Kala-azar (Viszerale Leishmaniose): Leitlinie (WHO)
📋Auf einen Blick
- •Das Eliminationsziel für Kala-azar liegt bei einer Inzidenz von < 1 Fall pro 10.000 Einwohner und einer Letalität von < 1 %.
- •Die Diagnostik erfolgt primär über rK39-Schnelltests bei Patienten mit Fieber von mehr als 2 Wochen Dauer.
- •Liposomales Amphotericin B ist die bevorzugte Therapie für Kala-azar in Südostasien.
- •Alle Kala-azar-Patienten müssen bis zu 3 Jahre nachbeobachtet werden, um eine Post-Kala-azar dermale Leishmaniose (PKDL) zu erfassen.
- •Ein integriertes Vektormanagement (IVM) inklusive Indoor Residual Spraying (IRS) ist essenziell für die Unterbrechung der Transmission.
Hintergrund
Kala-azar (Viszerale Leishmaniose, VL) wird durch den intrazellulären Parasiten Leishmania donovani verursacht und durch Sandmücken (Phlebotomus argentipes) übertragen. Unbehandelt führt die Erkrankung meist innerhalb von zwei Jahren durch interkurrente Infektionen zum Tod. Bis zu 15 % der Patienten entwickeln 1 bis 10 Jahre nach scheinbarer Heilung eine Post-Kala-azar dermale Leishmaniose (PKDL).
Klinische Leitsymptome:
- Langanhaltendes Fieber
- Gewichtsverlust
- Schwäche
- Anämie
- Hepatosplenomegalie
Diagnostik und Surveillance
Die Diagnose basiert auf der Kombination von klinischer Untersuchung und parasitologischen, serologischen oder molekularen Tests.
- rK39-Schnelltest (RDT): Validiert für Patienten mit Fieber > 2 Wochen. Achtung: Der Test bleibt nach einer Infektion jahrelang positiv und kann nicht zwischen aktueller und vergangener Infektion unterscheiden. Bei PKDL und HIV-Koinfektionen hat der Test Limitationen.
- Surveillance-Ziele: Inzidenz < 1 Fall pro 10.000 Einwohner auf Distriktebene und eine Letalität von < 1 %.
- HIV-Screening: Alle Kala-azar-Patienten müssen auf HIV getestet werden. Umgekehrt sollten alle HIV-Patienten in Endemiegebieten auf Kala-azar gescreent werden.
Therapie der Viszeralen Leishmaniose (Kala-azar)
Die WHO empfiehlt für Südostasien (Bangladesch, Bhutan, Indien, Nepal) folgende Therapieregime (nach Präferenz geordnet):
| Wirkstoff | Dosierung | Bemerkung |
|---|---|---|
| Liposomales Amphotericin B | 3-5 mg/kg/d (Gesamtdosis 15 mg/kg) oder 10 mg/kg als Einzeldosis | Bevorzugte Therapie (Infusion) |
| Kombinationstherapien | Lip. Amphotericin B + Miltefosin ODER Paromomycin | Co-Administration |
| Amphotericin B Desoxycholat | 0,75-1,0 mg/kg/d | 15-20 Dosen (Infusion) |
| Miltefosin | Gewichtsabhängig (z.B. >50 kg: 150 mg/d) | 28 Tage oral |
| Paromomycin | 15 mg/kg/d | 21 Tage i.m. |
Therapie der Post-Kala-azar dermalen Leishmaniose (PKDL)
PKDL-Patienten stellen ein wichtiges Erregerreservoir dar und erfordern eine lange Behandlungsdauer. Die Hautveränderungen zeigen sich oft als makulöser oder polymorpher Ausschlag.
| Wirkstoff | Dosierung | Dauer |
|---|---|---|
| Amphotericin B Desoxycholat | 1 mg/kg/d als Infusion | 60-80 Dosen über 4 Monate |
| Miltefosin | Gewichtsabhängig (wie bei Kala-azar) | 12 Wochen oral |
Vektorkontrolle und Prävention
Ein integriertes Vektormanagement (IVM) ist entscheidend, um die Transmission an der Quelle zu unterbrechen.
- Indoor Residual Spraying (IRS): Primäre Intervention zur Vektorkontrolle in Endemiegebieten.
- Wohnraumanpassung: Das Abdichten von Rissen, Verputzen von Innenwänden und die Vermeidung des Schlafens auf dem Boden reduzieren das Risiko von Sandmückenstichen.
- Nachbeobachtung: Alle Kala-azar-Patienten müssen mindestens 3 Jahre klinisch nachbeobachtet werden, um >95 % der PKDL-Fälle frühzeitig zu erfassen und zu behandeln.
💡Praxis-Tipp
Führen Sie bei Patienten mit Fieber > 2 Wochen aus Endemiegebieten einen rK39-Schnelltest durch. Denken Sie an das obligatorische HIV-Screening bei Kala-azar-Patienten und planen Sie eine Nachbeobachtung von 3 Jahren ein, um eine PKDL rechtzeitig zu erkennen.