Lepra-Elimination: Leitlinie zur Transmission (WHO)
📋Auf einen Blick
- •Die Unterbrechung der Transmission ist definiert als null neue autochthone kindliche Fälle (<15 Jahre) über mindestens 5 aufeinanderfolgende Jahre.
- •Die Elimination der Lepra-Erkrankung ist erreicht bei null neuen autochthonen Fällen über mindestens 3 aufeinanderfolgende Jahre.
- •Der Non-Endemie-Status wird nach 10 Jahren ohne oder mit nur sporadischen autochthonen Fällen erreicht.
- •Als Post-Expositions-Prophylaxe (PEP) für Kontaktpersonen wird eine Einzeldosis Rifampicin (SDR) empfohlen.
- •Zur Überwachung dienen Tools wie das Leprosy Elimination Monitoring Tool (LEMT) und das Leprosy Elimination Dossier.
Hintergrund
Lepra, verursacht durch Mycobacterium leprae (und seltener M. lepromatosis), ist eine der vernachlässigten Tropenkrankheiten (NTDs), die laut WHO-Roadmap bis 2030 für eine Unterbrechung der Transmission vorgesehen ist. Da die Inkubationszeit von Lepra sehr lang ist (2–5 Jahre für paucibazilläre [PB] und 5–10 Jahre für multibazilläre [MB] Lepra), können auch nach Unterbrechung der Transmission noch jahrelang neue Fälle auftreten. Die Leitlinie unterscheidet daher strikt zwischen der Unterbrechung der Transmission und der Elimination der Erkrankung.
Phasen der Lepra-Elimination
Der Weg zur vollständigen Elimination wird in verschiedene Phasen unterteilt, die auf nationaler und subnationaler Ebene überwacht werden:
| Phase | Meilenstein / Kriterium | Beschreibung |
|---|---|---|
| Phase 1 | Bis zur Unterbrechung der Transmission | Es treten noch neue autochthone Fälle bei Kindern auf. Aktive und passive Fallfindung sind essenziell. |
| Phase 2 | Bis zur Elimination der Erkrankung | Keine neuen autochthonen Fälle bei Kindern (<15 Jahre) für mind. 5 aufeinanderfolgende Jahre. Es werden nur noch erwachsene autochthone Fälle detektiert. |
| Phase 3 | Post-Eliminations-Surveillance | Keine neuen autochthonen Fälle für mind. 3 aufeinanderfolgende Jahre. Sporadische Fälle können noch auftreten und müssen untersucht werden. |
| Non-Endemisch | Non-Endemie-Status | Keine oder nur sporadische autochthone Fälle für einen Zeitraum von ≥ 10 Jahren. |
Definitionen und Fallklassifikation
Um die epidemiologische Lage korrekt zu bewerten, müssen neu auftretende Fälle präzise klassifiziert werden:
| Klassifikation | Definition | Epidemiologische Bedeutung |
|---|---|---|
| Autochthoner Fall | Infektion wurde lokal im Meldegebiet erworben. | Teil der lokalen Transmissionskette. |
| Nicht-autochthoner Fall | Infektion wurde in einem anderen Land/Gebiet erworben (z. B. durch Migration oder Aufenthalt ≥6 Monate in den letzten 15 Jahren in einem Endemiegebiet). | Nicht Teil der lokalen Transmissionskette. |
| Sporadischer Fall | Gelegentlich auftretende neue Fälle in Phase 2 (nur Kinder) oder Phase 3, die in keinem Zusammenhang zu anderen Fällen stehen. | Erfordern genaue Untersuchung auf mögliche Re-Emergenz. |
Wichtige Indikatoren zur Überwachung
Zur Überwachung des Fortschritts in Richtung Elimination definiert die WHO spezifische Indikatoren:
- Anteil von Kindern unter den neuen Fällen: Ein Rückgang deutet auf eine abnehmende Transmission hin.
- Rate neuer Fälle mit Grad-2-Behinderung (G2D): Reflektiert Verzögerungen in der Diagnosestellung.
- Anteil multibazillärer (MB) Fälle: Da MB-Lepra eine längere Inkubationszeit hat, kann ein steigender Anteil von MB-Fällen bei gleichzeitig sinkenden Gesamtzahlen darauf hindeuten, dass die Transmission bereits unterbrochen ist.
- Seroprävalenz bei Kindern (6–7 Jahre): Ein positiver Test auf M. leprae-Infektion bei Kleinkindern ist ein sensibler Indikator für eine kürzlich erfolgte Transmission.
Prävention und Post-Expositions-Prophylaxe (PEP)
Die aktive Fallfindung und das Kontakt-Screening sind in allen Endemie-Phasen essenziell.
- Kontakt-Screening: Sollte Haushaltsmitglieder, Nachbarn und soziale Kontakte umfassen. Bei einem MB-Indexfall wird ein jährliches Screening über 5 Jahre empfohlen, bei einem PB-Indexfall über 3 Jahre.
- Chemoprophylaxe: Die Verabreichung einer Einzeldosis Rifampicin (SDR-PEP) wird für berechtigte Kontaktpersonen empfohlen, um die Entwicklung der Krankheit zu verhindern und die Transmission frühzeitig zu unterbrechen.
Kriterien für Gesundheitsprogramme
Für die Verifikation der Elimination müssen nationale Gesundheitsprogramme bestimmte Kriterien erfüllen, die in einem "Leprosy Elimination Dossier" dokumentiert werden:
| Bereich | Kriterium | Bemerkung |
|---|---|---|
| Integration | Lepra-Dienste im allgemeinen Gesundheitssystem | Diagnostik und MDT-Therapie (Multi-Drug Therapy) müssen auf Primärversorgungsebene verfügbar sein. |
| Surveillance | Digitales Datenmanagement | Geografische Kartierung (Mapping) neuer autochthoner Fälle zur Identifikation von Clustern (Hotspots). |
| Rehabilitation | Zugang zu sozialer Unterstützung | Überweisungssysteme für physische Rehabilitation, CBR (Community-Based Rehabilitation) und psychische Gesundheitsdienste. |
| Stigma | Reduktion von Lepra-bezogenem Stigma | Monitoring des Stigmas in der Gemeinschaft und bei Gesundheitspersonal (z. B. mittels 5-QSI-CS Tool). |
💡Praxis-Tipp
Führen Sie bei jedem neu diagnostizierten Lepra-Fall ein konsequentes Kontakt-Screening (Haushalt, Nachbarn, soziales Umfeld) durch und prüfen Sie die Indikation für eine Post-Expositions-Prophylaxe mit einer Einzeldosis Rifampicin (SDR-PEP).