Tuberkulose (TB): Diagnostik und BPaLM-Therapieschemata

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: WHO (2024)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Der WHO Global Tuberculosis Report 2023 liefert eine umfassende Bewertung der weltweiten Tuberkulose-Epidemie. Nach den massiven Einschränkungen durch die COVID-19-Pandemie zeigt der Bericht für das Jahr 2022 eine deutliche Erholung bei den Diagnosen und Behandlungen.

Dennoch bleibt Tuberkulose laut WHO nach COVID-19 die weltweit zweithäufigste Todesursache durch einen einzelnen Infektionserreger. Im Jahr 2022 erkrankten schätzungsweise 10,6 Millionen Menschen neu an TB, während 1,3 Millionen Menschen daran verstarben.

Die globalen Ziele der End TB Strategy für 2022 wurden größtenteils verfehlt. Der Bericht betont die Dringlichkeit, den Zugang zu präventiven Maßnahmen, molekularen Schnelltests und kürzeren, rein oralen Therapieschemata weltweit zu verbessern.

Empfehlungen

Der Bericht formuliert basierend auf den aktuellen WHO-Leitlinien folgende Kernaspekte zur Versorgung:

Epidemiologische Kernbefunde

Es wird hervorgehoben, dass 2022 weltweit 7,5 Millionen Menschen neu mit Tuberkulose diagnostiziert wurden. Dies stellt den höchsten Wert seit Beginn der globalen Überwachung im Jahr 1995 dar.

Diese Zunahme wird teilweise auf einen Rückstau an nicht diagnostizierten Fällen aus den Pandemiejahren zurückgeführt. Die Lücke zwischen geschätzter Inzidenz und gemeldeten Diagnosen konnte auf 3,1 Millionen Fälle reduziert werden.

Diagnostik

Die WHO empfiehlt den primären Einsatz von molekularen Schnelltests (WRD) anstelle der traditionellen Sputum-Mikroskopie.

Laut Bericht sollen diese Tests als erste diagnostische Maßnahme eingesetzt werden, da sie eine gleichzeitige Testung auf Medikamentenresistenzen ermöglichen. Die globale Abdeckung mit diesen Schnelltests lag 2022 bei 47 Prozent, wobei ein Ziel von 100 Prozent bis 2027 angestrebt wird.

Therapie der medikamentenempfindlichen Tuberkulose

Für die Behandlung der medikamentenempfindlichen Tuberkulose werden folgende Schemata aufgeführt:

  • Ein 6-monatiges Standardregime bestehend aus Isoniazid, Rifampicin, Ethambutol und Pyrazinamid.

  • Ein verkürztes 4-monatiges Regime mit Rifapentin, Isoniazid, Pyrazinamid und Moxifloxacin für Personen ab 12 Jahren.

  • Ein 4-monatiges Regime für Kinder und Jugendliche (3 Monate bis 16 Jahre) mit nicht-schwerer Tuberkulose.

Therapie der multiresistenten Tuberkulose (MDR/RR-TB)

Bei Vorliegen einer Rifampicin-resistenten oder multiresistenten Tuberkulose (MDR/RR-TB) priorisiert die WHO rein orale Therapieschemata.

Es wird ein 6-monatiges BPaLM-Regime (Bedaquilin, Pretomanid, Linezolid, Moxifloxacin) für Personen ab 14 Jahren empfohlen. Bei einer Prä-XDR-TB (zusätzliche Resistenz gegen Fluorchinolone) wird das BPaL-Regime ohne Moxifloxacin eingesetzt.

Präventive Therapie

Die Leitlinie empfiehlt eine präventive Behandlung insbesondere für Menschen mit HIV, Haushaltskontakte von bakteriologisch bestätigten Fällen und klinische Risikogruppen.

Hierfür stehen verschiedene Optionen zur Verfügung, darunter einmonatige (1HP) oder dreimonatige (3HP, 3HR) Regime. Der Bericht verzeichnet einen deutlichen Anstieg bei der präventiven Behandlung von Haushaltskontakten im Jahr 2022.

Dosierung

IndikationTherapieschemaDauerZielgruppe
Medikamentenempfindliche TBIsoniazid, Rifampicin, Ethambutol, Pyrazinamid6 MonateErwachsene und Kinder
Medikamentenempfindliche TBRifapentin, Isoniazid, Pyrazinamid, Moxifloxacin4 MonatePersonen ab 12 Jahren
Nicht-schwere medikamentenempfindliche TBIsoniazid, Rifampicin, Pyrazinamid (ggf. Ethambutol)4 MonateKinder und Jugendliche (3 Monate bis 16 Jahre)
MDR/RR-TBBPaLM (Bedaquilin, Pretomanid, Linezolid, Moxifloxacin)6 MonatePersonen ab 14 Jahren
Prä-XDR-TBBPaL (Bedaquilin, Pretomanid, Linezolid)6 MonatePersonen ab 14 Jahren

Kontraindikationen

Laut WHO-Bericht wird das 6-monatige BPaLM-Regime zur Behandlung der MDR/RR-TB aufgrund der aktuellen Sicherheitsdaten nur für Personen ab 14 Jahren empfohlen.

Für jüngere Erkrankte oder Personen, die für dieses Kurzregime nicht in Frage kommen, wird auf 9-monatige oder längere Schemata verwiesen.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein wesentlicher Aspekt für den klinischen Alltag ist die konsequente Nutzung von molekularen Schnelltests (WRD) als Erstdiagnostik bei Tuberkuloseverdacht. Der Bericht zeigt, dass weltweit nur knapp die Hälfte der Betroffenen mit MDR/RR-TB eine adäquate Therapie erhält. Eine frühzeitige Resistenztestung ist entscheidend, um Erkrankte zeitnah auf die hochwirksamen, rein oralen Kurzzeitregime (wie BPaLM) einzustellen.

Häufig gestellte Fragen

Der WHO-Bericht führt das klassische 6-monatige Regime mit Isoniazid, Rifampicin, Ethambutol und Pyrazinamid auf. Alternativ wird ein verkürztes 4-monatiges Schema mit Rifapentin und Moxifloxacin für Personen ab 12 Jahren beschrieben.

Die WHO priorisiert ein 6-monatiges, rein orales Kurzzeitregime (BPaLM), bestehend aus Bedaquilin, Pretomanid, Linezolid und Moxifloxacin. Dieses Schema wird für Erkrankte ab 14 Jahren empfohlen.

Es wird der Einsatz von WHO-empfohlenen molekularen Schnelltests (WRD) als erste diagnostische Maßnahme empfohlen. Diese ersetzen zunehmend die Sputum-Mikroskopie, da sie gleichzeitig Resistenzen gegen Rifampicin nachweisen können.

Laut Bericht richtet sich die Empfehlung zur Prävention vor allem an Menschen mit HIV, Haushaltskontakte von ansteckenden TB-Fällen sowie an spezielle klinische Risikogruppen. Hierfür stehen ein- bis sechsmonatige medikamentöse Regime zur Verfügung.

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Quelle: WHO Consolidated Guidelines on Tuberculosis (WHO, 2024). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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