Angststörungen bei Kindern & Jugendlichen: KVT-Therapie
Hintergrund
Angststörungen gehören zu den häufigsten psychiatrischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen. Sie können die persönliche, soziale und schulische Entwicklung erheblich beeinträchtigen und bis ins Erwachsenenalter persistieren.
Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) gilt als eine der wichtigsten Behandlungsoptionen. Sie umfasst Techniken wie Psychoedukation, kognitive Umstrukturierung und schrittweise Expositionstherapie.
Dieser Cochrane-Review aus dem Jahr 2020 untersucht die Wirksamkeit und Akzeptanz der KVT im Vergleich zu Wartelisten, der Regelversorgung (Treatment as usual) sowie alternativen Behandlungen. Zudem werden verschiedene Durchführungsformate und Therapiedauern analysiert.
Empfehlungen
Wirksamkeit der KVT
Laut dem Cochrane-Review ist die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) bei Kindern und Jugendlichen mit Angststörungen wirksam. Im Vergleich zu einer Warteliste oder keiner Behandlung erhöht die KVT die Remissionsrate der primären Angststörung signifikant (moderate Evidenzqualität).
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Die Number Needed to Treat (NNTB) für ein zusätzliches positives Ergebnis liegt bei 3.
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Die KVT führt zu einer deutlichen Reduktion der Angstsymptome, sowohl aus Sicht der Kinder als auch der Eltern.
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Es gibt keine Hinweise auf eine geringere Akzeptanz der KVT im Vergleich zu Kontrollgruppen, gemessen an den Abbruchraten.
Vergleich mit anderen Therapien
Der Review stellt fest, dass die Evidenz für die Überlegenheit der KVT gegenüber der Regelversorgung (Treatment as usual) oder alternativen Behandlungen unzureichend ist.
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Im Vergleich zu reinen Aufmerksamkeitskontrollen zeigt die KVT möglicherweise eine höhere Remissionsrate (niedrige Evidenzqualität).
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Zur vergleichenden Wirksamkeit von KVT und medikamentöser Therapie liegen laut Review zu wenig Daten vor.
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Medikamente werden aufgrund von Nebenwirkungen und Patientenpräferenzen meist nicht als Erstlinientherapie empfohlen.
Durchführungsformate und Therapiedauer
Die Auswertung zeigt keine konsistenten Unterschiede in der Wirksamkeit zwischen verschiedenen Formaten der KVT.
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Einzel- und Gruppentherapien erzielen vergleichbare Ergebnisse.
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Die Einbeziehung der Eltern zeigt keinen eindeutigen Zusatznutzen gegenüber rein kindzentrierten Ansätzen.
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Eine kürzere Therapeutenkontaktzeit (unter 10 Stunden) ist laut den Daten ähnlich effektiv wie längere Therapien (über 20 Stunden).
Diese Erkenntnisse unterstützen die Anwendung von Stepped-Care-Modellen zur Verbesserung der oft unzureichenden Versorgungszugänge.
💡Praxis-Tipp
Der Review hebt hervor, dass kurze KVT-Interventionen mit weniger als 10 Stunden Therapeutenkontakt ähnlich effektiv sind wie längere Behandlungen. Es wird daher nahegelegt, Stepped-Care-Modelle zu nutzen, bei denen zunächst kurze Interventionen angeboten werden. Dies kann helfen, die oft langen Wartezeiten auf einen Therapieplatz effizienter zu überbrücken.
Häufig gestellte Fragen
Der Cochrane-Review stellt fest, dass es kaum vergleichende Studien zwischen KVT und Pharmakotherapie gibt. Aufgrund von Patientenpräferenzen und möglichen Nebenwirkungen wird die KVT jedoch meist als Erstlinientherapie bevorzugt.
Laut den analysierten Daten gibt es keine konsistente Evidenz dafür, dass die Einbeziehung der Eltern die Therapieergebnisse signifikant verbessert. Kindzentrierte Ansätze, Eltern-Kind-Formate und rein elternbasierte Interventionen zeigten vergleichbare Wirksamkeiten.
Der Review fand keine signifikanten Unterschiede in der Wirksamkeit der KVT zwischen Kindern mit und ohne Autismus-Spektrum-Störung. Die KVT kann demnach auch bei dieser Patientengruppe zur Reduktion von Angstsymptomen eingesetzt werden.
Die Auswertung zeigt, dass Interventionen mit weniger als 10 Stunden Therapeutenkontakt ähnlich gute Ergebnisse erzielen wie Therapien mit über 20 Stunden. Es wird daher empfohlen, auch kurze, fokussierte Therapieformate in Betracht zu ziehen.
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Quelle: Cochrane Review: Cognitive behavioural therapy for anxiety disorders in children and adolescents (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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