Brustkrebsrisiko senken: Medikamente (USPSTF Leitlinie)
📋Auf einen Blick
- •Medikamente zur Risikoreduktion (Tamoxifen, Raloxifen, Aromatasehemmer) sollten Frauen mit erhöhtem Brustkrebsrisiko und geringem Nebenwirkungsrisiko angeboten werden (Grad B).
- •Bei Frauen ohne erhöhtes Risiko wird von einer routinemäßigen Einnahme abgeraten (Grad D).
- •Die Empfehlung gilt für asymptomatische Frauen ab 35 Jahren, auch bei vorangegangenen benignen Läsionen.
- •Risiko-Assessment-Tools eignen sich gut für Populationen, haben aber Schwächen in der individuellen Vorhersage.
Hintergrund
Brustkrebs ist bei Frauen in den USA die häufigste Krebserkrankung (ausgenommen Hautkrebs) und die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache. Das mediane Diagnosealter liegt bei 62 Jahren. Schätzungsweise eine von acht Frauen erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Afroamerikanische Frauen haben im Vergleich zu anderen Ethnien eine höhere brustkrebsbedingte Mortalität.
Die vorliegende USPSTF-Leitlinie (2019) richtet sich an asymptomatische Frauen ab 35 Jahren. Dies schließt Frauen mit vorausgegangenen benignen Brustläsionen (wie atypische duktale oder lobuläre Hyperplasie sowie lobuläres Carcinoma in situ) ein. Ausgeschlossen sind Frauen mit einer aktuellen oder früheren Diagnose von Brustkrebs oder einem duktalen Carcinoma in situ (DCIS).
Risikoabschätzung
Die USPSTF stellt fest, dass Instrumente zur Risikoabschätzung (Risk Assessment Tools) die zu erwartende Anzahl von Brustkrebsfällen in einer Population zuverlässig vorhersagen können. Bei der individuellen Vorhersage, ob eine einzelne Frau an Brustkrebs erkranken wird, zeigen diese Instrumente jedoch bestenfalls eine moderate Genauigkeit.
Medikamentöse Risikoreduktion
Zur medikamentösen Reduktion des Brustkrebsrisikos wurden verschiedene Wirkstoffgruppen untersucht. Der Nettonutzen der Medikamenteneinnahme ist bei Frauen mit einem höheren Ausgangsrisiko für Brustkrebs am größten. Bei Frauen ohne erhöhtes Risiko ist der Nutzen nicht größer als gering.
| Wirkstoff(gruppe) | Nutzen bei erhöhtem Risiko | Mögliche Schäden (Harms) |
|---|---|---|
| Tamoxifen | Moderater Nutzen (Reduktion von invasivem ER-positivem Brustkrebs) | Kleine bis moderate Schäden (überzeugende Evidenz) |
| Raloxifen | Moderater Nutzen (Reduktion von invasivem ER-positivem Brustkrebs) | Kleine bis moderate Schäden (überzeugende Evidenz) |
| Aromatasehemmer | Moderater Nutzen (Reduktion von invasivem ER-positivem Brustkrebs) | Kleine bis moderate Schäden (ausreichende Evidenz) |
USPSTF-Empfehlungen
Basierend auf der aktuellen Evidenz spricht die USPSTF folgende Empfehlungen aus:
- Empfehlungsgrad B: Kliniker sollten Frauen, die ein erhöhtes Risiko für Brustkrebs und gleichzeitig ein geringes Risiko für unerwünschte Medikamentenwirkungen aufweisen, risikoreduzierende Medikamente (Tamoxifen, Raloxifen oder Aromatasehemmer) anbieten.
- Empfehlungsgrad D: Die USPSTF rät von der routinemäßigen Anwendung risikoreduzierender Medikamente bei Frauen ab, die kein erhöhtes Risiko für Brustkrebs haben.
💡Praxis-Tipp
Evaluieren Sie bei asymptomatischen Frauen ab 35 Jahren das individuelle Brustkrebsrisiko. Bieten Sie Patientinnen mit erhöhtem Risiko und geringem Nebenwirkungsprofil aktiv eine medikamentöse Prophylaxe an, verzichten Sie jedoch bei normalem Risiko darauf.