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Allergen-Immuntherapie (AIT): S2k-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die AIT induziert eine immunologische Toleranz durch regulatorische T- und B-Zellen sowie blockierende IgG4- und IgA-Antikörper.
  • Für häufige Allergene (Gräser, Birke, Hausstaubmilbe, Insektengifte) dürfen in Deutschland nur zugelassene Therapieallergene verwendet werden (TAV).
  • SCIT und SLIT sind bei allergischer Rhinokonjunktivitis durch Gräser-, Baumpollen und Hausstaubmilben hochwirksam.
  • Bei leichtem bis mittelgradigem, kontrolliertem allergischem Asthma wird die AIT als kausale Zusatztherapie empfohlen.
  • Es gibt keine Klasseneffekte: Die Wirksamkeit muss für jedes Allergenpräparat individuell in Studien belegt sein.
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Hintergrund

Die Allergen-Immuntherapie (AIT) ist die einzige kausale Behandlungsform bei IgE-vermittelten allergischen Erkrankungen. Sie bewirkt eine differentielle Immunmodulation, die sowohl das angeborene als auch das adaptive Immunsystem beeinflusst und zu einer persistierenden Allergentoleranz führt.

TherapiephaseImmunologischer MechanismusKlinisches Korrelat
FrühphaseTachyphylaxie/Anergie von Mastzellen und BasophilenTemporär verminderte Reagibilität
Mittlere PhaseInduktion regulatorischer T- und B-Zellen (Treg, Breg), IL-10, TGF-ßToleranzinduktion
SpätphaseProduktion allergenblockierender IgG4- und IgA-Antikörper, Abnahme von Th2-ZellenStabile klinische Toleranz

Fazit: Aus einem primär Th2-dominierten Endotyp entsteht ein T-Zell-normalisierter Endotyp.

Allergenextrakte und Zulassung

Allergenextrakte sind aufgrund ihrer heterogenen Zusammensetzung und unterschiedlichen Messmethoden nicht direkt vergleichbar. Ein Klasseneffekt existiert nicht; jedes Präparat muss individuell bewertet werden.

Gemäß der Therapieallergene-Verordnung (TAV) in Deutschland bedürfen Präparate mit häufigen Allergenquellen zwingend einer Zulassung durch das Paul-Ehrlich-Institut (PEI).

KategorieAllergenquellenZulassungsstatus
TAV-AllergeneSüßgräser, Birke, Erle, Hasel, Hausstaubmilben, Bienen-/WespengiftZulassungspflichtig (Wirksamkeitsnachweis erforderlich)
Seltene AllergeneBeifuß, Esche, Alternaria, Tierallergene, VorratsmilbenAls Individualrezeptur verkehrsfähig (ohne formale Zulassung)
  • Empfehlung: Zugelassene oder anderweitig verkehrsfähige Allergenpräparate, die eine positive Nutzen-Risiko-Bilanz aufweisen, sollen bevorzugt eingesetzt werden.

Klinische Wirksamkeit nach Allergenen

Die Wirksamkeit der subkutanen (SCIT) und sublingualen (SLIT) Immuntherapie wird primär an der Reduktion von Symptom- und Medikationsscores (CSMS) gemessen.

Gräserpollenallergie

  • Allergische Rhinokonjunktivitis (ARC): SCIT und SLIT sind bei Erwachsenen und Kindern hochwirksam.
  • Allergisches Asthma: SCIT ist bei Erwachsenen gut belegt. Für die SLIT besteht bei Asthma nur eine begrenzte Evidenz.
  • Empfehlung: Bei saisonaler ARC durch Gräserpollen soll eine AIT bei Erwachsenen und Kindern/Jugendlichen durchgeführt werden. Bei gut oder partiell kontrolliertem Asthma sollte sie durchgeführt werden.

Baumpollenallergie (Betulaceae)

Zu den Betulaceae zählen Birke, Hasel und Erle (hohe Kreuzreaktivität).

  • ARC: SCIT und SLIT sind bei Erwachsenen sehr gut belegt. Für Kinder gibt es Hinweise auf Wirksamkeit.
  • Allergisches Asthma: SCIT und SLIT können bei kontrolliertem Asthma sicher eingesetzt werden.
  • Empfehlung: Bei ARC durch Baumpollen soll die AIT bei Erwachsenen durchgeführt werden (bei Kindern kann sie durchgeführt werden). Bei kontrolliertem Asthma kann die AIT erfolgen.

Hausstaubmilbenallergie (HDM)

  • ARC und Asthma: Für Erwachsene ist die Wirksamkeit von SCIT und SLIT in großen Studien belegt. Für Kinder ist die Datenlage begrenzter, zeigt aber ebenfalls Wirksamkeit.
  • Empfehlung: Bei ARC durch HDM soll eine SCIT oder SLIT durchgeführt werden. Bei HDM-assoziiertem Asthma kann eine SCIT oder SLIT erfolgen, vorausgesetzt das Asthma ist zumindest partiell kontrolliert.

Besonderheiten bei Asthma bronchiale

Die AIT ist kein Ersatz für eine ausreichende antiasthmatische Therapie. Sie wird beim leichten bis moderaten Asthma empfohlen, wenn die allergische Komponente eindeutig nachgewiesen ist.

  • Ungenügend kontrolliertes Asthma stellt eine Risikogruppe für systemische Nebenwirkungen dar.
  • Die Asthmakontrolle muss im Verlauf der Therapie regelmäßig überprüft werden.

💡Praxis-Tipp

Prüfen Sie vor Beginn einer AIT stets, ob für das gewählte Präparat spezifische Wirksamkeitsnachweise für die genaue Indikation und Altersgruppe vorliegen, da kein Klasseneffekt existiert.

Häufig gestellte Fragen

Unter die TAV fallen Süßgräser (außer Mais), Birke, Erle, Hasel, Hausstaubmilben sowie Bienen- und Wespengift. Diese bedürfen in Deutschland einer offiziellen Zulassung.
Ja, bei leichtem bis mittelgradigem, zumindest partiell kontrolliertem Asthma kann die AIT als Zusatztherapie eingesetzt werden, sofern eine klinisch relevante Sensibilisierung vorliegt.
Metaanalysen zeigen keinen relevanten Unterschied in der Wirksamkeit zwischen subkutaner (SCIT) und sublingualer (SLIT) Applikation, jedoch muss die Wirksamkeit für jedes Einzelpräparat separat belegt sein.
Ja, Allergene wie Beifuß, Esche oder Tierallergene sind von der TAV ausgenommen und können weiterhin als individuelle Rezepturen verordnet werden.
Die EMA und EAACI empfehlen einen kombinierten Symptom- und Medikationsscore (CSMS) als primären Endpunkt in klinischen Studien.

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