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WHO2025

Contact Tracing Leitlinie (WHO 2024)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf WHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die WHO empfiehlt eine intensivierte Identifikation von Kontaktpersonen durch geschultes Personal (bedingte Empfehlung).
  • Ein aktives Follow-up von Kontaktpersonen wird gegenüber einem passiven Follow-up bevorzugt.
  • Die Integration von Testungen in die Kontaktverfolgung wird empfohlen, um infizierte von nicht-infizierten Personen zu unterscheiden.
  • Die Definition einer Kontaktperson muss Erreger, Übertragungsweg, Expositionsdauer und Distanz berücksichtigen.
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Hintergrund

Die vorliegende WHO-Leitlinie (Dezember 2024) bietet krankheitsübergreifende Empfehlungen zur Kontaktverfolgung (Contact Tracing) bei Ausbrüchen von Infektionskrankheiten. Ziel ist es, Infektionsketten zu unterbrechen, Risikopopulationen zu informieren und epidemiologische Dynamiken frühzeitig zu verstehen.

Definitionen und Konzepte

Die Leitlinie etabliert standardisierte Begrifflichkeiten für das Ausbruchsmanagement:

BegriffDefinition
KontaktExposition gegenüber einer Infektionskrankheit durch Interaktion mit einer infizierten Person oder kontaminierten Umgebung.
KontaktpersonPerson, die direkt oder indirekt einem Erreger ausgesetzt war. Das Risiko hängt von Übertragungsweg, Dauer, Distanz und Suszeptibilität ab.
Hochrisiko-KontaktpersonPerson mit erhöhter Wahrscheinlichkeit, infektiös zu werden, schwer zu erkranken oder andere anzustecken (z. B. aufgrund von Alter oder Komorbiditäten).
Contact TracingSystematischer Prozess der Identifizierung, Bewertung, Betreuung und Unterstützung von Kontaktpersonen.

Schritte der Kontaktverfolgung

Die Implementierung einer Contact-Tracing-Strategie umfasst mehrere Kernschritte:

  • Identifikation: Ermittlung von Kontaktpersonen, meist ausgehend von der Falluntersuchung (Case Investigation).
  • Benachrichtigung: Information der Kontaktperson über Exposition, Krankheitssymptome und Verhaltensregeln.
  • Follow-up und Monitoring: Überwachung auf erste Krankheitszeichen bis zum Ende der Inkubationszeit.
  • Unterstützung: Bereitstellung von Ressourcen und Schutzmaßnahmen zur Minimierung sozialer und wirtschaftlicher Folgen.

Empfehlungen der WHO

Basierend auf dem GRADE-Ansatz spricht die WHO folgende bedingte Empfehlungen (bei sehr niedriger Evidenzqualität) aus:

MaßnahmeEmpfehlungBemerkung
IdentifikationIntensivierte Identifikation wird gegenüber nicht-intensivierter bevorzugt.Beinhaltet detaillierte Untersuchungen durch Fachpersonal (z. B. kognitive Interviews, Hausbesuche).
Follow-upAktives Follow-up wird gegenüber passivem Follow-up bevorzugt.Direkte Interaktion durch Gesundheitspersonal (Anrufe, Besuche) statt reiner Selbstmeldung.
TestungIntegration von Testungen in das Contact Tracing wird empfohlen.Hilfreich zur Unterscheidung infizierter von nicht-infizierter Kontakte, besonders bei asymptomatischen Verläufen.

Hinweis: Zur Nutzung von finanziellen oder nicht-finanziellen Transferleistungen (Anreizen) wurde keine Empfehlung ausgesprochen, da die Evidenz keine eindeutige Praxisoption stützt.

Leistungsindikatoren (Performance Indicators)

Zur Messung der Effektivität des Contact Tracings können verschiedene Indikatoren herangezogen werden:

IndikatorBerechnungZiel
Zeit bis zur BenachrichtigungZeitpunkt der Benachrichtigung minus Zeitpunkt der FallidentifikationMöglichst gegen 0
Anteil benachrichtigter KontakteBenachrichtigte Kontakte / Alle bekannten KontakteTendenz zu 1 (100%)
Anteil der Fälle unter bekannten KontaktenBekannte Kontakte, die zum Fall wurden / Alle bekannten KontakteTendenz zu 1 (hohe Spezifität)
Attack Rate (Sekundärkontakte)Fälle unter Kontakten von Kontakten / Alle bekannten Kontakte von KontaktenTendenz zu 0

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie eine intensivierte, persönliche Befragung durch geschultes Personal zur Kontaktpersonenermittlung, da dies nachweislich mehr Kontakte pro Indexfall identifiziert als rein passive Methoden.

Häufig gestellte Fragen

Aktives Follow-up beinhaltet direkte Interaktionen durch das Gesundheitspersonal (z. B. Anrufe, Hausbesuche), während passives Follow-up auf Selbstmeldung oder Selbstüberwachung der Kontaktperson beruht.
Die WHO empfiehlt die Integration von Testungen, insbesondere bei Krankheiten, bei denen die Latenzzeit kürzer als die Inkubationszeit ist oder asymptomatische Verläufe vorkommen, um infizierte von nicht-infizierten Kontakten zu unterscheiden.
Eine Person, die ein höheres Risiko hat, infektiös zu werden, einen schweren Krankheitsverlauf zu entwickeln oder andere zu infizieren. Dies hängt von der Wirtsvulnerabilität und dem Verbreitungspotenzial ab.
Die WHO gibt hierzu keine Empfehlung ab, da die aktuelle Evidenz keine klare, praxisnahe und umsetzbare Option für finanzielle oder nicht-finanzielle Transferleistungen unterstützt.

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