Nicht-traditionelle kardiovaskuläre Risikofaktoren (USPSTF)
📋Auf einen Blick
- •Die USPSTF bewertet den Nutzen von Knöchel-Arm-Index (ABI), hsCRP und CAC-Score zur kardiovaskulären Risikobewertung.
- •Die Ergänzung traditioneller Modelle führt nur zu geringen, klinisch unklaren Verbesserungen der Risikoklassifizierung.
- •Es gibt unzureichende Evidenz dafür, dass diese Faktoren die Inzidenz von Herz-Kreislauf-Ereignissen oder die Mortalität senken.
- •Die aktuelle Evidenz reicht nicht aus, um das Verhältnis von Nutzen und Schaden abschließend zu beurteilen (I-Statement).
Hintergrund
Herz-Kreislauf-Erkrankungen (CVD) sind die häufigste Todesursache bei Erwachsenen in den USA. Die aktuelle Behandlung zur Prävention von CVD-Ereignissen durch Modifikation von Risikofaktoren basiert in der Regel auf etablierten Modellen wie dem Framingham-Risiko-Score oder den Pooled Cohort Equations. Die USPSTF hat untersucht, ob die Ergänzung dieser Modelle durch nicht-traditionelle Risikofaktoren die Risikobewertung bei asymptomatischen Erwachsenen verbessert und somit eine zielgerichtetere Therapie ermöglicht.
Untersuchte nicht-traditionelle Risikofaktoren
Die Leitlinie fokussiert sich auf drei spezifische Parameter zur potenziellen Erweiterung bestehender Risiko-Scores:
| Risikofaktor | Abkürzung | Englische Bezeichnung |
|---|---|---|
| Knöchel-Arm-Index | ABI | Ankle-brachial index |
| Hochsensitives C-reaktives Protein | hsCRP | High-sensitivity C-reactive protein |
| Koronarkalk-Score | CAC-Score | Coronary artery calcium score |
Ergebnisse der Evidenzprüfung
Die Auswertung der aktuellen Studienlage durch die USPSTF ergab folgende Kernpunkte:
- Risikoklassifizierung: Die Hinzunahme von ABI, hsCRP und CAC-Score zu bestehenden Modellen führt zu geringen Verbesserungen bei der Diskriminierung und Risikoreklassifizierung. Die klinische Bedeutung dieser Änderungen ist jedoch weitgehend unbekannt.
- Pooled Cohort Equations: Die Evidenz für die Ergänzung dieser spezifischen Gleichungen um die genannten Faktoren ist begrenzt.
- Klinischer Outcome: Es gibt unzureichende Evidenz dafür, dass Therapieentscheidungen, die zusätzlich auf ABI, hsCRP oder CAC-Score basieren, zu einer reduzierten Inzidenz von CVD-Ereignissen oder einer geringeren Mortalität führen.
- Potenzielle Schäden: Die Evidenz reicht aus, um die potenziellen Schäden durch Früherkennung und Interventionen als gering einzustufen.
Offizielle Empfehlung der USPSTF
Die USPSTF kommt zu folgendem Schluss:
Die aktuelle Evidenz ist unzureichend, um das Verhältnis von Nutzen und potenziellen Schäden der Nutzung von ABI, hsCRP oder CAC-Score zur kardiovaskulären Risikobewertung bei asymptomatischen Erwachsenen zur Prävention von CVD-Ereignissen zu beurteilen (I-Statement).
💡Praxis-Tipp
Verlassen Sie sich bei der kardiovaskulären Risikobewertung asymptomatischer Patienten primär auf etablierte Scores (z.B. Framingham). Der routinemäßige Einsatz von ABI, hsCRP oder CAC-Score zur reinen Risikostratifizierung wird aufgrund unzureichender Evidenz für den klinischen Nutzen derzeit nicht generell empfohlen.