SLAP-Läsionen der Schulter: StatPearls Leitlinie
Hintergrund
Die StatPearls-Leitlinie bietet eine umfassende Übersicht zu Läsionen des superioren Labrums von anterior nach posterior (SLAP-Läsionen). Diese Verletzungen betreffen häufig junge Überkopfsportler sowie Arbeiter mittleren Alters mit manuellen Tätigkeiten.
Die Ätiologie ist multifaktoriell und umfasst akute traumatische Ereignisse wie Kompressions- oder Traktionsverletzungen. Bei Überkopfsportlern wird häufig ein "Peel-back"-Mechanismus während der späten Ausholphase beim Werfen als Ursache beschrieben.
Degenerative SLAP-Risse entstehen oft durch normale Abnutzung und treten gehäuft bei Patienten über 40 Jahren auf. Die Leitlinie betont, dass asymptomatische SLAP-Läsionen in der MRT-Bildgebung sehr häufig vorkommen und die klinische Relevanz stets kritisch geprüft werden sollte.
Empfehlungen
Die StatPearls-Leitlinie formuliert folgende Kernaspekte zur Diagnostik und Therapie:
Klinische Untersuchung und Diagnostik
Bei der körperlichen Untersuchung wird empfohlen, Begleitpathologien der Halswirbelsäule auszuschließen. Zur klinischen Detektion von Bizepssehnenläsionen und SLAP-Rissen beschreibt die Leitlinie verschiedene Provokationstests.
| Test | Sensitivität | Spezifität |
|---|---|---|
| Speed-Test | 32 % | 75 % |
| Uppercut-Test | 73 % | 78 % |
| Yergason-Test | 43 % | 79 % |
| Bear-Hug-Test | 79 % | 60 % |
| Belly-Press-Test | 31 % | 85 % |
| O'Brien-Test | 38 % | 61 % |
| Anterior-Slide-Test | 10 % | 82 % |
| Supine-Resistance-Test | 80 % | 69 % |
Als bildgebender Standard wird eine Röntgenaufnahme (Grashey-Zielaufnahme) empfohlen. Zur detaillierten Beurteilung gilt die MRT oder MR-Arthrographie (MRA) als Methode der Wahl, wobei die Leitlinie vor einer Überdiagnostik asymptomatischer Läsionen warnt.
Klassifikation der SLAP-Läsionen
Die Einteilung erfolgt in acht Typen, die maßgeblich für die weitere Therapieentscheidung sind:
| Typ | Beschreibung |
|---|---|
| Typ I | Degenerative Ausfransung am freien Rand, intakte Insertion |
| Typ II | Akuter Abriss von Labrum und langer Bizepssehne (LHBT) vom Glenoid |
| Typ III | Korbhenkelriss, Labruminsertion der LHBT bleibt intakt |
| Typ IV | Typ III mit Ausdehnung in die LHBT |
| Typ V | Typ II plus anteriore Schulterinstabilität |
| Typ VI | Große superiore Labrumlappen ohne Ablösung der LHBT-Insertion |
| Typ VII | Typ II plus Beteiligung des mittleren und inferioren glenohumeralen Ligaments |
| Typ VIII | Typ II plus Knorpelverletzung angrenzend an die bicipitale Fußplatte |
Konservative und operative Therapie
Für die überwiegende Mehrheit der SLAP-Verletzungen wird initial ein konservatives Vorgehen empfohlen. Dieses umfasst:
-
NSAR und Kryotherapie zur Schmerzkontrolle
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Ruhe und Aktivitätsmodifikation
-
Physiotherapie zur Behandlung von skapulothorakaler Dyskinesie und glenohumeralem Innenrotationsdefizit (GIRD)
Bei Versagen der konservativen Therapie wird ein operatives Vorgehen in Betracht gezogen. Die Leitlinie schlägt folgenden chirurgischen Algorithmus vor:
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Typ I: Arthroskopisches Debridement
-
Typ II: SLAP-Repair oder Bizepstenotomie/-tenodese
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Typ III & VI: SLAP-Repair oder Resektion
-
Typ IV: Bei < 50 % Bizepssehnenbeteiligung Repair/Resektion, bei > 50 % Tenotomie/Tenodese
-
Typ V & VII: SLAP-Repair kombiniert mit Stabilisierung (Bankart-Repair bzw. Fixation)
-
Typ VIII: SLAP-Repair oder Tenotomie/Tenodese plus Knorpeldebridement
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt ausdrücklich davor, jeden MRT-Befund einer SLAP-Läsion unkritisch als Schmerzursache zu werten, da diese bei bis zu 72 % der asymptomatischen Patienten mittleren Alters auftreten. Es wird empfohlen, stets andere häufige Schmerzgeneratoren wie Rotatorenmanschetten-Pathologien oder eine AC-Gelenksarthrose in die Differenzialdiagnostik einzubeziehen. Insbesondere bei älteren Patienten korreliert eine operative SLAP-Refixation häufig mit schlechteren Ergebnissen im Vergleich zu einer Bizepstenodese.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie wird eine Kombination verschiedener Tests empfohlen, da einzelne Tests oft keine ausreichende diagnostische Genauigkeit bieten. Besonders der Supine-Resistance-Test und der Mayo-Shear-Test zeigen eine hohe Sensitivität von jeweils 80 %.
Ein operatives Vorgehen wird gemäß Leitlinie erst nach Ausschöpfung konservativer Maßnahmen wie Physiotherapie und Aktivitätsmodifikation erwogen. Die Entscheidung hängt stark vom Alter des Patienten, dem sportlichen Anspruch und dem genauen Riss-Typ ab.
Die Leitlinie identifiziert ein Alter über 40 Jahre, weibliches Geschlecht, Adipositas und Rauchen als Risikofaktoren. Zudem erhöht eine begleitende Tendinitis der langen Bizepssehne das Risiko für eine Revisionsoperation signifikant.
Postoperativ wird eine Ruhigstellung in der Schlinge für 4 bis 6 Wochen empfohlen, begleitet von frühen Pendelübungen. Ein typischer Return-to-Sport wird laut Leitlinie nach etwa 6 Monaten erreicht.
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Quelle: StatPearls: Superior Labrum Anterior Posterior Lesions (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.