Akute Querschnittlähmung: Diagnostik und Therapie
Hintergrund
Die akute Querschnittlähmung (QSL) ist die Folge einer traumatischen oder nicht-traumatischen Schädigung des Rückenmarks oder der Cauda equina. Sie führt zu kombinierten oder isolierten Ausfällen der motorischen, sensorischen und vegetativen Funktionen.
Die Inzidenz der traumatischen QSL liegt in Deutschland bei etwa 16 Fällen pro einer Million Einwohner. Durch den demografischen Wandel nimmt der Anteil nicht-traumatischer Ursachen, wie degenerative Veränderungen oder Tumore, stetig zu.
Eine zeitnahe und strukturierte medizinische Versorgung in der Akutphase, definiert als die ersten 14 Tage nach Eintritt der Läsion, ist entscheidend. Ziel ist es, sekundäre Schädigungen zu minimieren und die bestmöglichen Voraussetzungen für die funktionelle Erholung zu schaffen.
💡Praxis-Tipp
Ein häufiger Fehler in der Akutphase ist die vorschnelle Formulierung von Prognosen gegenüber den Angehörigen. Die Leitlinie warnt davor, in den ersten Tagen anhand der klinischen Untersuchung (ISNCSCI) oder der MRT-Bilder verlässliche Vorhersagen zur neurologischen Erholung zu treffen. Es wird empfohlen, aufgrund dieser Unsicherheit zunächst keine definitiven prognostischen Aussagen zu tätigen.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt eine operative Dekompression und Stabilisierung möglichst zeitnah, spätestens jedoch 24 Stunden nach dem Unfall. Voraussetzung hierfür ist eine vorherige Stabilisierung der Vitalparameter.
Es wird empfohlen, den arteriellen Mitteldruck (MAP) in den ersten 2 bis 3 Tagen zwischen 70 und 90 mmHg zu halten. Als bevorzugter Vasopressor wird hierfür Noradrenalin genannt.
Bei einer traumatischen Querschnittlähmung rät die Leitlinie von einer Behandlung mit Methylprednisolon ab. Liegt jedoch eine Rückenmarkskompression durch Metastasen vor, wird die Gabe von Dexamethason zur Verbesserung der Gehfähigkeit empfohlen.
Laut Leitlinie erfolgt die Ableitung in der Akutphase über einen transurethralen Dauerkatheter, idealerweise aus Silikon mit 12 bis 14 Ch. Sobald keine Bilanzierung mehr nötig ist, sollte ein Wechsel auf intermittierenden Einmalkatheterismus erwogen werden.
Bei einer zu erwartenden längeren Beatmungsdauer wird eine frühe Tracheotomie innerhalb von 4 bis 6 Tagen empfohlen. Dies soll das Risiko für beatmungsassoziierte Pneumonien und die Liegedauer auf der Intensivstation reduzieren.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: Diagnostik und Therapie der akuten Querschnittlähmung (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
Lebenslange Nachsorge für Menschen mit Querschnittlähmung
Rehabilitation der unteren Extremität, der Steh- und Gehfunktion bei Menschen mit Querschnittlähmung
Prolongierte Beatmungsentwöhnung in der neurologisch-neurochirurgischen Frührehabilitation
Neuro-urologische Versorgung querschnittgelähmter Patienten
Atmung, Atemunterstützung und Beatmung bei akuter und chronischer Querschnittlähmung
ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien
AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.
Kostenloses Konto erstellen