ClariMedClariMed
AWMFS3

Multiples Myelom & MGUS: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Stadieneinteilung des Multiplen Myeloms soll nach dem ISS oder, bei vorliegender Genetik, nach dem R-ISS erfolgen.
  • Bei MGUS-Patienten sollte nach 6 Monaten eine Kontrolle von M-Protein und freien Leichtketten (FLC) im Serum erfolgen.
  • Zur prognostischen Basisdiagnostik gehören zwingend Beta-2-Mikroglobulin, Albumin und LDH im Serum.
  • Die Quantifizierung von Paraprotein im Urin muss im 24h-Sammelurin durchgeführt werden.
  • Die Therapieentscheidung sollte in einem spezialisierten, interdisziplinären Tumorboard stattfinden.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Das Multiple Myelom ist eine maligne Neoplasie der Plasmazellen. In Deutschland erkranken jährlich etwa 3.900 Männer und 3.000 Frauen. Das mediane Erkrankungsalter liegt bei 72 Jahren (Männer) bzw. 74 Jahren (Frauen). Die Erkrankung entsteht aus einer Präkanzerose, der monoklonalen Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS). Die Übergangsrate von einer MGUS in ein Multiples Myelom beträgt ca. 1 % pro Jahr.

Die Behandlung soll durch erfahrene Fachärzte für Hämatologie und Onkologie in spezialisierten Netzwerken koordiniert werden. Alle behandlungsbedürftigen Patienten sollten einem spezialisierten Tumorboard vorgestellt werden (Starker Konsens).

Klinische Symptomatik

Bis zu 25 % der Patienten sind bei Diagnosestellung asymptomatisch. Bei symptomatischen Verläufen zeigen sich häufig folgende Beschwerden:

  • Knochenschmerzen (ca. 60 %), oft im Stammskelett durch Osteolysen
  • Fatigue (ca. 40 %), oft anämiebedingt
  • Gewichtsverlust (ca. 25 %)
  • Infektneigung (10-20 %) durch sekundären Antikörpermangel
  • Hyperkalzämie (< 10 %)
  • Niereninsuffizienz (ca. 25 %), u. a. durch Cast-Nephropathie (Bence-Jones-Proteinurie)

Diagnostik und Labor

Zum Zeitpunkt der Erstdiagnose sollen Laboruntersuchungen veranlasst werden, um Organfunktionsstörungen und Myelom-assoziierte Phänomene aufzudecken (Starker Konsens).

  • Prognoseparameter: Bestimmung von Beta-2-Mikroglobulin (β2MG), Albumin und LDH im Serum (Starker Konsens).
  • Paraprotein-Screening: Eiweißelektrophorese (SPE/UPE) oder Kapillarzonenelektrophorese (CZE) aus Serum und ggf. Urin (Starker Konsens).
  • Urin-Diagnostik: Alle quantifizierenden Untersuchungen des Paraproteins aus dem Urin sollen im 24h-Sammelurin erfolgen (Starker Konsens).
  • Charakterisierung: Immunfixation (IFE) mit Antiseren gegen G, A, M Schwerketten sowie Kappa- und Lambda-Leichtketten (Starker Konsens).
  • Freie Leichtketten (FLC): Bestimmung im Serum inkl. Ratio bei Erstdiagnose und zur Verlaufskontrolle (Starker Konsens). Im Urin sollten FLC bei Verlaufsuntersuchungen nicht standardmäßig gemessen werden (Starker Konsens).

Stadieneinteilung und Prognose

Zur prognostischen Stadieneinteilung soll das International Staging System (ISS) verwendet werden. Wenn genetische Befunde vorliegen, soll das Revised ISS (R-ISS) angewendet werden (Starker Konsens).

International Staging System (ISS)

StadiumParameterMedianes Gesamtüberleben
ISerum-β2MG ≤ 3,5 mg/l UND Albumin ≥ 3,5 g/dl62 Monate
IIWeder Stadium I noch Stadium III44 Monate
IIISerum-β2MG ≥ 5,5 mg/l29 Monate

Revised International Staging System (R-ISS)

StadiumParameter5-Jahres-Überleben
Iβ2MG ≤ 3,5 mg/l UND Albumin ≥ 3,5 g/dl UND Standardrisiko-Zytogenetik UND LDH ≤ oberer Normwert82 %
IIWeder Stadium I noch Stadium III62 %
IIIβ2MG ≥ 5,5 mg/l UND (Hochrisiko-Zytogenetik ODER LDH > oberer Normwert)40 %

Verlaufskontrolle bei MGUS

Bei Vorliegen einer MGUS sollen andere hämatologische Erkrankungen ausgeschlossen werden (Starker Konsens). In der regelmäßigen Kontrolle sollte die Höhe des M-Proteins und die Ratio der freien Leichtketten im Serum kontrolliert werden (Starker Konsens). Initial wird eine Kontrolle nach 6 Monaten empfohlen, um einen raschen Anstieg des Paraproteins auszuschließen. Bei einer Lebenserwartung von unter 5 Jahren kann auf regelmäßige Kontrollen verzichtet werden, sofern keine Symptome auftreten.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie bei Verlaufsuntersuchungen auf die standardmäßige Messung der freien Leichtketten im Urin – die Bestimmung im Serum (inkl. Ratio) ist aussagekräftiger und leitliniengerecht.

Häufig gestellte Fragen

Die Übergangsrate von einer MGUS in ein Multiples Myelom beträgt ca. 1 % pro Jahr.
Für das R-ISS werden Beta-2-Mikroglobulin, Albumin, LDH und zytogenetische Befunde (Standard- oder Hochrisiko) benötigt.
Alle quantifizierenden Untersuchungen des Paraproteins aus dem Urin sollen zwingend im 24h-Sammelurin durchgeführt werden.
Beta-2-Mikroglobulin (β2MG), Albumin und LDH im Serum sind die wichtigsten prognostischen Laborparameter und fließen in die ISS/R-ISS-Klassifikation ein.

Verwandte Leitlinien