ClariMedClariMed
American College of Gastroenterology (ACG)2019GastroenterologieInnere Medizin

Colitis ulcerosa bei Erwachsenen: Leitlinie (ACG)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf American College of Gastroenterology (ACG) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Das primäre Therapieziel ist die steroidfreie Remission und die mukosale Heilung (Mayo-Endoskopie-Score 0 oder 1).
  • Bei leichter bis mittelschwerer Aktivität ist 5-Aminosalicylat (5-ASA) topisch und/oder oral die Therapie der Wahl.
  • Bei mittelschwerer bis schwerer Erkrankung werden Anti-TNF-Antikörper, Vedolizumab, Tofacitinib oder systemische Steroide (nur zur Induktion) empfohlen.
  • Infliximab sollte zur Induktionstherapie immer mit einem Thiopurin kombiniert werden.
  • Die akute schwere Colitis ulcerosa (ASUC) erfordert eine stationäre Aufnahme, intravenöse Steroide, eine Thromboseprophylaxe und den Ausschluss von C. difficile.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Die Colitis ulcerosa (CU) ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, die typischerweise das Rektum betrifft und sich kontinuierlich nach proximal ausbreitet. Leitsymptome sind blutige Diarrhö, imperativer Stuhldrang (Urgency) und Tenesmen. Ziel der Behandlung ist eine anhaltende, steroidfreie Remission sowie die mukosale Heilung, um Morbidität, Hospitalisierungen und das Kolonkarzinomrisiko zu senken.

Diagnostik und Klassifikation

Die Diagnose erfordert eine Koloskopie mit Intubation des terminalen Ileums und Stufenbiopsien. Ein infektiöser Auslöser, insbesondere Clostridioides difficile (C. diff), muss bei Erstdiagnose und jedem Schub ausgeschlossen werden (starke Empfehlung). Serologische Antikörpertests (z.B. pANCA) werden weder zur Diagnose noch zur Prognoseabschätzung empfohlen.

Ausdehnung (Montreal)Definition
Proktitis (E1)Befall innerhalb von 18 cm ab Anokutanlinie
Linksseitige Colitis (E2)Befall vom Rektum bis zur Flexura splenica
Ausgedehnte Colitis (E3)Befall proximal der Flexura splenica (Pankolitis)

Zur Beurteilung der Krankheitsaktivität werden klinische und endoskopische Scores wie der Mayo-Score oder der UCEIS (Ulcerative Colitis Endoscopic Index of Severity) herangezogen.

Mayo-Score ParameterAusprägung (0-3 Punkte)
Stuhlfrequenz0 = normal, 3 = ≥5 mehr als normal
Rektale Blutung0 = keine, 3 = reines Blut
Endoskopie0 = normal, 1 = mild (Erythem), 2 = moderat (Erosionen), 3 = schwer (Ulcera)
Arzturteil0 = normal, 3 = schwere Erkrankung

Fäkales Calprotectin (FC) dient als nicht-invasiver Marker zur Verlaufsbeurteilung und als Surrogatparameter für die mukosale Heilung, wenn eine Endoskopie nicht möglich ist.

Therapieziele

Das primäre Therapieziel ist die mukosale Heilung (Mayo-Endoskopie-Subscore 0 oder 1), da diese mit einer anhaltenden steroidfreien Remission und einer Reduktion von Operationen korreliert. Die histologische Heilung ist mit besseren klinischen Outcomes assoziiert, gilt aber derzeit noch nicht als primäres Therapieziel.

Therapie der leichten Colitis ulcerosa

Die Basistherapie der leichten CU besteht aus 5-Aminosalicylaten (5-ASA).

AusdehnungInduktionstherapieErhaltungstherapie
ProktitisRektales 5-ASA (1 g/Tag)Rektales 5-ASA (1 g/Tag)
LinksseitigRektales 5-ASA (≥1 g/Tag) + Orales 5-ASA (≥2 g/Tag)Orales 5-ASA (≥2 g/Tag)
AusgedehntOrales 5-ASA (≥2 g/Tag)Orales 5-ASA (≥2 g/Tag)
  • Bei Non-Response auf 5-ASA wird orales Budesonid MMX (9 mg/Tag) oder ein systemisches Corticosteroid empfohlen.
  • Systemische Steroide dürfen niemals zur Erhaltungstherapie eingesetzt werden (starke Empfehlung).
  • Ein Wechsel zwischen verschiedenen 5-ASA-Präparaten bei Therapieversagen wird nicht empfohlen.

