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Scottish Intercollegiate Guidelines Network (SIGN)2014HämatologieChirurgieInnere Medizin

VTE-Prophylaxe und Therapie: SIGN-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Scottish Intercollegiate Guidelines Network (SIGN) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Jeder stationäre Patient muss individuell auf sein VTE- und Blutungsrisiko untersucht werden (Wiederholung mindestens alle 48 Stunden).
  • Bei großen orthopädischen Eingriffen (Hüft-/Knie-TEP) ist eine medikamentöse und mechanische Kombinationsprophylaxe indiziert.
  • Niedermolekulares Heparin (NMH) wird gegenüber unfraktioniertem Heparin (UFH) bevorzugt, außer bei Niereninsuffizienz.
  • Bei tumorassoziierter VTE ist NMH dem Warfarin vorzuziehen.
  • Nach einer ersten proximalen tiefen Venenthrombose oder Lungenembolie sollte die Antikoagulation für mindestens 3 Monate erfolgen.
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Hintergrund

Die venöse Thromboembolie (VTE), bestehend aus tiefer Venenthrombose (TVT) und Lungenembolie (LE), ist eine häufige und potenziell tödliche Erkrankung. Das Risiko für eine VTE ist bei hospitalisierten Patienten nach Traumata, Operationen oder bei immobilisierenden medizinischen Erkrankungen signifikant erhöht. Die Leitlinie empfiehlt eine routinemäßige Prophylaxe, da diese Morbidität, Mortalität und Gesundheitskosten senkt.

Risikobewertung

Jeder Patient, der stationär aufgenommen wird oder sich akut im Krankenhaus vorstellt, muss individuell auf sein VTE- und Blutungsrisiko untersucht werden. Diese Bewertung sollte regelmäßig, mindestens alle 48 Stunden, wiederholt werden.

RisikofaktorBemerkung
AlterInzidenz steigt exponentiell mit dem Alter an (>80 Jahre: 1/100 pro Jahr)
Adipositas2- bis 3-fach erhöhtes Risiko bei BMI >30 kg/m²
Malignome5- bis 7-fach erhöhtes Risiko, weiter steigend durch Chemo/OP
SchwangerschaftCa. 10-fach erhöhtes Risiko im Vergleich zu Nicht-Schwangeren
ImmobilitätBettruhe >3 Tage, Gipsverband oder Paralyse erhöhen das Risiko 10-fach

Methoden der Prophylaxe

Mechanische Methoden

Mechanische Methoden erhöhen die venöse Blutflussgeschwindigkeit und reduzieren die Stase. Sie umfassen Antiemboliestrümpfe (AES) und die intermittierende pneumatische Kompression (IPC). Sie sind besonders geeignet, wenn medikamentöse Verfahren aufgrund eines hohen Blutungsrisikos kontraindiziert sind.

Medikamentöse Methoden

  • Niedermolekulares Heparin (NMH): Wird gegenüber unfraktioniertem Heparin (UFH) bevorzugt (längere Halbwertszeit, geringeres Risiko für heparininduzierte Thrombozytopenie (HIT), Einmalgabe).
  • Unfraktioniertes Heparin (UFH): Bevorzugt bei Patienten mit Niereninsuffizienz (Gefahr der NMH-Kumulation).
  • Fondaparinux: Synthetischer Faktor-Xa-Inhibitor, zugelassen für internistische Patienten sowie bei großen orthopädischen und abdominellen Eingriffen.
  • Neue orale Antikoagulanzien (DOAKs): Rivaroxaban und Dabigatran sind für den Einsatz bei Hüft- und Knie-TEP zugelassen.
  • Aspirin: Wird nicht als alleiniges medikamentöses Mittel zur VTE-Prophylaxe empfohlen.

Prophylaxe bei chirurgischen Patienten

EingriffsartEmpfohlene ProphylaxeBemerkung
AbdominalchirurgieMechanisch + NMH, UFH oder FondaparinuxAES können allein verwendet werden, wenn Medikamente kontraindiziert sind.
Hüft-/Knie-TEPMechanisch + NMH, Fondaparinux, Rivaroxaban oder DabigatranVerlängerte Prophylaxe (über den Krankenhausaufenthalt hinaus) wird empfohlen.
NeurochirurgieMechanisch (AES oder IPC)Kombination mit NMH kann bei zusätzlichen Risikofaktoren (z.B. Tumor) erwogen werden.
UrologieMechanisch (IPC oder AES)Bei zusätzlichen Risikofaktoren Ergänzung durch NMH.

Prophylaxe bei internistischen Patienten

Wenn die Risikobewertung für eine Prophylaxe spricht, sollte UFH, NMH oder Fondaparinux verabreicht werden.

  • Akuter Schlaganfall: AES sollten nicht routinemäßig eingesetzt werden. IPC sollte während des Krankenhausaufenthalts erwogen werden. Bei hohem VTE-Risiko und nicht-hämorrhagischem Insult kann NMH ergänzt werden.
  • Tumorpatienten: Gelten generell als Hochrisikopatienten und sollten während des Klinikaufenthalts eine Prophylaxe mit NMH, UFH oder Fondaparinux erhalten.

Diagnostik und Therapie der VTE

Bei Verdacht auf TVT oder LE sollte ein validierter klinischer Entscheidungsbaum verwendet werden. Bei persistierendem klinischem Verdacht und negativem initialen Ultraschall ist ein Wiederholungs-Ultraschall indiziert.

Therapieempfehlungen

  • Wahl des Antikoagulans: Bei tumorassoziierter VTE sollte NMH gegenüber Warfarin bevorzugt werden.
  • Dauer: Nach einer ersten proximalen TVT oder LE sollte die Behandlung mit einem Vitamin-K-Antagonisten für mindestens 3 Monate fortgesetzt werden. Eine längere Gabe ist bei unprovozierten Ereignissen oder persistierenden Risikofaktoren (z.B. Krebs) individuell abzuwägen.
  • Oberflächliche Thrombophlebitis: Ultraschall zum Ausschluss einer TVT. Therapie mit prophylaktischem NMH (bis zu 30 Tage) oder Fondaparinux (45 Tage).

Nebenwirkungen (HIT)

Patienten unter Heparintherapie müssen auf eine heparininduzierte Thrombozytopenie (HIT) überwacht werden. Dies erfolgt durch serielle Thrombozytenzählungen (alle 2 bis 3 Tage von Tag 4 bis 14 der Exposition).

💡Praxis-Tipp

Führen Sie bei jedem stationären Patienten eine individuelle VTE- und Blutungsrisikobewertung durch und wiederholen Sie diese mindestens alle 48 Stunden. Bevorzugen Sie bei Niereninsuffizienz UFH gegenüber NMH.

Häufig gestellte Fragen

Mindestens 3 Monate mit einem Vitamin-K-Antagonisten. Eine längere Therapie kann bei unprovozierten Ereignissen oder persistierenden Risikofaktoren erwogen werden.
Niedermolekulares Heparin (NMH) sollte bei Krebspatienten gegenüber Warfarin bevorzugt werden.
Nein, sie sollten nicht routinemäßig eingesetzt werden. Stattdessen wird die intermittierende pneumatische Kompression (IPC) empfohlen.
Nein, Aspirin wird als alleiniges medikamentöses Mittel zur VTE-Prophylaxe weder bei chirurgischen noch bei internistischen Patienten empfohlen, da andere Wirkstoffe effektiver sind.

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