Supraspinatus-Tendinitis: StatPearls Leitlinie
Hintergrund
Die StatPearls-Leitlinie beschreibt die Supraspinatus-Tendinitis als eine sehr häufige Ursache für Schulterschmerzen, die zum Spektrum der Rotatorenmanschetten-Erkrankungen gehört. Die Prävalenz von Pathologien der Rotatorenmanschette steigt mit dem Alter stark an und betrifft über 50 Prozent der über 80-Jährigen.
Der Supraspinatus-Muskel erfährt die größte Belastung bei der Abduktion der Schulter, wo er den Humeruskopf nach unten drückt. Die Pathophysiologie wird klassischerweise durch das Impingement-Syndrom erklärt, bei dem die Sehne unter dem Akromion eingeklemmt wird.
Neben traumatischen Rissen durch spezifische Verletzungen entstehen viele Läsionen durch degenerative Prozesse. Die Leitlinie unterscheidet hierbei zwischen einem externen Impingement und einem internen Impingement, welches häufiger bei Überkopfsportlern auftritt.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Evaluation und Behandlung:
Klinische Untersuchung
Laut Leitlinie wird eine detaillierte klinische Untersuchung zur Differenzierung der Schmerzursache empfohlen. Ein isoliertes Rotatorenmanschetten-Syndrom zeichnet sich typischerweise durch eine vollständig erhaltene passive Beweglichkeit in allen Ebenen aus.
Zur spezifischen Testung des Supraspinatus werden folgende Provokationstests beschrieben:
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Der Hawkins-Test zur Reproduktion des subakromialen Schmerzes
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Der Jobe-Test (Empty-Can-Test) zur Prüfung auf Schmerz und Schwäche
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Der Full-Can-Test als ergänzende Untersuchung
Bildgebende Diagnostik
Als initiale Bildgebung wird ein konventionelles Röntgen der Schulter empfohlen. Dies sollte Standardaufnahmen sowie idealerweise eine Supraspinatus-Outlet-Aufnahme zur besseren Beurteilung des Akromions umfassen.
Eine MRT-Untersuchung ohne Kontrastmittel wird in folgenden Situationen empfohlen:
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Bei Versagen der konservativen Therapie nach mehr als sechs Wochen
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Bei sehr ausgeprägten Symptomen
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Bei unklarer Diagnose
Konservative und operative Therapie
Die Leitlinie betont, dass die große Mehrheit der Betroffenen durch eine konservative Therapie mit nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) und Physiotherapie erfolgreich behandelt werden kann. Eine subakromiale Injektion mit Kortikosteroiden und Lokalanästhetika kann diagnostischen und therapeutischen Nutzen bieten.
Von einer routinemäßigen operativen subakromialen Dekompression ohne MRT-Nachweis eines Risses wird abgeraten. Eine Operation gilt erst als Option, wenn alle konservativen Maßnahmen ausgeschöpft sind.
Stadien der Sehnen-Degeneration
Die Leitlinie zitiert die klassische Einteilung nach Neer, welche den vorhersehbaren Abbau der Rotatorenmanschette in drei Phasen beschreibt:
| Stadium | Pathologische Veränderung | Klinische Relevanz |
|---|---|---|
| Stadium 1 | Ödem und Hämorrhagie | Initiale Reaktion auf Überlastung |
| Stadium 2 | Fibrose und Tendinitis | Chronische Entzündungsphase |
| Stadium 3 | Sehnenruptur | Endstadium der Degeneration |
Kontraindikationen
Die Leitlinie spricht folgende Warnhinweise aus:
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Es wird vor mehrfachen Kortikosteroid-Injektionen ohne vorherige erweiterte Bildgebung (MRT) gewarnt.
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Die Leitlinie weist auf das Risiko einer Sehnenatrophie durch wiederholte Kortisoninjektionen hin.
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Eine operative subakromiale Dekompression ohne MRT-Nachweis eines Sehnenrisses wird ausdrücklich nicht empfohlen.
💡Praxis-Tipp
Ein wichtiger klinischer Hinweis der Leitlinie ist die Überprüfung der passiven Beweglichkeit. Bei einer isolierten Supraspinatus-Tendinitis ist die passive Beweglichkeit in allen Ebenen vollständig erhalten, was ein entscheidendes Kriterium zur Abgrenzung von einer adhäsiven Kapsulitis (Frozen Shoulder) darstellt. Zudem wird betont, dass auch subklinische Sehnenveränderungen in über 50 Prozent der Fälle im Verlauf symptomatisch werden.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie beschreibt den Hawkins-Test sowie den Jobe-Test (Empty-Can-Test) als zentrale Untersuchungsmethoden. Schmerzen oder Schwäche bei diesen Tests weisen auf eine Pathologie des Supraspinatus hin.
Ein MRT ohne Kontrastmittel wird empfohlen, wenn die konservative Therapie nach mehr als sechs Wochen keine Besserung zeigt. Auch bei sehr starken Symptomen oder unklarer Diagnose ist diese Bildgebung indiziert.
Eine einmalige subakromiale Injektion mit Kortikosteroiden und Lokalanästhetika kann laut Leitlinie therapeutisch und diagnostisch hilfreich sein. Von mehrfachen Injektionen ohne vorheriges MRT wird jedoch wegen der Gefahr einer Sehnenatrophie abgeraten.
Weniger als ein Viertel der Betroffenen benötigt eine Operation. Die Leitlinie empfiehlt primär eine konservative Behandlung mit Physiotherapie und NSAR, bevor operative Schritte erwogen werden.
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Quelle: StatPearls: Supraspinatus Tendonitis (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.