HIV-Screening: Leitlinie (USPSTF)
📋Auf einen Blick
- •Ein routinemäßiges HIV-Screening wird für alle Jugendlichen und Erwachsenen im Alter von 15 bis 65 Jahren empfohlen.
- •Alle schwangeren Personen sollen unabhängig vom Alter in jeder Schwangerschaft auf HIV getestet werden.
- •Personen mit erhöhtem Risiko (z. B. MSM, i.v. Drogenkonsum) sollen auch außerhalb dieser Altersgrenzen getestet und regelmäßig re-evaluiert werden.
- •Als Suchtest wird ein Antigen/Antikörper-Immunoassay (HIV-1/2-Antikörper und p24-Antigen) empfohlen.
- •Eine frühzeitige antiretrovirale Therapie (ART) senkt die Morbidität, Mortalität und das Transmissionsrisiko signifikant.
Hintergrund
In den USA leben schätzungsweise 1,1 Millionen Menschen mit einer HIV-Infektion. Etwa 15 % der Betroffenen sind sich ihrer Infektion nicht bewusst. Diese unentdeckten Fälle sind für schätzungsweise 40 % der HIV-Übertragungen verantwortlich. Die US Preventive Services Task Force (USPSTF) bewertet den Nettonutzen eines routinemäßigen HIV-Screenings zur Früherkennung und rechtzeitigen Therapieeinleitung mit hoher Sicherheit als substanziell.
Zielpopulation und Indikation
Das routinemäßige Screening wird für folgende Gruppen empfohlen:
- Jugendliche und Erwachsene: Alle Personen im Alter von 15 bis 65 Jahren.
- Schwangere: Alle schwangeren Personen, unabhängig vom Alter, in jeder Schwangerschaft.
- Personen <15 oder >65 Jahre: Nur bei Vorliegen spezifischer Risikofaktoren.
Risikofaktoren für eine HIV-Infektion
| Kategorie | Spezifische Risikofaktoren |
|---|---|
| Sexualverhalten | Männer, die Sex mit Männern haben (MSM) | Ungeschützter Anal- oder Vaginalverkehr | Mehrere Partner mit unbekanntem HIV-Status | Transaktionssex (Sex gegen Drogen/Geld) |
| Drogenkonsum | Intravenöser Drogenkonsum (Teilen von Injektionszubehör) |
| Begleiterkrankungen | Vorliegen anderer sexuell übertragbarer Infektionen (STI) |
| Partner-Status | Sexpartner mit bekannter HIV-Infektion oder aus einer Hochrisikogruppe |
Diagnostik
Für das Screening werden hochpräzise Tests empfohlen. Die Sensitivität und Spezifität der aktuellen Tests liegen bei nahezu 100 %.
| Stufe | Diagnostik | Bemerkung |
|---|---|---|
| 1. Suchtest | Antigen/Antikörper-Immunoassay | Detektiert HIV-1/2-Antikörper und HIV-1 p24-Antigen. |
| 2. Bestätigung | Differenzierungs-Test | Bei reaktivem Suchtest zur Unterscheidung von HIV-1 und HIV-2. |
| 3. Klärung | HIV-1 Nukleinsäuretest (NAT) | Bei unklarem Bestätigungstest oder Verdacht auf akute Infektion. |
Hinweis: Schnelltests sind verfügbar. Ein positives Ergebnis im Schnelltest muss immer durch weitere Tests bestätigt werden. Schwangere, die unter der Geburt mit unbekanntem HIV-Status vorstellig werden, sollten einen Schnelltest erhalten.
Screening-Intervalle
Die Evidenz für optimale Screening-Intervalle ist begrenzt. Die USPSTF und die CDC geben folgende Orientierungshilfen:
| Patientengruppe | Empfohlenes Intervall | Bemerkung |
|---|---|---|
| Durchschnittsrisiko (15-65 Jahre) | Einmalig | Routinescreening sollte freiwillig erfolgen (Opt-out-Verfahren). |
| Erhöhtes Risiko | Mindestens jährlich | Bei Hochrisiko-MSM können Intervalle von 3-6 Monaten erwogen werden. |
| Schwangere | In jeder Schwangerschaft | Bei erhöhtem Risiko oder in Hochprävalenz-Settings erneuter Test im 3. Trimenon. |
Therapie und Prävention
Es gibt derzeit keine Heilung oder Impfung gegen HIV. Eine frühzeitige Diagnose ist jedoch entscheidend, um rechtzeitig therapeutische und präventive Maßnahmen einzuleiten.
- Antiretrovirale Therapie (ART): Eine frühe Einleitung der ART (unabhängig von der CD4-Zellzahl) reduziert das Risiko für AIDS-definierende Erkrankungen, schwere Nicht-AIDS-Erkrankungen und die Mortalität signifikant.
- Transmissionsschutz: Eine erfolgreiche ART mit viraler Suppression verhindert die sexuelle Übertragung auf nicht-infizierte Partner.
- Schwangerschaft: Die ART während der Schwangerschaft senkt das Risiko einer Mutter-Kind-Transmission drastisch (Übertragungsraten <1 % bis 2,8 % unter Dreifachtherapie).
- Zusätzliche Prävention: Für Personen mit hohem Risiko wird die Präexpositionsprophylaxe (PrEP) empfohlen. Nach einer potenziellen Exposition kann eine Postexpositionsprophylaxe (PEP) eine Infektion verhindern.
Potenzielle Risiken und Nebenwirkungen
Der Gesamtnutzen des Screenings und der Behandlung überwiegt die potenziellen Schäden deutlich. Dennoch kann die langfristige Einnahme von ART mit Nebenwirkungen verbunden sein:
- Allgemein: Mögliche neuropsychiatrische, renale (z. B. unter Tenofovir) und hepatische Nebenwirkungen.
- Schwangerschaft: Ein erhöhtes Risiko für Frühgeburten (vor der 37. Schwangerschaftswoche) wurde in Verbindung mit pränataler ART beobachtet. Es gibt jedoch keine klaren Assoziationen zu Geburtsfehlern oder geringem Geburtsgewicht.
💡Praxis-Tipp
Bieten Sie Schwangeren, die unter der Geburt mit unbekanntem HIV-Status vorstellig werden, sofort einen HIV-Schnelltest an, um bei einem positiven Ergebnis umgehend Maßnahmen zur Verhinderung einer Mutter-Kind-Transmission einzuleiten.