Urtikaria: Diagnostik, UAS7, UCT und Stufentherapie
Hintergrund
Die AWMF S3-Leitlinie definiert die Urtikaria als eine Erkrankung, die durch das Auftreten von Quaddeln und/oder Angioödemen gekennzeichnet ist. Sie wird anhand ihrer Dauer in eine akute Form (bis zu 6 Wochen) und eine chronische Form (länger als 6 Wochen) unterteilt.
Zusätzlich erfolgt eine Klassifikation in spontane Urtikaria (ohne definierten Auslöser) und induzierbare Urtikaria (mit spezifischem, definiertem Auslöser). Die Erkrankung wird vornehmlich durch Mastzellen gesteuert, deren Mediatoren wie Histamin zu Vasodilatation und Plasmaextravasation führen.
Die chronische Urtikaria geht mit einer erheblichen Einschränkung der Lebensqualität einher. Die Leitlinie betont daher die Wichtigkeit einer strukturierten Diagnostik und einer konsequenten, stufenweisen Therapie, um eine vollständige Symptomkontrolle zu erreichen.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt ausdrücklich vor dem Einsatz von sedierenden H1-Antihistaminika der 1. Generation als Therapie der ersten Wahl. Zudem wird darauf hingewiesen, dass nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) bei bis zu einem Viertel der Betroffenen eine Exazerbation der Urtikaria auslösen können. Es wird empfohlen, Betroffene über die Vermeidung von NSAR aufzuklären, da bereits eine gelegentliche Einnahme problematisch sein kann.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie wird der Urtikaria-Aktivitäts-Score (UAS7) für Quaddeln und der Angioödem-Aktivitäts-Score (AAS) für Schwellungen empfohlen. Zur Überprüfung der Krankheitskontrolle sollte der Urtikaria-Kontroll-Test (UCT) eingesetzt werden.
Die Leitlinie rät von der gleichzeitigen Anwendung verschiedener H1-Antihistaminika der 2. Generation ab. Stattdessen wird bei unzureichender Wirkung eine Dosissteigerung des gleichen Wirkstoffs auf bis das Vierfache empfohlen.
Ein langfristiger Einsatz von systemischen Glukokortikosteroiden wird gemäß der Leitlinie ausdrücklich nicht empfohlen. Bei akuten Exazerbationen kann jedoch eine Kurzzeitbehandlung von maximal 10 Tagen erwogen werden.
Es wird ein Differentialblutbild sowie die Bestimmung von CRP und/oder BSG empfohlen. In der fachärztlichen Versorgung sollten zusätzlich das Gesamt-IgE und IgG-Anti-TPO bestimmt werden.
Bei Kindern kann der gleiche Behandlungsalgorithmus wie bei Erwachsenen unter Berücksichtigung gewichtsadaptierter Dosierungen angewendet werden. Auch hier wird von Antihistaminika der 1. Generation abgeraten.
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Quelle: Klassifikation, Diagnostik und Therapie der Urtikaria (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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