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WHO2024

Massenanfall von Brandverletzten: WHO-Leitlinie 2024

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf WHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Triage bei Brandverletzten erfolgt in drei Phasen: am Unfallort, bei Ankunft in der Klinik und nach der definitiven Wundreinigung.
  • Am Unfallort basiert die Beurteilung der Verbrennungsschwere primär auf der geschätzten Körperoberfläche (%TBSA), nicht auf der Tiefe.
  • Die Entscheidung für eine palliative Versorgung (Kategorie "expectant") darf frühestens bei Ankunft in der ersten aufnehmenden Klinik getroffen werden.
  • Die Flüssigkeitstherapie sollte so früh wie möglich beginnen, primär oral erfolgen und bei Bedarf intravenös ergänzt werden.
  • Spezialisierte Burn Assessment Teams (BAT) und Burn Specialist Teams (BST) unterstützen lokale Strukturen bei Triage und klinischer Versorgung.
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Hintergrund

Ein Massenanfall von Brandverletzten (Mass Casualty Incident, MCI) stellt Gesundheitssysteme vor enorme Herausforderungen. Die WHO empfiehlt allen Mitgliedsstaaten, spezifische Pläne für Verbrennungs-MCIs in ihre nationalen Katastrophenpläne aufzunehmen. Zur Unterstützung lokaler Ressourcen sollen spezialisierte Teams eingesetzt werden.

Team-TypEinsatzzeitpunktEinsatzdauerKernfunktionenLogistik
BAT (Burn Assessment Team)Innerhalb von Stunden2 WochenBeratung, klinische Ersteinschätzung, KoordinationLeicht, portabel, mind. 3 Tage autark
BST (Burn Specialist Team)Innerhalb von Tagen6 WochenKlinische Maximalversorgung, KapazitätsaufbauMind. 2 Wochen autark

Triage-Phasen

Die Triage ist ein dynamischer Prozess und muss mehrfach wiederholt werden. Die Leitlinie definiert drei obligatorische Phasen:

PhaseOrtFokus & Maßnahmen
1. On-sceneUnfallortStandard-MCI-Triage (z.B. START). Schweregrad primär nach %TBSA (Neunerregel nach Wallace). Keine "Expectant"-Einstufung (infaust) am Unfallort!
2. On-arrivalErste aufnehmende KlinikRe-Evaluation (%TBSA, Tiefe, Alter, Komorbiditäten). Entscheidung über Palliativversorgung ("Expectant") ist ab hier unter Expertenanleitung möglich.
3. DefinitivNach Wundreinigung/ScrubExakte Bestimmung von Ausmaß und Tiefe. Definitive Verlegungsentscheidung.

Triage-Kategorien nach %TBSA (Orientierungshilfe):

  • Priorität 1: > 40 % TBSA, Inhalationstrauma, zirkuläre Thoraxverbrennungen
  • Priorität 2: 20–40 % TBSA, zirkuläre Extremitätenverbrennungen, Spezialregionen
  • Priorität 3: < 20 % TBSA

Erste Hilfe und Wundversorgung

  • Kühlung: 10 Minuten bis zu 3 Stunden nach dem Trauma mit zimmerwarmem oder kühlem Trinkwasser. Bei Hypothermiegefahr hat die Reanimation Vorrang.
  • Analgesie: Frühzeitige Schmerztherapie, idealerweise vor der Wundreinigung.
  • Reinigung: Entfernung von Schmutz und Reizstoffen. Ringe und Schmuck sofort entfernen.
  • Tetanus: Impfstatus prüfen und ggf. auffrischen.
  • Antibiotika: Keine routinemäßige prophylaktische Gabe, es sei denn, es besteht eine spezifische klinische Indikation.

Flüssigkeitsmanagement

Die Flüssigkeitsgabe sollte so früh wie möglich (bereits am Unfallort oder in der ersten Klinik) beginnen.

  • Primär orale Flüssigkeitstherapie (z.B. ORS) anwenden.
  • Bei Bedarf und je nach Ressourcen durch intravenöse (IV) Flüssigkeit (Kristalloide) ergänzen.
  • Zur Berechnung des Bedarfs sind Standardformeln zu verwenden.

Chirurgische Interventionen

Um spezialisierte Verbrennungszentren zu entlasten, können bestimmte Eingriffe auch in peripheren Kliniken durchgeführt werden:

QualifikationMögliche Eingriffe
Nicht-VerbrennungschirurgErweiterte Wundreinigung, chirurgischer Scrub, Escharotomie, Fasziotomie
VerbrennungschirurgExzision, enzymatisches Debridement, Hauttransplantation, Lappenplastiken, Kontraktur-Release

Verlegung und Entlassung

  • Ambulante Führung: Patienten mit < 20 % TBSA (oberflächlich/zweitgradig) und ohne betroffene Spezialregionen können bei gesichertem sozialem Umfeld entlassen werden.
  • Verlegung ins Zentrum: Patienten mit > 20 % TBSA, tiefen dermalen Verbrennungen oder Verbrennungen an Spezialregionen (Gesicht, Hals, Hände, Füße, Genitalien, Gelenke) erfordern eine spezialisierte stationäre Behandlung.

Rehabilitation

Der Rehabilitationsbedarf muss bereits bei Ankunft in der ersten Klinik evaluiert werden. Aktive und passive Bewegungsübungen, Schienung und funktionelles Training sollen frühestmöglich beginnen, sobald die Vitalfunktionen stabil sind. Kompressionstherapie und Massagen werden zur Ödem- und Narbenkontrolle frühzeitig empfohlen.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie auf prophylaktische Antibiotika bei Brandverletzten. Beginnen Sie die Flüssigkeitstherapie so früh wie möglich primär oral und schätzen Sie am Unfallort nur die verbrannte Fläche (%TBSA), nicht die Tiefe.

Häufig gestellte Fragen

Frühestens bei Ankunft in der ersten aufnehmenden Klinik, idealerweise unter Einbezug von Fachexpertise. Am Unfallort darf diese Entscheidung aufgrund der hohen Fehleranfälligkeit bei der initialen Einschätzung nicht getroffen werden.
Mit der Neunerregel nach Wallace für Erwachsene (bzw. der modifizierten Version für Kinder). Die Verbrennungstiefe wird in der ersten Triage-Phase am Unfallort noch nicht berücksichtigt.
Allgemeinchirurgen oder Unfallchirurgen können die erweiterte Wundreinigung, den chirurgischen Scrub, Escharotomien und Fasziotomien durchführen.
Bei Verbrennungen von > 20 % TBSA, bei tiefen dermalen Verbrennungen sowie bei Verbrennungen an Spezialregionen (Gesicht, Hals, Hände, Füße, Genitalien, große Gelenke).

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