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WHO2023

Lepra-Elimination: Leitlinie zur Transmission (WHO)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf WHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Unterbrechung der Transmission ist definiert als null neue autochthone kindliche Fälle (<15 Jahre) über mindestens 5 aufeinanderfolgende Jahre.
  • Die Elimination der Lepra-Erkrankung ist erreicht bei null neuen autochthonen Fällen über mindestens 3 aufeinanderfolgende Jahre.
  • Der Non-Endemie-Status wird nach 10 Jahren ohne oder mit nur sporadischen autochthonen Fällen erreicht.
  • Als Post-Expositions-Prophylaxe (PEP) für Kontaktpersonen wird eine Einzeldosis Rifampicin (SDR) empfohlen.
  • Zur Überwachung dienen Tools wie das Leprosy Elimination Monitoring Tool (LEMT) und das Leprosy Elimination Dossier.
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Hintergrund

Lepra, verursacht durch Mycobacterium leprae (und seltener M. lepromatosis), ist eine der vernachlässigten Tropenkrankheiten (NTDs), die laut WHO-Roadmap bis 2030 für eine Unterbrechung der Transmission vorgesehen ist. Da die Inkubationszeit von Lepra sehr lang ist (2–5 Jahre für paucibazilläre [PB] und 5–10 Jahre für multibazilläre [MB] Lepra), können auch nach Unterbrechung der Transmission noch jahrelang neue Fälle auftreten. Die Leitlinie unterscheidet daher strikt zwischen der Unterbrechung der Transmission und der Elimination der Erkrankung.

Phasen der Lepra-Elimination

Der Weg zur vollständigen Elimination wird in verschiedene Phasen unterteilt, die auf nationaler und subnationaler Ebene überwacht werden:

PhaseMeilenstein / KriteriumBeschreibung
Phase 1Bis zur Unterbrechung der TransmissionEs treten noch neue autochthone Fälle bei Kindern auf. Aktive und passive Fallfindung sind essenziell.
Phase 2Bis zur Elimination der ErkrankungKeine neuen autochthonen Fälle bei Kindern (<15 Jahre) für mind. 5 aufeinanderfolgende Jahre. Es werden nur noch erwachsene autochthone Fälle detektiert.
Phase 3Post-Eliminations-SurveillanceKeine neuen autochthonen Fälle für mind. 3 aufeinanderfolgende Jahre. Sporadische Fälle können noch auftreten und müssen untersucht werden.
Non-EndemischNon-Endemie-StatusKeine oder nur sporadische autochthone Fälle für einen Zeitraum von ≥ 10 Jahren.

Definitionen und Fallklassifikation

Um die epidemiologische Lage korrekt zu bewerten, müssen neu auftretende Fälle präzise klassifiziert werden:

KlassifikationDefinitionEpidemiologische Bedeutung
Autochthoner FallInfektion wurde lokal im Meldegebiet erworben.Teil der lokalen Transmissionskette.
Nicht-autochthoner FallInfektion wurde in einem anderen Land/Gebiet erworben (z. B. durch Migration oder Aufenthalt ≥6 Monate in den letzten 15 Jahren in einem Endemiegebiet).Nicht Teil der lokalen Transmissionskette.
Sporadischer FallGelegentlich auftretende neue Fälle in Phase 2 (nur Kinder) oder Phase 3, die in keinem Zusammenhang zu anderen Fällen stehen.Erfordern genaue Untersuchung auf mögliche Re-Emergenz.

Wichtige Indikatoren zur Überwachung

Zur Überwachung des Fortschritts in Richtung Elimination definiert die WHO spezifische Indikatoren:

  • Anteil von Kindern unter den neuen Fällen: Ein Rückgang deutet auf eine abnehmende Transmission hin.
  • Rate neuer Fälle mit Grad-2-Behinderung (G2D): Reflektiert Verzögerungen in der Diagnosestellung.
  • Anteil multibazillärer (MB) Fälle: Da MB-Lepra eine längere Inkubationszeit hat, kann ein steigender Anteil von MB-Fällen bei gleichzeitig sinkenden Gesamtzahlen darauf hindeuten, dass die Transmission bereits unterbrochen ist.
  • Seroprävalenz bei Kindern (6–7 Jahre): Ein positiver Test auf M. leprae-Infektion bei Kleinkindern ist ein sensibler Indikator für eine kürzlich erfolgte Transmission.

Prävention und Post-Expositions-Prophylaxe (PEP)

Die aktive Fallfindung und das Kontakt-Screening sind in allen Endemie-Phasen essenziell.

  • Kontakt-Screening: Sollte Haushaltsmitglieder, Nachbarn und soziale Kontakte umfassen. Bei einem MB-Indexfall wird ein jährliches Screening über 5 Jahre empfohlen, bei einem PB-Indexfall über 3 Jahre.
  • Chemoprophylaxe: Die Verabreichung einer Einzeldosis Rifampicin (SDR-PEP) wird für berechtigte Kontaktpersonen empfohlen, um die Entwicklung der Krankheit zu verhindern und die Transmission frühzeitig zu unterbrechen.

Kriterien für Gesundheitsprogramme

Für die Verifikation der Elimination müssen nationale Gesundheitsprogramme bestimmte Kriterien erfüllen, die in einem "Leprosy Elimination Dossier" dokumentiert werden:

BereichKriteriumBemerkung
IntegrationLepra-Dienste im allgemeinen GesundheitssystemDiagnostik und MDT-Therapie (Multi-Drug Therapy) müssen auf Primärversorgungsebene verfügbar sein.
SurveillanceDigitales DatenmanagementGeografische Kartierung (Mapping) neuer autochthoner Fälle zur Identifikation von Clustern (Hotspots).
RehabilitationZugang zu sozialer UnterstützungÜberweisungssysteme für physische Rehabilitation, CBR (Community-Based Rehabilitation) und psychische Gesundheitsdienste.
StigmaReduktion von Lepra-bezogenem StigmaMonitoring des Stigmas in der Gemeinschaft und bei Gesundheitspersonal (z. B. mittels 5-QSI-CS Tool).

💡Praxis-Tipp

Führen Sie bei jedem neu diagnostizierten Lepra-Fall ein konsequentes Kontakt-Screening (Haushalt, Nachbarn, soziales Umfeld) durch und prüfen Sie die Indikation für eine Post-Expositions-Prophylaxe mit einer Einzeldosis Rifampicin (SDR-PEP).

Häufig gestellte Fragen

Wenn über mindestens 5 aufeinanderfolgende Jahre keine neuen autochthonen Fälle bei Kindern (<15 Jahre) auftreten.
Wenn nach der Unterbrechung der Transmission für mindestens 3 aufeinanderfolgende Jahre keine neuen autochthonen Fälle (jeden Alters) mehr auftreten.
Ein Fall, bei dem davon ausgegangen wird, dass die Infektion lokal im Meldegebiet erworben wurde und somit Teil der lokalen Transmissionskette ist.
Die WHO empfiehlt eine Einzeldosis Rifampicin (SDR-PEP) für enge Kontaktpersonen (Haushalt, Nachbarn, soziales Umfeld).

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