Therapie der mittelschweren bis schweren Colitis ulcerosa

Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Aktivität oder hohem Risiko für einen schweren Verlauf (z.B. tiefe Ulzerationen, früherer Steroidbedarf) benötigen eine eskalierte Therapie.

WirkstoffklasseMedikamenteBemerkung zur Induktion & Erhaltung
SteroideBudesonid MMX, systemische SteroideNur zur Induktion. Keine Erhaltungstherapie!
Anti-TNF-AntikörperInfliximab, Adalimumab, GolimumabStarke Empfehlung zur Induktion und Erhaltung.
Integrin-InhibitorenVedolizumabStarke Empfehlung, auch bei vorherigem Anti-TNF-Versagen.
JAK-InhibitorenTofacitinibStarke Empfehlung (10 mg BID zur Induktion).
ImmunmodulatorenAzathioprin, 6-MercaptopurinNicht als Monotherapie zur Induktion geeignet.

Kernaussagen zur Biologika-Therapie:

  • Infliximab sollte zur Induktion in Kombination mit einem Thiopurin (Azathioprin) gegeben werden (starke Empfehlung).
  • Bei primärem Therapieversagen unter Anti-TNF (trotz adäquater Talspiegel) sollte die Wirkstoffklasse gewechselt werden (z.B. zu Vedolizumab oder Tofacitinib), anstatt ein anderes Anti-TNF-Präparat zu versuchen.
  • Methotrexat wird weder zur Induktion noch zur Erhaltungstherapie empfohlen.

Akute schwere Colitis ulcerosa (ASUC)

Die ASUC ist ein potenziell lebensbedrohlicher Notfall (≥6 blutige Stühle/Tag + systemische Toxizitätszeichen).

MaßnahmeEmpfehlung
DiagnostikFlexible Sigmoidoskopie (innerhalb 24-72h) zum CMV-Ausschluss.
InfektionenC. diff-Testung obligatorisch. Bei Nachweis: Vancomycin (nicht Metronidazol).
SupportivThromboseprophylaxe (VTE) ist zwingend erforderlich (starke Empfehlung).
MedikamenteKeine NSAIDs, Opioide oder Anticholinergika. Keine routinemäßigen Breitbandantibiotika.
PrimärtherapieIntravenöse Steroide (z.B. Methylprednisolon 60 mg/Tag oder Hydrocortison 100 mg 3-4x/Tag).
Rescue-TherapieBei fehlendem Ansprechen nach 3-5 Tagen: Infliximab oder Cyclosporin.

Bei therapierefraktären Verläufen, toxischem Megakolon, Perforation oder schweren Blutungen muss frühzeitig eine chirurgische Vorstellung zur Kolektomie erfolgen.

💡Praxis-Tipp

Denken Sie bei jedem schweren Schub oder einer therapierefraktären Colitis ulcerosa an eine Superinfektion mit Clostridioides difficile oder Zytomegalievirus (CMV). Behandeln Sie C. difficile bei diesen Patienten primär mit Vancomycin, nicht mit Metronidazol.

Häufig gestellte Fragen

Fäkales Calprotectin (FC) ist ein zuverlässiger, nicht-invasiver Marker zur Beurteilung der Krankheitsaktivität und als Surrogat für die mukosale Heilung.
Bei der Induktionstherapie mit Infliximab wird eine Kombination mit einem Thiopurin (z.B. Azathioprin) stark empfohlen, da dies der Monotherapie überlegen ist.
Nein. Systemische Corticosteriode sind wirksam zur Induktion einer Remission, dürfen aber aufgrund der Nebenwirkungen und fehlenden Langzeitwirkung nicht zur Erhaltungstherapie verwendet werden.
Die primäre Therapie besteht aus einer stationären Aufnahme, intravenösen Steroiden (z.B. Methylprednisolon 60 mg/Tag) und einer medikamentösen Thromboseprophylaxe.
Wenn nach 3-5 Tagen intravenöser Steroidgabe keine Besserung eintritt, sollte eine Rescue-Therapie mit Infliximab oder Cyclosporin eingeleitet werden.

Verwandte Leitlinien