Praeklinische Notfallversorgung: Leitlinie (WHO 2025)
📋Auf einen Blick
- •Die WHO definiert klare operative Standards fuer Rettungsdienste, einschliesslich Systemregulation, Dispatch und Qualitaetsmanagement.
- •Rettungswagen muessen mit mindestens zwei Personen besetzt sein: einem zertifizierten Provider (BPP/APP) und einem in Erster Hilfe geschulten Fahrer.
- •Die Zuweisung (Destination Triage) erfolgt primaer in die naechstgelegene, am besten geeignete Einrichtung, ausser bei spezifischem Versorgungsbedarf.
- •Ein kontinuierliches Qualitaetsverbesserungsprogramm (QI) mit Fallpruefungen bei kritischen Ereignissen ist obligatorisch.
Hintergrund
Die WHO-Leitlinie zur praeklinischen Notfallversorgung (Prehospital Emergency Care) bietet einen operativen Rahmen fuer den Aufbau und die Organisation von Rettungsdienstsystemen. Ziel ist es, durch standardisierte Ablauefe die Patientenversorgung von der Alarmierung bis zur Uebergabe in der Klinik zu optimieren. Der Fokus liegt auf Systemregulation, Kommunikation und Qualitaetsmanagement.
Provider-Level und Qualifikationen
Die Leitlinie definiert verschiedene Qualifikationsstufen fuer das Personal im praeklinischen System:
| Level | Qualifikation | Aufgabenbereich |
|---|---|---|
| CFAR | Community First Aid Responder | Laienhelfer im organisierten System; einfache Erste Hilfe (Atemweg, Blutungskontrolle) |
| Dispatcher | Zertifizierter Disponent | Notrufabfrage, Priorisierung, Disposition, telefonische Anleitung (Pre-arrival instructions) |
| BPP | Basic Prehospital Provider | Basisnotfallversorgung (BLS), nicht-invasive Massnahmen, Immobilisation |
| APP | Advanced Prehospital Provider | Erweiterte Notfallversorgung (ALS), invasive Massnahmen, erweitertes Monitoring |
Anforderungen an den Rettungswagen
Fuer den regulaeren Rettungsdienstbetrieb (Ambulance Operations) gelten strikte Vorgaben hinsichtlich Personal und Fahrzeug:
- Personal: Mindestens zwei Personen pro Fahrzeug. Ein zertifizierter Provider (BPP oder APP) muss sich im Patientenraum zur Ueberwachung befinden. Der Fahrer muss qualifiziert sein und mindestens ueber ein Erste-Hilfe-Training verfuegen.
- Fahrzeug: Muss ueber zwei getrennte Kompartimente verfuegen (Fahrer- und Patientenraum) und verkehrssicher sein.
- Ausstattung: Ausruestung fuer BLS und ALS muss jederzeit funktionsfaehig sein. Taegliche Inspektionen durch das Personal sind verpflichtend.
- Hygiene: Eine gruendliche Reinigung muss alle 24 Stunden erfolgen, zusaetzlich zu einer routinemaessigen Reinigung nach jedem Patientenkontakt.
Zuweisungsstrategie (Destination Policy)
Die Entscheidung, in welche Klinik ein Patient transportiert wird (Destination Triage), folgt klaren Regeln:
| Situation | Vorgehen | Bemerkung |
|---|---|---|
| Standard | Transport in die naechstgelegene, geeignete Einrichtung | Basisregel fuer alle Patienten |
| Bypass | Vorbeifahrt am naechsten Krankenhaus zu einer Spezialklinik | Bei spezifischem Bedarf (z. B. schweres Trauma), sofern der Patient stabil ist |
| Instabilitaet | Transport ins naechste Krankenhaus zur Stabilisierung | Wenn der Patient den Transport in die Spezialklinik voraussichtlich nicht ueberleben wuerde |
| Diversion | Umleitung durch die Zielklinik | Nur bei Kapazitaetsengpaessen; erfordert zentrale Koordination durch den Dispatch |
Qualitaetsmanagement (QI)
Ein strukturiertes Qualitaetsverbesserungsprogramm ist essenziell fuer die Patientensicherheit. Die Leitlinie fordert ein verpflichtendes Case Review bei folgenden Ereignissen:
- Unerwarteter Tod waehrend oder unmittelbar nach der Versorgung
- Mangelhafte Durchfuehrung von Massnahmen mit potenziell schlechtem Outcome
- Verletzung von Mitarbeitern im Dienst
- Ausfall von Ausruestung oder Personal
- Dispositionsfehler (z. B. falsche Adresse)
- Sicherheitsbedenken an der Einsatzstelle, die zu Verzoegerungen fuehrten
💡Praxis-Tipp
Nutzen Sie strukturierte Uebergabeprotokolle bei der Patientenuebergabe in der Klinik und dokumentieren Sie Abweichungen von der Standard-Zuweisungsstrategie (Bypass) stets mit Begruendung.