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Malaria-Leitlinie: Prävention, Diagnostik & Therapie (WHO)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf WHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Alle Verdachtsfälle erfordern zwingend eine parasitologische Bestätigung (RDT oder Mikroskopie) vor Therapiebeginn.
  • Unkomplizierte P. falciparum-Malaria wird standardmäßig mit einer 3-tägigen Artemisinin-basierten Kombinationstherapie (ACT) behandelt.
  • Schwere Malaria erfordert initial intravenöses oder intramuskuläres Artesunat für mindestens 24 Stunden, gefolgt von einer oralen ACT.
  • Zur Rezidivprophylaxe bei P. vivax und P. ovale ist Primaquin oder Tafenoquin indiziert, zwingend nach vorheriger G6PD-Testung.
  • Die Malaria-Impfung (RTS,S/AS01 oder R21/Matrix-M) wird für Kinder ab 5 Monaten in Endemiegebieten empfohlen.
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Hintergrund

Malaria bleibt weltweit eine der führenden Ursachen für Morbidität und Mortalität. Die WHO-Leitlinie bietet evidenzbasierte Empfehlungen zur Prävention, Diagnostik und Therapie, um die Krankheitslast zu senken und die Transmission zu unterbrechen.

Prävention und Vektorkontrolle

Die Vektorkontrolle ist eine zentrale Säule der Malaria-Prävention. Die gleichzeitige Anwendung von Moskitonetzen und Innenraumbesprühung zur Kompensation von Implementierungslücken wird nicht empfohlen. Es sollte primär eine optimale Abdeckung mit einer der beiden Methoden angestrebt werden.

InterventionEmpfehlungsgradBemerkung
ITNs (Insektizidbehandelte Netze)StarkStandardprävention in Endemiegebieten.
Pyrethroid-Chlorfenapyr ITNsStarkBevorzugt in Gebieten mit nachgewiesener Pyrethroid-Resistenz.
IRS (Innenraumbesprühung)StarkIndiziert, wenn Vektoren drinnen ruhen und Wände sprühfähig sind.
  • Malaria-Impfung: Die WHO empfiehlt den Einsatz der Impfstoffe RTS,S/AS01 oder R21/Matrix-M für Kinder ab 5 Monaten in Gebieten mit moderater bis hoher Transmission. Das Schema umfasst 4 Dosen.

Diagnostik

  • Jeder Verdachtsfall muss parasitologisch (mittels RDT oder Mikroskopie) bestätigt werden.
  • Eine qualitätsgesicherte Diagnostik ist vor Beginn jeder Therapie obligatorisch.

Therapie der unkomplizierten Malaria

Die Standardtherapie der unkomplizierten P. falciparum-Malaria besteht aus einer 3-tägigen Artemisinin-basierten Kombinationstherapie (ACT).

Wirkstoffkombination (ACT)DauerEvidenz
Artemether-Lumefantrin (AL)3 TageStark
Artesunat-Amodiaquin (AS+AQ)3 TageStark
Artesunat-Mefloquin (ASMQ)3 TageStark
Dihydroartemisinin-Piperaquin (DHAP)3 TageStark
Artesunat-Pyronaridin (ASPY)3 TageStark (Kontraindiziert bei Lebererkrankungen)
  • 1. Trimenon der Schwangerschaft: Behandlung zwingend mit Artemether-Lumefantrin.
  • Transmissionsreduktion: In Niedrigprävalenzgebieten sollte zusätzlich zur ACT eine Einzeldosis Primaquin (0,25 mg/kg) gegeben werden (kein G6PD-Test nötig).

Therapie bei P. vivax, P. ovale, P. malariae und P. knowlesi

Die Blutstadien werden mit einer ACT oder (bei Empfindlichkeit) mit Chloroquin behandelt. Zur Verhinderung von Rezidiven (Hypnozoiten bei P. vivax und P. ovale) ist eine anti-relapse Therapie erforderlich. Ein G6PD-Test ist vorher zwingend erforderlich.

G6PD-AktivitätTherapieDosierung
Normal (>70%)Primaquin1 mg/kg/Tag für 7 Tage ODER 0,5 mg/kg/Tag für 14 Tage
Normal (>70%)TafenoquinEinzeldosis (nur bei Chloroquin-Therapie, ab 2 Jahren)
Intermediär (>30%)Primaquin0,5 mg/kg/Tag für 14 Tage
Defizient (<30%)Primaquin0,75 mg/kg einmal wöchentlich für 8 Wochen (unter strenger Aufsicht)

Therapie der schweren Malaria

Erwachsene, Kinder und Schwangere (alle Trimena) mit schwerer Malaria müssen parenteral behandelt werden.

  • Initiale Therapie: Intravenöses (i.v.) oder intramuskuläres (i.m.) Artesunat für mindestens 24 Stunden.

  • Dosierung Artesunat: Kinder <20 kg erhalten 3 mg/kg pro Dosis. Größere Kinder und Erwachsene erhalten 2,4 mg/kg pro Dosis.

  • Folgetherapie: Sobald orale Medikamente toleriert werden, Komplettierung mit einer 3-tägigen oralen ACT.

  • Pre-Referral-Therapie (Vor Verlegung): Wenn eine vollständige Therapie nicht möglich ist, Gabe einer Einzeldosis i.m. Artesunat (alternativ i.m. Artemether oder i.m. Chinin). Rektales Artesunat (10 mg/kg) darf nur bei Kindern <6 Jahren angewendet werden, falls keine Injektionen verfügbar sind.

Chemoprävention

Die WHO empfiehlt verschiedene präventive Chemotherapien für Hochrisikogruppen in Endemiegebieten:

StrategieZielgruppeBemerkung
IPTpSchwangereSulfadoxin-Pyrimethamin (SP) ab dem 2. Trimenon (mind. 3 Dosen).
PMCSäuglinge/KleinkinderGanzjährige Prävention in Hochrisikogebieten.
SMCKinderSaisonale Prävention während der Transmissionsspitze.
PDMCKinder nach KlinikentlassungNach schwerer Anämie zur Vermeidung von Rehospitalisierung.

💡Praxis-Tipp

Führen Sie bei Verdacht auf P. vivax oder P. ovale vor der Einleitung einer Rezidivprophylaxe mit Primaquin oder Tafenoquin immer einen G6PD-Test durch, um lebensbedrohliche Hämolysen zu vermeiden.

Häufig gestellte Fragen

Schwangere mit unkomplizierter P. falciparum-Malaria sollten im ersten Trimenon zwingend mit Artemether-Lumefantrin (AL) behandelt werden.
Mit intravenösem oder intramuskulärem Artesunat für mindestens 24 Stunden. Sobald der Patient orale Medikamente toleriert, wird die Behandlung mit einer 3-tägigen oralen ACT komplettiert.
Ausschließlich als Pre-Referral-Therapie (vor Verlegung) bei Kindern unter 6 Jahren (10 mg/kg), wenn keine intramuskulären Injektionen verfügbar sind.
Die WHO empfiehlt die Impfstoffe RTS,S/AS01 oder R21/Matrix-M in einem 4-Dosen-Schema für Kinder ab 5 Monaten in Gebieten mit moderater bis hoher Transmission.
Ja, laut WHO muss jeder Verdachtsfall vor Therapiebeginn parasitologisch durch einen RDT (Schnelltest) oder Mikroskopie bestätigt werden.

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