WHO-Leitlinie: Elimination von Kala-Azar in Südostasien
📋Auf einen Blick
- •Kala-Azar gilt als eliminiert, wenn die Inzidenz für mindestens 3 aufeinanderfolgende Jahre unter 1 Fall pro 10.000 Einwohner liegt.
- •Ein umfassendes Dossier zur Validierung erfordert detaillierte epidemiologische Daten, historische Verläufe und Vektorkontrollstrategien.
- •Aktive und passive Fallfindungsstrategien (Surveillance) sind essenziell für den Nachweis der Elimination.
- •Post-Kala-Azar dermale Leishmaniose (PKDL) und HIV-Koinfektionen gelten als wichtige Erregerreservoire und erfordern besondere Überwachung.
- •Die Vektorkontrolle erfolgt primär durch integriertes Vektormanagement, insbesondere durch Indoor Residual Spraying (IRS).
Hintergrund
Das vorliegende Dokument der WHO dient als Vorlage (Template Dossier) für nationale Programme in Südostasien, um die Elimination von Kala-Azar (viszerale Leishmaniose) als öffentliches Gesundheitsproblem offiziell validieren zu lassen.
Die Konsolidierungsphase der Elimination ist erreicht, wenn folgende Kriterien erfüllt sind:
| Kriterium | Anforderung |
|---|---|
| Inzidenz-Grenzwert | < 1 Fall (Neuinfektionen + Rückfälle) pro 10.000 Einwohner |
| Dauer | Mindestens 3 aufeinanderfolgende Jahre |
| Geografische Ebene | Auf Ebene der Implementierungseinheit (z. B. Distrikt, Block, Upazila) |
Surveillance und Fallfindung
Um den Status der Elimination nachzuweisen, müssen Länder robuste Überwachungssysteme etablieren. Dies umfasst sowohl die passive als auch die aktive Fallfindung.
| Strategie | Maßnahmen und Anforderungen |
|---|---|
| Passive Surveillance | Definition von Verdachtsfällen, bestätigten Fällen und Rückfällen. Einsatz von Schnelltests (RDTs) und Bestätigung durch Serologie oder Parasitologie. |
| Aktive Fallfindung | Regelmäßiges Screening in endemischen Gebieten, Ausbruchsuntersuchungen und integrierte Ansätze zur Fallerkennung. |
| Fallbasierte Reaktion | Aktives Screening von Haushalten und Nachbarschaften nach Bestätigung eines Indexfalles. |
Epidemiologische Datenerfassung
Für die Validierung müssen detaillierte Daten über einen Zeitraum von mindestens 5 Jahren auf nationaler und subnationaler Ebene vorgelegt werden:
- Anzahl der mit Schnelltests getesteten Verdachtsfälle vs. positive Tests
- Neue Fälle und Rückfälle pro Jahr
- Todesfälle durch Kala-Azar
- Fälle von Post-Kala-Azar dermaler Leishmaniose (PKDL)
- HIV-Kala-Azar-Koinfektionen
Vektorkontrolle
Die Strategie zur Vektorkontrolle basiert auf einem integrierten Vektormanagement.
| Maßnahme | Beschreibung |
|---|---|
| Indoor Residual Spraying (IRS) | Besprühen von Innenräumen mit Insektiziden. Erfordert genaue Protokolle, Auswahlkriterien für Gebiete und Dokumentation der Abdeckung. |
| Umweltmanagement | Verbesserte Wohnverhältnisse, Verputzen von Wänden mit verschiedenen Materialien zur Reduktion von Brutstätten. |
Post-Validierungs-Surveillance und Risikofaktoren
Auch nach der Validierung der Elimination werden weiterhin neue Fälle auf niedrigem Niveau auftreten, da aktuelle Werkzeuge die Übertragung nicht vollständig stoppen können. Ein Post-Validierungs-Surveillance-Plan für die nächsten 5 Jahre ist zwingend erforderlich.
Besondere Aufmerksamkeit gilt den Erregerreservoiren:
- PKDL-Patienten: Treten typischerweise 1 bis 10 Jahre nach scheinbarer Heilung auf (bei bis zu 15 % der Fälle) und dienen als potenzielles Reservoir.
- HIV-Koinfektion: HIV-infizierte Patienten sind besonders anfällig für Kala-Azar als opportunistische Infektion und stellen ein wichtiges Krankheitsreservoir dar.
💡Praxis-Tipp
Achten Sie bei Patienten mit stattgehabter Kala-Azar-Infektion auch Jahre später auf Hautveränderungen, da eine Post-Kala-Azar dermale Leishmaniose (PKDL) als wichtiges Erregerreservoir fungieren kann. Bei HIV-Patienten aus Endemiegebieten sollte Kala-Azar stets als opportunistische Infektion bedacht werden.