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American College of Gastroenterology (ACG)2018GastroenterologieInnere Medizin

Morbus Crohn: Leitlinie zur Therapie (ACG)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf American College of Gastroenterology (ACG) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Fäkales Calprotectin wird stark empfohlen, um chronisch-entzündliche Darmerkrankungen vom Reizdarmsyndrom zu unterscheiden.
  • Orale Mesalazin-Präparate sind zur Induktion einer Remission bei aktivem Morbus Crohn nicht wirksam.
  • Budesonid (9 mg/Tag) ist die Therapie der Wahl bei leichtem bis mittelschwerem ileozökalem Befall.
  • Eine Kombinationstherapie aus Infliximab und Thiopurinen ist einer Monotherapie überlegen.
  • Rauchen verschlechtert den Krankheitsverlauf signifikant; eine Entwöhnung wird dringend empfohlen.
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Hintergrund

Morbus Crohn ist eine chronische, fortschreitende und destruktive entzündliche Darmerkrankung. Zu den Leitsymptomen gehören Bauchschmerzen, Durchfall, Müdigkeit und Gewichtsverlust. Im Verlauf entwickeln viele Patienten Komplikationen wie Strikturen, Abszesse oder Fisteln. Bis zu 25 % der Patienten leiden an perianalen Fisteln. Zudem besteht ein erhöhtes Risiko für kolorektale Karzinome (bei Kolonbefall) sowie Dünndarmadenokarzinome.

Diagnostik und Überwachung

Die Diagnose wird klinisch in Kombination mit endoskopischen, radiologischen und histologischen Befunden gestellt. Genetische oder serologische Tests werden zur primären Diagnosestellung nicht empfohlen.

MaßnahmeIndikation / BemerkungEvidenz / Empfehlung
Fäkales CalprotectinDifferenzierung zwischen IBD und ReizdarmsyndromStarke Empfehlung, moderate Evidenz
IleokoloskopieStandard zur Erstdiagnose inkl. Biopsien aus unauffälliger MukosaKernaussage
MRT-Enterographie (MRE)Bevorzugt bei Patienten <35 Jahre oder für serielle Scans (Strahlenschutz)Kernaussage
ChromoendoskopieBei hohem Dysplasie-Risiko (z.B. PSC), sonst High-Def Weißlicht ausreichendBedingte Empfehlung, niedrige Evidenz
KapselendoskopieBei Verdacht auf Dünndarmbefall (vorab Patency-Kapsel bei Obstruktionsverdacht)Kernaussage

Krankheitsmodifikatoren

Bestimmte Lebensstilfaktoren und Medikamente beeinflussen den Krankheitsverlauf maßgeblich:

  • NSAR: Können Krankheitsschübe auslösen und sollten gemieden werden (Starke Empfehlung, niedrige Evidenz).
  • Rauchen: Verschlechtert die Krankheitsaktivität und beschleunigt Rezidive. Eine Entwöhnung wird dringend empfohlen (Starke Empfehlung, niedrige Evidenz).
  • Stress und Depression: Mindern die Lebensqualität und Adhärenz. Ein entsprechendes Management sollte Teil der Therapie sein (Starke Empfehlung, sehr niedrige Evidenz).
  • Antibiotika: Sollten nicht restriktiv gehandhabt werden, um Schübe zu vermeiden (Bedingte Empfehlung, sehr niedrige Evidenz).

Medikamentöse Therapie: Leichte bis mittelschwere Erkrankung

WirkstoffIndikation / BemerkungEmpfehlungsgrad
Budesonid (9 mg/d)Induktion bei leichtem/mittelschwerem ileozökalem BefallStarke Empfehlung, niedrige Evidenz
SulfasalazinSymptomkontrolle bei leichtem/mittelschwerem KolonbefallBedingte Empfehlung, niedrige Evidenz
Mesalazin (oral)Nicht wirksam zur Remissionsinduktion bei aktivem M. CrohnStarke Empfehlung (dagegen), moderate Evidenz
AntibiotikaMetronidazol/Ciprofloxacin nicht als Primärtherapie empfohlenBedingte Empfehlung (dagegen), niedrige Evidenz

Medikamentöse Therapie: Mittelschwere bis schwere Erkrankung

WirkstoffIndikation / BemerkungEmpfehlungsgrad
Orale KortikosteroideKurzzeitige Symptomkontrolle; bewirken keine dauerhafte SchleimhautheilungStarke Empfehlung, moderate Evidenz
Thiopurine (Azathioprin/6-MP)Steroideinsparung und Remissionserhaltung; TPMT-Testung vorab empfohlenStarke Empfehlung, moderate/niedrige Evidenz
MethotrexatBei steroidabhängigem Verlauf und zur RemissionserhaltungBedingte Empfehlung, niedrige Evidenz
Anti-TNF (Infliximab, Adalimumab)Bei Steroid- oder Thiopurin-RefraktäritätStarke Empfehlung, moderate Evidenz
Infliximab + ThiopurineKombinationstherapie ist der Monotherapie überlegenStarke Empfehlung, hohe Evidenz
VedolizumabInduktion bei mittelschwerem/schwerem M. CrohnStarke Empfehlung, hohe Evidenz
NatalizumabInduktion/Erhaltung; JC-Virus-Antikörper alle 6 Monate testen (PML-Risiko)Starke Empfehlung, moderate Evidenz

Kernaussage zur Biologika-Therapie: Vor Beginn einer Anti-TNF-Therapie muss ein Screening auf latente Tuberkulose (Röntgen-Thorax, IGRA/Tuberkulin-Test) sowie auf Virushepatitis (Hepatitis B) erfolgen. Lebendimpfstoffe sind unter immunsuppressiver Therapie kontraindiziert.

💡Praxis-Tipp

Bestimmen Sie vor der Einleitung einer Therapie mit Azathioprin oder 6-Mercaptopurin immer die TPMT-Aktivität. Verzichten Sie bei Patienten mit isoliertem luminalem Morbus Crohn auf orale Mesalazin-Präparate zur Remissionsinduktion, da diese laut Leitlinie wirkungslos sind.

Häufig gestellte Fragen

Nein, orale Mesalazin-Präparate sind laut ACG-Leitlinie nicht wirksam zur Induktion einer Remission oder Schleimhautheilung bei aktivem Morbus Crohn.
Die MRT-Enterographie (MRE) sollte bevorzugt bei jungen Patienten (<35 Jahre) und bei Notwendigkeit serieller Untersuchungen eingesetzt werden, um die Strahlenbelastung zu minimieren.
Die Leitlinie empfiehlt Budesonid (mit kontrollierter ilealer Freisetzung) in einer Dosierung von 9 mg täglich zur Induktion einer symptomatischen Remission.
Aufgrund des Risikos einer progressiven multifokalen Leukenzephalopathie (PML) muss der JC-Virus-Antikörperstatus vor Therapiebeginn und danach alle 6 Monate kontrolliert werden.

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