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WHO2023

Tuberkulose-Resistenzmutationen: WHO-Katalog 2023

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf WHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Der Katalog teilt Mutationen in fünf Gruppen ein, wobei Gruppe 1 und 2 klinisch relevante Resistenzen anzeigen.
  • Die zweite Auflage basiert auf WGS- und pDST-Daten von über 52.000 klinischen Isolaten weltweit.
  • Mutationen im rpoB-Gen (RRDR) sind die primären Marker für eine Rifampicin-Resistenz.
  • Spezifische Mutationen in katG verursachen hochgradige, in fabG1-inhA niedriggradige Isoniazid-Resistenzen.
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Hintergrund

Im Jahr 2021 erkrankten weltweit etwa 10,6 Millionen Menschen an Tuberkulose (TB), die durch den Mycobacterium tuberculosis-Komplex (MTBC) verursacht wird. Davon wiesen schätzungsweise 450.000 eine Resistenz gegen Rifampicin (RIF) auf. Die schnelle und genaue Erkennung von Resistenzen ist entscheidend für die Einleitung einer geeigneten Therapie. Der WHO-Katalog (2. Auflage, 2023) bietet eine standardisierte Referenz zur Interpretation von Mutationen, die durch genotypische Resistenztestungen (gDST) wie Next-Generation Sequencing (NGS) identifiziert werden.

Klassifikation der Mutationen

Der Katalog teilt identifizierte genetische Varianten basierend auf statistischen Assoziationen mit phänotypischen Resistenzen in fünf Gruppen ein:

GruppeBezeichnungKlinische Interpretation
1Associated with resistance (Assoc w R)Marker für klinisch relevante Resistenz
2Assoc w R–interimMarker für klinisch relevante Resistenz
3Uncertain significanceRolle unklar, weitere Daten benötigt
4Not assoc w R–interimKein Marker für Resistenz
5Not assoc w RKein Marker für Resistenz

Wichtige Resistenzgene und Interpretation

Für verschiedene Medikamente gelten spezifische Interpretationsregeln basierend auf den betroffenen Genen:

MedikamentGen/RegionInterpretation & Bemerkung
Rifampicin (RIF) & Rifapentin (RPT)rpoB (RRDR)Nicht-stille Varianten in der RRDR gelten als resistent. Klassifikationen für RIF gelten auch für RPT.
Isoniazid (INH)katGFührt zu hochgradiger INH-Resistenz.
Isoniazid (INH)fabG1-inhAFührt zu niedriggradiger INH-Resistenz und Kreuzresistenz zu Ethionamid (ETO). Mehrere Mutationen wirken additiv.
Fluorchinolone (LFX & MFX)gyrA & gyrBKreuzresistenz zwischen Levofloxacin und Moxifloxacin. Bestimmte gyrA-Mutationen (z.B. Asp94Gly) bedingen eine hochgradige MFX-Resistenz.
Bedaquilin (BDQ) & Clofazimin (CFZ)Rv0678 & pepQMutationen bedingen eine Kreuzresistenz zwischen BDQ und CFZ.
Pyrazinamid (PZA)pncABei Identifikation von M. canettii wird eine intrinsische PZA-Resistenz angenommen.

Spezifische Hinweise zu Rifampicin

Die molekulare Grundlage der RIF-Resistenz sind fast ausschließlich Mutationen in der Rifampicin-Resistenz-determinierenden Region (RRDR) des rpoB-Gens.

  • Jede nicht-stille Mutation in dieser Region wird primär als Marker für eine Resistenz gewertet (Gruppe 2), sofern keine gegenteiligen Beweise vorliegen.
  • Mutationen wie rpoB Val170Phe und Ile491Phe sind die einzigen Marker für RIF-Resistenz außerhalb der RRDR.
  • Bei der Nutzung von Illumina-Sequenzierungen ist an Position 1346 (Codon 449) Vorsicht geboten, da hier Artefakte auftreten können, die fälschlicherweise als Resistenz interpretiert werden könnten.

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie Mutationen der Gruppen 1 und 2 als verlässliche Marker für eine Therapieentscheidung. Beachten Sie bei Isoniazid (INH) und Moxifloxacin (MFX) unbedingt die Unterscheidung zwischen hoch- und niedriggradigen Resistenzen, da dies die Dosierung oder Medikamentenwahl beeinflussen kann.

Häufig gestellte Fragen

Mutationen dieser Gruppen gelten als gesicherte oder vorläufig gesicherte Marker für eine klinisch relevante phänotypische Medikamentenresistenz.
Mutationen im katG-Gen verursachen meist eine hochgradige Resistenz, während fabG1-inhA-Mutationen zu einer niedriggradigen Resistenz führen.
Ja, Mutationen in den Genen Rv0678 und pepQ verursachen eine Kreuzresistenz zwischen Bedaquilin und Clofazimin. Ebenso gibt es Kreuzresistenzen zwischen Levofloxacin und Moxifloxacin.
Hauptsächlich durch den Nachweis von Mutationen in der Rifampicin-Resistenz-determinierenden Region (RRDR) des rpoB-Gens.

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