ClariMedClariMed
AWMFS32014Psychosomatik

Psychisches Trauma: Akutbehandlung Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Psychosoziale Maßnahmen sollen in den ersten Stunden bis Tagen nach dem Trauma angeboten werden.
  • Sicherheit und Schutz der Betroffenen haben bei der Ersteinschätzung oberste Priorität.
  • Einmaliges psychologisches Debriefing wird als Frühintervention ausdrücklich nicht empfohlen.
  • Die Traumafokussierte Kognitive Verhaltenstherapie (TF-KVT) ist die spezifische Frühintervention der Wahl.
  • Mit dem Einsatz von Psychopharmaka sollte primär zugewartet werden, sofern keine akute Suizidalität vorliegt.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Die Leitlinie behandelt die Diagnostik und Behandlung akuter Folgen psychischer Traumatisierung innerhalb der ersten drei Monate nach einem Ereignis. Als traumatisch gelten Ereignisse, die eine außergewöhnliche Belastung oder extreme Bedrohung darstellen (z.B. schwere Unfälle, Gewalt, Naturkatastrophen). Die Reaktionen können von kurzzeitigen Belastungen bis hin zu akuten Traumafolgestörungen (Akute Belastungsreaktion, Akute Belastungsstörung) reichen.

Symptomatik und Verlauf

Die Symptome entstehen meist innerhalb von Stunden bis Tagen und fluktuieren im Verlauf. Eine verzögerte Symptomentwicklung ist möglich.

KategorieTypische Symptome
WiedererlebenIntrusionen, Flashbacks, traumaassoziierte Alpträume
ÜbererregungSchlafstörungen, Schreckhaftigkeit, Reizbarkeit, Konzentrationsstörungen
VermeidungRückzug, Vermeidung traumaassoziierter Stimuli
DissoziationDerealisation, Depersonalisation, dissoziativer Stupor
AffektEmotionale Taubheit, depressive Reaktionen, Schuld- und Schamerleben

Besonderheiten bei Kindern: Kinder und Jugendliche zeigen ähnliche Symptome, jedoch altersabhängig auch spezifische Auffälligkeiten:

  • Kleinkinder: Erhöhte Trennungsangst, regressives Verhalten (Bettnässen, Babysprache), Verzögerung neuer Fertigkeiten.
  • Vorschulkinder: Magisches Denken, Fehlerklärungen, erhöhte Fantasietätigkeit.
  • Schulkinder/Jugendliche: Ängste vor Ausgrenzung, Störungen des Sozialverhaltens.

Diagnostik und Screening

In der frühen Phase (erste Stunden bis Tage) steht die psychosoziale Ersteinschätzung im Vordergrund. Symptomorientierte Screeninginstrumente sollen in den ersten Tagen vorsichtig interpretiert werden, da frühe Symptome eine hohe Spontanremissionsrate aufweisen.

Die Ersteinschätzung muss folgende Bereiche abdecken:

  • Psychischer Befund: Bewusstsein, Orientierung, Affekt, Eigen- und Fremdgefährdung.
  • Äußere Sicherheit: Sicherstellung von Schutz, besonders bei anhaltender Bedrohung (z.B. häusliche Gewalt).
  • Ressourcen: Erfassung der sozialen Unterstützung und aktueller Lebensbedingungen.

Schutz- und Risikofaktoren

Die Entwicklung einer Traumafolgestörung hängt von der individuellen Balance aus Schutz- und Risikofaktoren ab.

PhaseRisikofaktorenSchutzfaktoren
PrätraumatischFrühere Traumata, psychische Vorerkrankungen, SelbstabwertungHohes Kohärenzgefühl
PeritraumatischHohe wahrgenommene Bedrohung, Selbstaufgabe, KatastrophisierungHohe Selbstwirksamkeitserwartung
PosttraumatischFehlende soziale Unterstützung, anhaltende Schmerzen, Kontakt zum TäterSoziale Unterstützung, Schutz vor Zusatzbelastungen

Frühinterventionen und Therapie

Die Grundhaltung der Behandler muss von Akzeptanz, Wertschätzung und emotionaler Einfühlung geprägt sein. Interventionen basieren auf Freiwilligkeit und dürfen nicht aufgedrängt werden.

Prinzipien der psychosozialen Notfallversorgung

PrinzipPraktische Umsetzung
Sicherheit fördernAn einen sicheren Ort bringen, Medienkonsum begrenzen
Beruhigen und entlastenAktiv Probleme angehen, Informationen über Angehörige geben
Selbstwirksamkeit fördernBetroffene in Entscheidungen einbinden
Kontakt fördernKontakt zu nahestehenden Personen wiederherstellen
Hoffnung stärkenUnterstützung bei der Alltagsorganisation, Beratungsstellen kontaktieren

Spezifische therapeutische Empfehlungen

  • Watchful Waiting: Allen Betroffenen, besonders jenen mit hoher Symptomlast, soll in den ersten Wochen ein aktives Monitoring angeboten werden.
  • Traumafokussierte Kognitive Verhaltenstherapie (TF-KVT): Soll als spezifische Frühintervention eingesetzt werden. Sie umfasst Informationsvermittlung, Exposition, kognitive Umstrukturierung und Stressbewältigung.
  • Debriefing: Ein einmaliges psychologisches Debriefing mit Durcharbeiten der traumatischen Erfahrung soll nicht als Frühintervention angeboten werden.
  • Psychopharmaka: Mit dem Einsatz sollte zugewartet werden, sofern keine akute Suizidalität vorliegt. Sie sind nur zu erwägen, wenn nicht-pharmakologische Maßnahmen keine Besserung bringen.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie auf ein einmaliges psychologisches Debriefing. Setzen Sie stattdessen auf 'Watchful Waiting' und vermitteln Sie bei anhaltender Symptomatik eine Traumafokussierte Kognitive Verhaltenstherapie (TF-KVT).

Häufig gestellte Fragen

Erste psychosoziale Maßnahmen zur Beruhigung und Sicherstellung der äußeren Sicherheit sollen bereits in den ersten Stunden bis Tagen angeboten werden.
Nein, ein einmaliges Debriefing mit einem Durcharbeiten der traumatischen Erfahrung wird laut Leitlinie ausdrücklich nicht als Frühintervention empfohlen.
Die Traumafokussierte Kognitive Verhaltenstherapie (TF-KVT) soll als spezifische Frühintervention eingesetzt werden.
Nein, primär sollte zugewartet werden. Ausnahmen gelten bei akuter Suizidalität oder wenn nicht-pharmakologische Maßnahmen versagen.
Häufig durch erhöhte Trennungsangst, regressives Verhalten (wie Bettnässen oder Babysprache) und Verzögerungen beim Erlernen neuer Fertigkeiten.

Verwandte Leitlinien