Aktinische Keratose: Behandlung mit Ingenolmebutat
Hintergrund
Der IQWiG-Bericht A13-04 bewertet den therapeutischen Zusatznutzen von Ingenolmebutat. Der Wirkstoff ist für die topische Behandlung von nicht hyperkeratotischen, nicht hypertrophen aktinischen Keratosen bei Erwachsenen zugelassen.
Als zweckmäßige Vergleichstherapie wurde vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) unter anderem Diclofenac-Hyaluronsäure-Gel (3 %) festgelegt. Der pharmazeutische Unternehmer wählte diese Option für sein Bewertungsdossier aus.
Da keine direkten Vergleichsstudien vorlagen, versuchte der Hersteller, den Zusatznutzen über indirekte Vergleiche zu belegen. Das IQWiG überprüfte die methodische Qualität dieser Nachweise und bewertete die Evidenzlage.
Empfehlungen
Die Bewertung des IQWiG kommt zu folgenden zentralen Ergebnissen hinsichtlich der Evidenzlage:
Methodische Mängel der vorgelegten Daten
Laut Bericht liegen keine randomisierten kontrollierten Studien (RCT) vor, die Ingenolmebutat direkt mit Diclofenac-Hyaluronsäure-Gel vergleichen. Der vom Hersteller vorgelegte indirekte Vergleich wurde als methodisch nicht valide eingestuft.
Es wird kritisiert, dass es sich um einen nicht adjustierten indirekten Vergleich handelt, bei dem die Randomisierung aufgehoben wurde. Zudem ist die therapeutische Äquivalenz der in den Studien verwendeten Vehikelgele (mit und ohne Hyaluronsäure) nicht abschließend geklärt.
Bewertung des Zusatznutzens
Aufgrund der fehlenden validen Datenbasis zieht das Institut folgendes Fazit:
-
Ein Zusatznutzen von Ingenolmebutat gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie ist nicht belegt.
-
Es lassen sich keine spezifischen Patientengruppen identifizieren, für die ein therapeutisch bedeutsamer Zusatznutzen besteht.
-
Auch für den Endpunkt der Rezidivrate konnte mangels geeigneter vergleichender Studien kein Zusatznutzen abgeleitet werden.
Epidemiologische Einschätzung
Die Zielpopulation der GKV-Patienten mit nicht hyperkeratotischen, nicht hypertrophen aktinischen Keratosen wird auf Basis von Prävalenzdaten geschätzt. Das Institut hält einen Anteil von 80 bis 90 Prozent dieser Subgruppe an allen Patienten mit aktinischen Keratosen für plausibel.
Dosierung
Der Bericht zitiert folgende Dosierungsschemata aus der Fachinformation:
| Wirkstoff | Konzentration | Indikation (Lokalisation) | Dosierung und Dauer |
|---|---|---|---|
| Ingenolmebutat | 150 µg/g Gel | Gesicht und Kopfhaut | 1 Tube (Inhalt) 1-mal täglich für 3 aufeinanderfolgende Tage |
| Ingenolmebutat | 500 µg/g Gel | Stamm und Extremitäten | 1 Tube (Inhalt) 1-mal täglich für 2 aufeinanderfolgende Tage |
| Diclofenac-Hyaluronsäure | 3 % Gel | Aktinische Keratosen (allgemein) | 0,5 g Gel 2-mal täglich für 60 bis 90 Tage |
Laut Fachinformation wird das Ingenolmebutat-Gel auf eine Fläche von 25 cm² aufgetragen und sanft einmassiert. Es stehen keine klinischen Daten zu mehr als einem Behandlungszyklus zur Verfügung.
Kontraindikationen
Die Fachinformation nennt laut Bericht folgende Kontraindikationen und Warnhinweise für Ingenolmebutat:
-
Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder sonstige Bestandteile
-
Anwendung bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren
-
Anwendung während der Schwangerschaft
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Auftragen im Bereich offener Wunden oder geschädigter Haut mit beeinträchtigter Barrierefunktion
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Anwendung in der Nähe der Augen, in den Nasenlöchern, in der Innenseite der Ohren oder auf den Lippen
Zudem wird darauf hingewiesen, dass die behandelte Fläche innerhalb von 6 Stunden nach dem Auftragen nicht berührt oder gewaschen werden darf. Ein luft- oder wasserdichtes Abdecken (Okklusion) der behandelten Fläche ist zu vermeiden.
💡Praxis-Tipp
Der Bericht weist darauf hin, dass bei Läsionen, die klinisch untypisch für aktinische Keratosen erscheinen oder den Verdacht auf Malignität erwecken, eine Biopsie durchgeführt werden sollte. Dies dient der Sicherstellung einer angemessenen Therapieplanung vor dem Einsatz topischer Präparate.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bewertung ist ein Zusatznutzen von Ingenolmebutat im Vergleich zu Diclofenac-Hyaluronsäure-Gel nicht belegt. Es lagen keine validen direkten oder indirekten Vergleichsstudien vor.
Die Fachinformation sieht für die Behandlung im Gesicht und auf der Kopfhaut eine Anwendungsdauer von 3 aufeinanderfolgenden Tagen vor. Hierbei wird das 150 µg/g Gel einmal täglich aufgetragen.
Der Bericht zitiert die Fachinformation, wonach Ingenolmebutat während der Schwangerschaft nicht angewendet werden soll.
Gemäß den zitierten Herstellerangaben schließt sich an die kurze Behandlungsphase eine 8-wöchige Pause an. Nach diesem Zeitraum kann der therapeutische Effekt beurteilt werden.
Es wird darauf hingewiesen, dass die behandelte Fläche innerhalb von 6 Stunden nach dem Auftragen nicht gewaschen werden darf. Zudem soll das Gel nicht direkt nach dem Duschen aufgetragen werden.
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Quelle: IQWiG A13-04: Ingenolmebutat - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (Dossierbewertung) (IQWiG, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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