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Atopische Dermatitis (Neurodermitis): S3-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Basistherapie mit Emollienzien ist essenziell und soll auch im schubfreien Intervall angewendet werden.
  • Topische Glukokortikosteroide (TCS) und Calcineurin-Inhibitoren (TCI) bilden die First-Line-Therapie.
  • In Problemarealen wie dem Gesicht oder intertriginösen Bereichen sind TCI die bevorzugte Langzeittherapie.
  • Eine proaktive Therapie (zweimal wöchentlich) mit TCS oder TCI senkt das Rezidivrisiko signifikant.
  • Ein ungezieltes Allergie-Screening wird nicht empfohlen; Diagnostik nur bei klinischem Verdacht.
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Hintergrund

Die atopische Dermatitis (AD), auch Neurodermitis oder atopisches Ekzem genannt, ist eine chronische oder chronisch-rezidivierende Hauterkrankung. In Deutschland weisen etwa 10 % der Kinder und Jugendlichen sowie 1,7 % der Erwachsenen eine Behandlungsprävalenz auf. Die Pathogenese ist polyätiologisch und polygenetisch, wobei Störungen der epidermalen Barriere (z. B. durch Filaggrin-Mutationen) und immunologische Faktoren (wie Th2-Zytokine) eine zentrale Rolle spielen.

Diagnostik

Die Diagnose erfordert eine gründliche Anamnese und die Untersuchung des gesamten Hautorgans.

  • Schweregrad: Zur Objektivierung sollen validierte Scores wie SCORAD oder EASI verwendet werden. Laborparameter (wie IgE, TARC oder ECP) sollten nicht zur Erhebung des Schweregrades im klinischen Alltag bestimmt werden.
  • Allergiediagnostik: Ein ungezieltes "Allergie-Screening" soll nicht erfolgen. Eine individuelle Diagnostik (Pricktest, spezifisches IgE) ist nur bei klinischem Verdacht oder suggestiver Anamnese indiziert.

Stufenschema der Therapie

Die Behandlung erfolgt stadienadaptiert nach einem Stufenplan, der je nach Lebensalter, Verlauf und Lokalisation angepasst wird:

StufeKlinische AusprägungTherapieempfehlung
1Trockene HautBasistherapie, Vermeidung von Provokationsfaktoren
2Leichte bis moderate ADBasistherapie + reaktive topische Therapie (TCS Klasse I-II oder TCI)
3Moderate bis schwere ADBasistherapie + proaktive topische Therapie (TCS Klasse II-III oder TCI), ggf. UV-Therapie
4Schwere ADBasistherapie + Systemtherapie (z.B. Biologika, JAK-Inhibitoren, Immunsuppressiva)

Basistherapie

Die Basistherapie mit Emollienzien ist das Fundament der Behandlung und soll bedarfsgerecht auch im schubfreien Intervall angewendet werden, um die gestörte Hautbarriere zu stabilisieren.

  • Anwendung: Unmittelbar nach dem Baden oder Duschen auf die nach dem Trockentupfen noch leicht feuchte Haut auftragen.
  • Wirkstoffe: Zusätze wie Harnstoff oder Glycerin (Moisturizer) verbessern die Hydratation. Bei Säuglingen sollte Harnstoff wegen möglicher Hautreizungen gemieden werden; Kleinkinder benötigen niedrigere Konzentrationen als Erwachsene.

Topische antientzündliche Therapie

WirkstoffgruppeIndikationBemerkung
Topische Glukokortikosteroide (TCS)Akute Schübe (First-Line)Wirkstärke nach Niedner (Klasse I-IV) anpassen.
Topische Calcineurin-Inhibitoren (TCI)Problemareale (Gesicht, Intertrigines, Anogenital), TCS-UnverträglichkeitBevorzugt als Langzeittherapie in sensiblen Bereichen.

Zur Verringerung des Rezidivrisikos soll im Anschluss an die reaktive Therapie eine proaktive Therapie (in der Regel zweimal wöchentlich) mit einem geeigneten TCS oder TCI auf die zuvor entzündeten Areale durchgeführt werden.

Provokationsfaktoren

Individuelle Triggerfaktoren sollen identifiziert und gemieden werden:

  • Textilien: Hautreizende Kleidung (z. B. Wolle oder raue Fasern) meiden.
  • Allergene: Kontakt zu Aeroallergenen (z. B. Pollen, Hausstaubmilben) bei Sensibilisierung reduzieren.
  • Lebensstil: Tabakrauch soll gemieden werden. Körperliche Aktivität soll nicht eingeschränkt werden, jedoch sollte Schweiß nach dem Sport abgewaschen und die Haut eingecremt werden.

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie die 'Fingertip-Unit-Regel' (FTU) zur Erklärung der korrekten Salbenmenge: 1 FTU (ca. 0,5 g) reicht für die Behandlung einer Fläche, die zwei Handflächen eines Erwachsenen entspricht.

Häufig gestellte Fragen

Nein, tägliches kurzes Baden oder Duschen mit mäßig warmem Wasser ist unbedenklich. Emollienzien sollen direkt danach auf die noch leicht feuchte Haut aufgetragen werden.
TCI sollen bevorzugt in Problemarealen wie Gesicht, intertriginösen Bereichen und im Anogenitalbereich sowie bei Nichtansprechen auf topische Glukokortikosteroide eingesetzt werden.
Nein, ein ungezieltes Allergie-Screening soll nicht erfolgen. Eine Diagnostik ist nur bei klinischem Verdacht oder suggestiver Anamnese indiziert.
Ja, sie sollen nach STIKO-Empfehlungen regulär geimpft werden. Nur bei akuter Exazerbation sollte die Impfung bis zur bestmöglichen Stabilisierung verschoben werden.

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