Antikoagulation bei COVID-19: Cochrane Review
Hintergrund
COVID-19 kann neben einer respiratorischen Insuffizienz auch zu diffusen pulmonalen Mikrothrombosen sowie venösen und arteriellen Thromboembolien führen. Ein solches thromboembolisches Ereignis ist mit einer schlechteren Prognose assoziiert.
Antikoagulanzien wie Heparine, Vitamin-K-Antagonisten oder direkte orale Antikoagulanzien (DOAK) werden zur Prävention und Therapie eingesetzt. Heparinoiden wird zudem ein antiinflammatorisches Potenzial zugeschrieben, das den klinischen Verlauf positiv beeinflussen könnte.
Der vorliegende Cochrane Review aus dem Jahr 2020 untersucht die Effekte einer prophylaktischen Antikoagulation auf die Mortalität und den Beatmungsbedarf bei hospitalisierten COVID-19-Erkrankten. Diese Zusammenfassung basiert auf dem Abstract des systematischen Reviews.
Empfehlungen
Der Review formuliert basierend auf retrospektiven Beobachtungsstudien folgende Kernaussagen zur Evidenzlage:
Fehlende Evidenz aus randomisierten Studien
Zum Zeitpunkt der Datenerhebung lagen keine randomisiert-kontrollierten Studien (RCTs) vor. Die bewertete Evidenz stützt sich ausschließlich auf retrospektive, nicht-randomisierte Studien mit einem sehr niedrigen Evidenzgrad und einem kritischen Verzerrungsrisiko.
Antikoagulation versus keine Therapie
Die Ergebnisse zur Mortalität unter einer prophylaktischen Antikoagulation im Vergleich zu keiner Therapie sind widersprüchlich:
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Eine Studie zeigte eine reduzierte Gesamtmortalität.
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Eine weitere Studie zeigte einen Überlebensvorteil nur bei mechanisch beatmeten Personen.
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Drei Studien zeigten keinen signifikanten Unterschied in der Mortalität.
Vergleich der Dosierungsstrategien
Der Review vergleicht zudem therapeutische mit prophylaktischen Dosierungen. Hierbei zeigte sich in einer Studie eine reduzierte Gesamtmortalität unter der therapeutischen Dosis, jedoch um den Preis eines erhöhten Blutungsrisikos.
| Vergleich | Effekt auf Mortalität | Blutungsrisiko (Intervention vs. Kontrolle) | Evidenzgrad |
|---|---|---|---|
| Antikoagulation vs. keine Therapie | Widersprüchliche Ergebnisse | 3,0 % vs. 1,9 % | Sehr niedrig |
| Therapeutische vs. prophylaktische Dosis | Reduzierte Gesamtmortalität | 31,7 % vs. 20,5 % | Niedrig |
Schlussfolgerung der Autoren
Laut den Autoren reicht die aktuelle Evidenz nicht aus, um den Nutzen und die Risiken einer prophylaktischen Antikoagulation bei hospitalisierten COVID-19-Erkrankten abschließend zu beurteilen. Es wird auf die Ergebnisse laufender randomisierter Studien verwiesen.
💡Praxis-Tipp
Bei der Entscheidung für eine therapeutische Antikoagulation bei COVID-19 muss das deutlich erhöhte Blutungsrisiko (bis zu 31,7 %) berücksichtigt werden. Die Evidenzlage für einen generellen Überlebensvorteil durch prophylaktische Antikoagulation ist laut Review sehr schwach und teils widersprüchlich.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review ist die Evidenzlage hierzu widersprüchlich. Während einige retrospektive Studien eine reduzierte Mortalität zeigten, fanden andere Studien keinen signifikanten Unterschied.
Eine im Review eingeschlossene Studie zeigte eine geringere Mortalität unter einer therapeutischen Dosierung. Allerdings war diese Strategie mit einem deutlich höheren Risiko für Blutungsereignisse assoziiert.
Zum Zeitpunkt der Erstellung des Reviews wurde die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz als sehr niedrig bis niedrig eingestuft. Es lagen ausschließlich retrospektive Beobachtungsstudien vor.
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Quelle: Cochrane Review: Prophylactic anticoagulants for people hospitalised with COVID-19 (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.