Dopamin und Kortikosteroide können zu falsch-positiven oder falsch-negativen Ergebnissen führen.
  • Das Mukoviszidose-Screening erfordert immer eine ärztliche Aufklärung.
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Hintergrund

Das Neugeborenen-Screening ist eine bevölkerungsmedizinische Präventionsmaßnahme zur Früherkennung angeborener Erkrankungen. Ab dem 13.01.2025 gelten durch die überarbeitete Kinder-Richtlinie neue Vorgaben: Über einen auffälligen Befund informieren nun Laborärzte die Eltern direkt. Zudem ist das Screeninglabor nun für das Erinnerungsmanagement (Tracking) bei fehlenden Kontrollkarten verantwortlich.

Zeitpunkt der Blutentnahme

Die Einhaltung der korrekten Zeitfenster ist entscheidend, um lebensbedrohliche Stoffwechselkrisen frühzeitig zu erkennen und falsch-negative Befunde zu vermeiden.

SituationZeitpunkt der BlutentnahmeBemerkung
Normalfall36 bis 72 LebensstundenOptimales Zeitfenster für Reifgeborene
Frühgeborene <32 SSW1. Karte: 36-72h, 2. Karte: 32 SSW (korrigiert)Zweitscreening frühestens 7 Tage nach Erstscreening
Frühe Entlassung / VerlegungVor vollendeten 36 LebensstundenZweitscreening zwischen 36-72h zwingend erforderlich
Vor Transfusion / MedikamentenVor Maßnahme (unabhängig vom Alter)Kontrollscreening 5 Tage nach Ende der Maßnahme

Zielkrankheiten

Das erweiterte Screening umfasst aktuell 16 Krankheitsgruppen sowie separat das Mukoviszidose-Screening. Eine Auswahl der wichtigsten Gruppen:

  • Endokrinopathien: Hypothyreose, Adrenogenitales Syndrom (AGS)
  • Aminosäurestoffwechsel: Phenylketonurie (PKU), Ahornsirupkrankheit (MSUD), Tyrosinämie Typ I
  • Fettsäurenoxidationsstörungen: MCAD-, LCHAD-, VLCAD-Mangel, Carnitinzyklusdefekte
  • Organoazidopathien: Glutarazidurie Typ I, Isovalerianazidurie, Biotinidase-Mangel
  • Weitere: Galaktosämie, SCID, Sichelzellkrankheit, 5q-assoziierte SMA, Mukoviszidose

Mukoviszidose-Screening (CF)

Das CF-Screening folgt einem dreistufigen Algorithmus und erfordert eine zwingende ärztliche Aufklärung.

StufeUntersuchungBemerkung
1Immunreaktives Trypsin (IRT)Bei IRT >99,9. Perzentile direkt positiv ("Failsafe")
2Pankreatitis-assoziiertes Protein (PAP)Nur bei erhöhtem IRT unterhalb der Failsafe-Grenze
3DNA-MutationsanalyseSuche nach den 31 häufigsten CFTR-Mutationen

Störfaktoren und Fehlerquellen

Verschiedene therapeutische Maßnahmen können das Screening erheblich verfälschen. EDTA-Blut darf niemals verwendet werden (führt zu falsch-positivem AGS und falsch-negativem Hypothyreose-Screening).

StörfaktorMögliche Auswirkung
KortikosteroideFalsch-negatives AGS-Screening (supprimiertes 17-OHP)
DopaminFalsch-negatives Hypothyreose-Screening
BluttransfusionenVerfälschung aller Parameter (Kontrolle 2 Monate nach Transfusion nötig)
HeparinblutFalsch-positives SCID-Screening
Parenterale ErnährungFalsch-positive PKU oder MSUD

Präanalytik und Probenversand

  • Das Filterpapier darf nicht mit bloßen Fingern berührt werden.
  • Die Blutstropfen müssen das Filterpapier vollständig durchtränken.
  • Die Ferse darf nicht gequetscht werden (Gefahr der Verdünnung durch Gewebsflüssigkeit).
  • Die Karten müssen 2 bis 4 Stunden an der Luft trocknen (keine künstlichen Wärmequellen).
  • Der Versand muss noch am Tag der Entnahme erfolgen, um eine Befundung innerhalb von 72 Stunden zu gewährleisten.

💡Praxis-Tipp

Achten Sie bei der Blutentnahme darauf, die Ferse nicht zu quetschen ('melken'), da Gewebsflüssigkeit die Probe verdünnt. Die Testkarten müssen vor dem Versand zwingend 2-4 Stunden an der Raumluft trocknen.

Häufig gestellte Fragen

Die Blutentnahme sollte regulär im Alter von 36 bis 72 Lebensstunden erfolgen.
Es muss vor der Entlassung eine erste Blutprobe entnommen werden. Ein Zweitscreening zwischen 36 und 72 Lebensstunden ist dann zwingend erforderlich.
Seit Januar 2025 informieren die Laborärzte des Screeninglabors die Eltern direkt über auffällige Befunde, nicht mehr die einsendende Klinik oder Praxis.
Kortikosteroide können das AGS-Screening falsch-negativ machen, Dopamin verfälscht das Hypothyreose-Screening. Auch Bluttransfusionen beeinflussen alle Parameter.
Nein. EDTA-Blut führt zu falsch-positiven Befunden beim AGS-Screening und falsch-negativen Befunden beim Hypothyreose-Screening.

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