VTE-Prophylaxe bei COVID-19: Leitlinien-Empfehlung

Diese Leitlinie stammt aus 2021 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: SIGN (2021)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Patienten mit einer durch SARS-CoV-2 verursachten COVID-19-Erkrankung haben ein deutlich erhöhtes Risiko für Thrombosen und deren Komplikationen. Die genauen pathophysiologischen Mechanismen sind noch nicht vollständig geklärt, umfassen aber Endothelschäden, venöse Stase und einen hyperkoagulablen Zustand.

Besonders hoch ist das Risiko für venöse Thromboembolien (VTE) bei hospitalisierten Patienten, insbesondere auf Intensivstationen. Das Vorhandensein einer Thrombose erhöht die Sterblichkeitswahrscheinlichkeit bei COVID-19-Patienten signifikant.

Die SIGN-Leitlinie 163 adressiert diese spezifischen Risiken und formuliert evidenzbasierte Empfehlungen für die pharmakologische Prophylaxe und das Management von thrombotischen Komplikationen. Sie richtet sich an medizinisches Fachpersonal in der Primär- und Sekundärversorgung.

Empfehlungen

Die SIGN-Leitlinie 163 formuliert folgende Kernempfehlungen zur Prävention und Behandlung von VTE bei COVID-19:

Ambulante Versorgung

Laut Leitlinie wird eine routinemäßige Thromboseprophylaxe bei COVID-19-Patienten im ambulanten Bereich nicht empfohlen. Bei klinischen Bedenken aufgrund multipler Risikofaktoren sollte eine Rücksprache mit Spezialisten erfolgen.

Stationäre Prophylaxe (Kritisch oder Schwer)

Für hospitalisierte Patienten mit kritischem oder schwerem COVID-19 wird eine Standard-Prophylaxedosis eines niedermolekularen Heparins (NMH) empfohlen (starke Empfehlung).

Bei Nierenversagen (Kreatinin-Clearance <30 ml/min) oder sehr hohem Blutungsrisiko wird eine dosisangepasste Standard-Prophylaxedosis von unfraktioniertem Heparin (UFH) oder NMH empfohlen (starke Empfehlung).

Stationäre Prophylaxe (Moderat)

Bei hospitalisierten Patienten mit moderatem COVID-19 sollte der Einsatz einer therapeutischen Dosis eines NMH erwogen werden (bedingte Empfehlung).

Die Behandlung mit therapeutisch dosiertem Heparin sollte bei diesen Patienten fortgesetzt werden, bis eines der folgenden Kriterien erfüllt ist (starke Empfehlung):

  • Für bis zu 14 Tage

  • Bis zur Entlassung aus dem Krankenhaus

  • Bis zum Absetzen der zusätzlichen Sauerstoffgabe für mindestens 24 Stunden

Therapie bei bestätigter VTE

Als Erstlinien-Antikoagulation bei hospitalisierten Patienten mit bestätigter VTE und COVID-19 sollten Apixaban oder Rivaroxaban in den zugelassenen Dosierungsschemata erwogen werden (bedingte Empfehlung).

Es wird eine Antikoagulation für mindestens 3 Monate empfohlen (starke Empfehlung). Bei medizinischer Instabilität oder Unfähigkeit zur oralen Einnahme sollte vorübergehend NMH oder UFH eingesetzt werden.

Nach der Entlassung

Alle Patienten sollten vor der Entlassung auf ein anhaltendes VTE-Risiko untersucht werden. Die Entscheidung für eine verlängerte Thromboseprophylaxe basiert auf der klinischen Beurteilung und dem individuellen Blutungsrisiko.

Dosierung

Die Leitlinie definiert die folgenden Dosierungsschemata für die Prophylaxe und Therapie bei medizinischen Patienten. Dosisanpassungen bei Niereninsuffizienz oder extremem Körpergewicht sind gemäß Fachinformation zu beachten:

MedikamentProphylaktische DosisTherapeutische Dosis
Enoxaparin40 mg 1x täglich1,5 mg/kg 1x täglich ODER 1 mg/kg alle 12h
Dalteparin5.000 IE 1x täglich200 IE/kg 1x täglich
Fondaparinux2,5 mg 1x täglich7,5 mg 1x täglich
Unfraktioniertes Heparin (UFH)5.000 IE alle 8-12 StundenIV-Bolus gefolgt von Infusion (Ziel-aPTT 1,5-2,5)

Kontraindikationen

Die Leitlinie nennt folgende Kontraindikationen für eine pharmakologische Thromboseprophylaxe mit Heparinen bei COVID-19:

  • Thrombozytenzahl ≤25 x 10^9/L (≤50 x 10^9/L für therapeutische oder intermediäre Dosen)

  • Bereits bestehende Antikoagulation aus anderem Grund

  • Hohes Blutungsrisiko (z. B. kürzliche intrakranielle Blutung, unbehandelte Blutungsstörungen)

  • Schweres Trauma mit hohem Blutungsrisiko

  • Aktive Blutung

  • Heparin-induzierte Thrombozytopenie (HIT)

  • Akuter Schlaganfall (hier stattdessen intermittierende pneumatische Kompression empfohlen)

  • Akute bakterielle Endokarditis

  • Unmittelbar vor und nach Eingriffen (z. B. Operation, Lumbalpunktion)

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein zentraler Praxis-Hinweis der Leitlinie ist die Unterscheidung der Antikoagulationsintensität nach Krankheitsschwere. Während bei moderatem COVID-19 eine therapeutische Heparindosis erwogen werden sollte, wird bei kritisch oder schwer erkrankten Patienten auf der Intensivstation lediglich eine Standard-Prophylaxedosis empfohlen. Es wird betont, dass eine Dosissteigerung beim Step-down von der Intensiv- auf die Normalstation nicht routinemäßig erfolgen sollte.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie wird eine routinemäßige Thromboseprophylaxe im ambulanten Bereich nicht empfohlen. Bei Patienten mit multiplen Risikofaktoren sollte eine Rücksprache mit einem Spezialistenteam erfolgen.

Die Leitlinie empfiehlt den Einsatz der direkten oralen Antikoagulanzien (DOAK) Apixaban oder Rivaroxaban als Erstlinientherapie. Bei instabilen Patienten oder Schluckbeschwerden sollte initial auf niedermolekulares Heparin zurückgegriffen werden.

Es wird eine Therapiedauer von mindestens 3 Monaten empfohlen. Nach diesem Zeitraum sollte eine erneute ärztliche Beurteilung unter Berücksichtigung von Risikofaktoren und Blutungsrisiko stattfinden.

Eine generelle Empfehlung zur verlängerten Prophylaxe nach Entlassung gibt die Leitlinie nicht. Die Entscheidung sollte individuell auf Basis einer Risikobewertung für Thrombosen und Blutungen getroffen werden.

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Quelle: SIGN 163: Prevention and management of venous thromboembolism in COVID-19 (SIGN, 2021). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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