ClariMedClariMed
Onkopedia/DGHOOnkologie

MGUS: Leitlinie zur Diagnostik und Verlauf (Onkopedia)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Onkopedia/DGHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die MGUS ist eine asymptomatische Präkanzerose ohne eigenen Krankheitswert und ohne Therapiebedarf.
  • Das Progressionsrisiko in ein Myelom oder Lymphom liegt je nach Subtyp bei 0,3 bis 1,5 % pro Jahr.
  • Die Basisdiagnostik erfordert Serumelektrophorese, Immunfixation und die Bestimmung freier Leichtketten.
  • Auf eine Knochenmarkpunktion kann bei einem IgG-Paraprotein <15 g/l ohne Symptome oft verzichtet werden.
  • Verlaufskontrollen erfolgen initial nach 6 Monaten, danach risikoadaptiert jährlich oder symptomgeleitet.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Die monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS) ist eine klinisch asymptomatische klonale Plasmazellproliferation. Sie weist keine Malignitätskriterien auf und ist nicht therapiebedürftig. Dennoch gilt sie als gesicherte Präkanzerose für maligne lymphoproliferative Erkrankungen wie das Multiple Myelom, den Morbus Waldenström oder eine AL-Amyloidose.

Die Inzidenz steigt mit dem Alter: Etwa 3 % der über 50-Jährigen und 5 % der über 70-Jährigen sind betroffen. Da kein systematisches Screening etabliert ist, wird ein MGUS meist als Zufallsbefund im Rahmen der Routinediagnostik entdeckt.

Klassifikation und Progressionsrisiko

Das Risiko für den Übergang in eine maligne Erkrankung variiert individuell stark. Für Schwerketten-MGUS liegt es bei ca. 1 bis 1,5 % pro Jahr, für Leichtketten-MGUS bei ca. 0,3 % pro Jahr.

SubtypDiagnosekriterienProgressionsrisiko
IgM-MGUSKlonales Protein <30 g/l, Plasmazellen im Knochenmark <10 %, keine Symptome1,5-2 % pro Jahr
Non-IgM-MGUSKlonales Protein <30 g/l, Plasmazellen im Knochenmark <10 %, Fehlen von CRAB-Kriterien1 % pro Jahr
Leichtketten-MGUSAbnormale FLC-Ratio, keine schwere Kette, Plasmazellen <10 %, Protein im Urin <500 mg/24h0,3 % pro Jahr

Zur Abschätzung des Progressionsrisikos werden drei Hauptrisikofaktoren herangezogen:

  • Monoklonales Protein im Serum ≥15 g/l
  • Abnormaler Quotient der freien Kappa- und Lambda-Leichtketten (FLC-Ratio) im Serum
  • Nicht-IgG-MGUS (z. B. IgA oder IgM)

Liegen alle drei Faktoren vor (Hochrisiko-MGUS), beträgt das Progressionsrisiko nach 20 Jahren über 50 %. Fehlen alle Faktoren (Niedrigrisiko-MGUS), liegt es bei lediglich 5 %.

Diagnostik

Die Basisdiagnostik dient der Bestätigung des MGUS und dem Ausschluss einer zugrundeliegenden behandlungsbedürftigen Erkrankung.

Diagnostik-BereichEmpfohlene Parameter / Untersuchungen
Blut/SerumBlutbild, Elektrolyte (Na, K, Ca), Nierenwerte (Kreatinin, GFR, Harnstoff), Gesamteiweiß, Albumin, Beta-2-Mikroglobulin
Paraprotein-NachweisSerumeiweißelektrophorese, quantitative Immunglobuline (IgG, IgA, IgM), Immunfixation, freie Leichtketten (quantitativ + Quotient)
UrinQualitativer Eiweiß-Test, Albumin im Urin

Knochenmarkpunktion (KMP) und Bildgebung: Eine KMP ist zur Abgrenzung eines asymptomatischen Myeloms (Smoldering Myeloma) oft notwendig. Ein Ganzkörper-CT (ohne Kontrastmittel) oder MRT dient dem Ausschluss von Knochenläsionen. Ausnahme: Bei einem IgG-Paraprotein <15 g/l (oder IgA <10 g/l) und fehlenden Skelett-Symptomen ist die Wahrscheinlichkeit für eine Knochenmarkinfiltration >10 % sehr gering. Hier kann laut EMN-Leitlinie primär auf eine KMP und Bildgebung verzichtet werden.

Differenzialdiagnosen

Neben dem Multiplen Myelom müssen weitere Paraprotein-assoziierte Erkrankungen ausgeschlossen werden:

  • AL-Amyloidose: Achten Sie auf Symptome wie restriktive Kardiomyopathie (proBNP ↑), nephrotisches Syndrom, Makroglossie oder periorbitale Hauteinblutungen.
  • MGRS (Monoclonal gammopathy with renal significance): Bei unklarer Niereninsuffizienz oder Proteinurie ohne Myelom-Kriterien ist eine Nierenbiopsie indiziert.
  • Solitäres Plasmozytom: Einzelne Raumforderung mit klonalen Plasmazellen, aber ohne Knochenmarkinfiltration oder CRAB-Kriterien.

Therapie und Verlaufskontrolle

Ein MGUS selbst stellt keine Therapieindikation dar. Das Ziel der Verlaufskontrollen ist die frühzeitige Erkennung einer Progression.

Zeitpunkt / RisikoEmpfohlenes Kontrollintervall
Erstdiagnose (Alle Patienten)Nach 6 Monaten (Ausschluss eines raschen Anstiegs)
Ohne Risikofaktoren (IgG, M-Protein <15 g/l, normale FLC-Ratio)Einmal jährlich oder nur bei klinischer Symptomatik
Mit ≥1 Risikofaktor (sowie alle Leichtketten-MGUS)Einmal jährlich

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie bei Patienten mit einer Lebenserwartung von unter 5 Jahren auf regelmäßige Routinekontrollen. Untersuchen Sie stattdessen nur bei klinischer Symptomatik, um eine Überdiagnostik im Alter zu vermeiden.

Häufig gestellte Fragen

MGUS steht für Monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz. Es handelt sich um eine asymptomatische Vermehrung klonaler Plasmazellen ohne Krankheitswert, die jedoch eine Vorstufe für Krebserkrankungen wie das Multiple Myelom sein kann.
Das Risiko für den Übergang in eine bösartige Erkrankung liegt bei Schwerketten-MGUS bei ca. 1 bis 1,5 % pro Jahr und bei Leichtketten-MGUS bei ca. 0,3 % pro Jahr.
Bei einem IgG-Paraprotein <15 g/l oder IgA <10 g/l und fehlenden Skelett-Symptomen ist das Risiko einer relevanten Knochenmarkinfiltration sehr gering, sodass primär auf die Punktion verzichtet werden kann.
Nein, für das MGUS selbst besteht keine Therapieindikation. Es werden lediglich regelmäßige Verlaufskontrollen empfohlen, um eine mögliche Progression frühzeitig zu erkennen.

Verwandte Leitlinien