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WHO2012

WHO-Leitlinie: Essenzielle Traumaversorgung (EsTC)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf WHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Leitlinie definiert essenzielle (E) und wünschenswerte (D) Ressourcen für vier Versorgungsstufen (Basic bis Tertiärzentrum).
  • Atemwegsmanagement und die Vermeidung von Hypoxie haben höchste Priorität zur Verhinderung sekundärer Schäden.
  • Die Entlastung eines Spannungspneumothorax sowie die Anlage einer Thoraxdrainage sind auf allen Krankenhausebenen essenziell.
  • Bei Kindern unter 5 Jahren ist ein intraossärer Zugang auf allen Krankenhausebenen essenziell.
  • Die Prävention sekundärer Hirnschäden durch Vermeidung von Hypoxie und Hypotension ist bei Schädel-Hirn-Traumata essenziell.
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Hintergrund

Die WHO-Leitlinie zur essenziellen Traumaversorgung (Essential Trauma Care) adressiert die globalen Disparitäten in der Trauma-Mortalität. Während die Mortalität bei mittelschweren Verletzungen in einkommensstarken Ländern bei 6 % liegt, beträgt sie in einkommensschwachen Regionen bis zu 36 %. Ziel ist es, durch verbesserte Organisation und Planung kosteneffiziente Standards zu etablieren.

Ressourcen-Kategorien

Die Leitlinie teilt die Verfügbarkeit von Ressourcen und Fähigkeiten in vier Prioritäten ein, die auf verschiedene Versorgungsstufen (Basic-Klinik, GP-Krankenhaus, Spezialisten-Krankenhaus, Tertiärzentrum) angewendet werden:

PrioritätKürzelBedeutung
EssenziellEMuss auf der jeweiligen Versorgungsstufe immer gewährleistet sein
WünschenswertDErhöht die Erfolgswahrscheinlichkeit, ist aber kostenintensiv
Möglicherweise erforderlichPRIn ressourcenschwachen Gebieten auf niedrigeren Stufen nötig
IrrelevantIAuf dieser Stufe nicht zu erwarten

Atemwegsmanagement (Airway)

Die Sicherung der Atemwege hat höchste Priorität. Ein Versagen beim Atemwegsmanagement ist eine der Hauptursachen für vermeidbare Todesfälle bei Traumapatienten.

Maßnahme / AusrüstungBasicGP-KlinikSpezialistTertiärzentrum
Manuelle Manöver (Kinnlift etc.)EEEE
Absaugung (manuell/Fußpumpe)DEEE
Beutel-Masken-BeatmungDEEE
Endotracheale IntubationDDEE
KrikothyreoidotomieDDEE
  • Essenziell auf allen Stufen: Erkennung einer Atemwegsverlegung und manuelle Freimachung unter HWS-Schutz.
  • Qualitätssicherung: Bei fortgeschrittenem Atemwegsmanagement (Intubation) muss ein Ösophagus-Detektor zur Verifikation genutzt werden.

Atmung (Breathing)

  • Sauerstoffgabe: Auf allen Krankenhausebenen essenziell.
  • Spannungspneumothorax: Die klinische Erkennung und Nadelthorakostomie sind ab der GP-Klinik essenziell (im Basic-Setting wünschenswert).
  • Thoraxdrainage: Die Anlage einer Thoraxdrainage (Tube Thoracostomy) ist auf allen Krankenhausebenen essenziell.
  • Offener Pneumothorax: Ein Drei-Wege-Verband ist auf allen Stufen essenziell.

Kreislauf und Schockmanagement (Circulation)

Die Blutungskontrolle und Volumentherapie sind entscheidend für das Überleben.

MaßnahmeBasicGP-KlinikSpezialistTertiärzentrum
Kompression zur BlutungskontrolleEEEE
Arterielles Tourniquet (Extremsituation)EEEE
Peripherer IV-Zugang & KristalloideDEEE
Intraossärer Zugang (Kinder <5 J.)DDEE
BluttransfusionIEEE
  • Blutungskontrolle: Manuelle Kompression und Frakturschienung sind auf allen Stufen essenziell.
  • Volumentherapie: Kristalloide Lösungen sind ab der GP-Klinik essenziell, Kolloide lediglich wünschenswert.
  • Monitoring: Blutdruckmessung, Stethoskop und Urinkatheter sind ab der GP-Klinik essenziell.

Schädel-Hirn-Trauma

Die Vermeidung von sekundären Hirnschäden durch Hypoxie und Hypotension ist die wichtigste therapeutische Maßnahme, da diese für 65 % der Mortalität bei Schädel-Hirn-Traumata verantwortlich sind.

  • Diagnostik: Die Erhebung des Glasgow Coma Scale (GCS) und der Pupillenreaktion ist auf allen Stufen essenziell.
  • Bildgebung: Ein CT ist aufgrund der Kosten auf allen Stufen nur wünschenswert (D), auch wenn es die Therapie massiv erleichtert.
  • Chirurgie: Ein Bohrloch (Burr hole) zur Entlastung ist im Tertiärzentrum essenziell, beim Spezialisten wünschenswert und in isolierten GP-Kliniken möglicherweise erforderlich (PR).
  • Ernährung: Die Aufrechterhaltung des Grundbedarfs (z. B. via Magensonde bei Komatösen) ist auf allen Krankenhausebenen essenziell.

Halsverletzungen

  • Diagnostik: Die Erkennung einer Platysma-Penetration ist auf allen Krankenhausebenen essenziell.
  • Therapie: Die externe Blutungskontrolle ist auf allen Stufen essenziell.

💡Praxis-Tipp

Sichern Sie bei Schädel-Hirn-Traumata primär die Oxygenierung und den Blutdruck. Sekundäre Hirnschäden durch Hypoxie und Hypotension sind für 65 % der Mortalität verantwortlich.

Häufig gestellte Fragen

Bei Kindern unter 5 Jahren ist die Fähigkeit zur Anlage eines intraossären Zugangs auf allen Krankenhausebenen essenziell.
Nein, aufgrund der hohen Kosten wird ein CT in der Leitlinie auf allen Versorgungsstufen nur als wünschenswert (D), nicht als essenziell (E) eingestuft.
Die klinische Erkennung, die Nadelthorakostomie und die anschließende Anlage einer Thoraxdrainage sind auf allen Krankenhausebenen essenziell.
Die Fähigkeit zur Bluttransfusion ist ab der Stufe der Allgemeinkrankenhäuser (GP-Klinik) essenziell.

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