CochraneIa2022

ADHS bei Erwachsenen: Methylphenidat-Therapie & Evidenz

Diese Leitlinie stammt aus 2022 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: Cochrane (2022)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Der vorliegende Cochrane-Review untersucht die Wirksamkeit und Sicherheit von retardiertem Methylphenidat bei Erwachsenen mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Methylphenidat ist ein Stimulans des zentralen Nervensystems und wird häufig als medikamentöse Erstlinientherapie eingesetzt.

Die Diagnose ADHS wird zunehmend auch im Erwachsenenalter gestellt. Betroffene leiden häufig unter Konzentrationsstörungen, Hyperaktivität und Impulsivität, was zu erheblichen Einschränkungen im beruflichen und sozialen Alltag führen kann.

Obwohl Methylphenidat in zahlreichen klinischen Studien getestet wurde, bestehen weiterhin Unklarheiten über das genaue Nutzen-Risiko-Verhältnis. Der Review schloss 24 randomisierte, placebokontrollierte Studien mit über 5000 Teilnehmern ein, um diese Wissenslücken zu adressieren.

Empfehlungen

Die Meta-Analyse formuliert folgende Kernaussagen zur Therapie mit retardiertem Methylphenidat:

Wirksamkeit auf Symptome und Alltag

Laut Review reduziert retardiertes Methylphenidat im Vergleich zu Placebo die Schwere der ADHS-Symptome. Dieser Effekt wird als klein bis moderat eingestuft, unabhängig davon, ob die Einschätzung durch die Patienten selbst, durch Prüfärzte oder durch Angehörige erfolgt.

Die Lebensqualität der Patienten verbesserte sich unter der Medikation nur in geringem Maße. Auf funktionelle Endpunkte, wie die Anzahl der verpassten Arbeits- oder Schultage, zeigte das Medikament laut den vorliegenden Daten keinen signifikanten Effekt.

Sicherheit und Nebenwirkungen

Der Review fand kein erhöhtes Risiko für schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (Serious Adverse Events). Allerdings erhöhte Methylphenidat das allgemeine Risiko, überhaupt eine Nebenwirkung zu erleiden, signifikant.

Die folgende Tabelle fasst das relative Risiko (RR) für spezifische Nebenwirkungen im Vergleich zu Placebo zusammen:

Unerwünschtes EreignisRelatives Risiko (RR)Erhöhtes Risiko laut Review
Innere Unruhe (Jitteriness)5,52Ja
Verminderter Appetit4,08Ja
Herzklopfen (Palpitationen)3,67Ja
Mundtrockenheit3,36Ja
Schlaflosigkeit1,97Ja
Depression1,47Nein

Evidenzqualität und methodische Einschränkungen

Die Autoren bewerten die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz für alle Endpunkte als sehr niedrig. Dies wird primär mit einem hohen Verzerrungsrisiko in den eingeschlossenen Studien begründet.

Zudem wird die Übertragbarkeit der Studienergebnisse auf den klinischen Alltag stark angezweifelt. Folgende methodische Mängel wurden identifiziert:

  • Ausschluss von Patienten mit psychiatrischen Komorbiditäten.

  • Bevorzugter Einschluss von Patienten, die in der Vergangenheit bereits positiv auf Stimulanzien reagiert hatten.

  • Kurze Studiendauern von median nur acht Wochen.

Kontraindikationen

Der Review verweist auf Warnhinweise der FDA, wonach die chronische Einnahme von Methylphenidat zu Abhängigkeit und Toleranzentwicklung führen kann. Zudem wird auf das Risiko von kardiovaskulären Ereignissen sowie auf mögliche Absetz- und Rebound-Phänomene nach Beendigung der Therapie hingewiesen.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Der Review betont, dass die meisten Zulassungsstudien Patienten mit psychiatrischen Begleiterkrankungen ausschlossen und oft nur Personen testeten, die Stimulanzien bereits gut vertrugen. Es wird darauf hingewiesen, dass diese Studienpopulationen den klinischen Alltag nicht realistisch abbilden. In der Praxis wird daher eine besonders sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung empfohlen, da die tatsächliche Nebenwirkungsrate höher ausfallen könnte als in den Studien berichtet.

Häufig gestellte Fragen

Laut Cochrane-Review bewirkt das Medikament eine kleine bis moderate Linderung der ADHS-Symptome. Die Evidenz für diesen Effekt wird jedoch als sehr niedrig eingestuft.

Die Meta-Analyse konnte keinen signifikanten Effekt auf die Anzahl der verpassten Arbeits- oder Schultage feststellen. Auch die allgemeine Lebensqualität verbesserte sich nur geringfügig.

Der Review zeigt ein signifikant erhöhtes Risiko für verminderten Appetit, Mundtrockenheit, Herzklopfen und Schlaflosigkeit. Auch psychiatrische Symptome wie innere Unruhe und Angstzustände wurden unter der Medikation häufiger beobachtet.

Die Autoren des Reviews bemängeln, dass die mediane Studiendauer der Studien nur acht Wochen betrug. Eine Behandlung über 52 Wochen hinaus wird durch die vorliegenden randomisierten Studien nicht ausreichend gestützt.

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Quelle: Cochrane Review: Extended-release methylphenidate for attention deficit hyperactivity disorder (ADHD) in adults (Cochrane, 2022). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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