Bildgebung beim Schlaganfall: StatPearls Leitlinie
Hintergrund
Die StatPearls-Leitlinie zur Bildgebung beim Schlaganfall bietet eine umfassende Übersicht über die radiologische Diagnostik bei zerebrovaskulären Ereignissen. Etwa 87 Prozent der Schlaganfälle sind ischämischer Genese, während 10 Prozent auf intrazerebrale Blutungen und 3 Prozent auf Subarachnoidalblutungen entfallen.
In der Vergangenheit diente die Bildgebung primär dem Ausschluss von Blutungen, Tumoren oder Infektionen. Durch technologische Fortschritte ist die Neuroradiologie heute ein essenzieller Bestandteil der akuten Schlaganfallversorgung.
Die modernen Bildgebungsverfahren ermöglichen die Unterscheidung zwischen irreversibel geschädigtem Infarktkern und noch rettbarem Gewebe (Penumbra). Zudem erleichtern sie die Therapieplanung für eine intravenöse Thrombolyse oder intraarterielle Thrombektomie.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernaspekte für den klinischen Workflow:
Primärdiagnostik mittels nativer CT
Die native Computertomografie (NCCT) ist die erste Bildgebung, die bei Verdacht auf einen Schlaganfall durchgeführt wird. Sie dient primär dem sofortigen Ausschluss einer hämorrhagischen Ursache.
Die Leitlinie teilt die typischen Befunde der nativen CT in verschiedene zeitliche Phasen ein:
| Infarktphase | Zeitfenster | Typische NCCT-Befunde |
|---|---|---|
| Hyperakut | < 12 Stunden | Ausschluss Blutung, hyperdenses Gefäßzeichen |
| Akut | 12 - 24 Stunden | Verlust der Grau-Weiß-Differenzierung, zytotoxisches Ödem |
| Subakut | 24 Stunden - 5 Tage | Vasogenes Ödem, Masseneffekt |
| Alt | Wochen nach Infarkt | Volumenverlust, Enzephalomalazie |
Zur standardisierten Beurteilung der Infarktgröße im Stromgebiet der Arteria cerebri media wird der ASPECTS-Score herangezogen. Ein Score von unter 7 korreliert mit einem schlechteren klinischen Outcome.
Erweiterte CT-Diagnostik
Die CT-Angiografie (CTA) wird zur Identifikation von Gefäßthrombosen, Verschlüssen oder Vaskulitiden eingesetzt. Sie ermöglicht eine schnelle Detektion von distalen Stenosen und der Thrombuslänge.
Die CT-Perfusion (CTP) misst Parameter wie den zerebralen Blutfluss (CBF) und die mittlere Transitzeit (MTT). Ein Abfall des CBF um mehr als 30 Prozent definiert den irreversiblen Infarktkern.
Das ischämische Penumbra-Gewebe zeigt in der CTP einen erhaltenen Blutfluss, aber eine verlängerte Transitzeit. Für die Detektion einer Ischämie wird häufig eine Tmax von über 6 Sekunden als Parameter herangezogen.
Magnetresonanztomografie (MRT)
Die MRT ist der CT in der hyperakuten und akuten Phase aufgrund des höheren Weichteilkontrasts überlegen. Die diffusionsgewichtete Bildgebung (DWI) ist die sensitivste Methode und kann einen Infarkt bereits innerhalb von Minuten darstellen.
In den konventionellen Sequenzen zeigen sich erste Signalveränderungen in der FLAIR-Wichtung nach etwa drei Stunden. T2-gewichtete Aufnahmen weisen typischerweise erst nach etwa acht Stunden ein hyperintenses Signal auf.
Weitere Bildgebungsverfahren
Die Duplexsonografie wird als Standard-Screening für Karotisstenosen eingesetzt. Der transkranielle Doppler dient der Überwachung von Vasospasmen nach einer Subarachnoidalblutung.
Die digitale Subtraktionsangiografie (DSA) gilt als Goldstandard für die Beurteilung von Gefäßstenosen. Aufgrund ihrer Invasivität wird sie heute jedoch primär für endovaskuläre Interventionen genutzt.
Kontraindikationen
Die Leitlinie nennt folgende Einschränkungen für die Bildgebung:
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Die Gabe von jodhaltigem CT-Kontrastmittel erfordert Vorsicht bei Nierenfunktionseinschränkungen oder bekannten Allergien.
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Eine MRT ist bei bestimmten Herzschrittmachern, metallischen Fremdkörpern oder schwerer Klaustrophobie kontraindiziert, sofern die Implantate nicht explizit MR-tauglich sind.
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Gadolinium-haltige MRT-Kontrastmittel dürfen nur bei einer glomerulären Filtrationsrate (GFR) von über 30 eingesetzt werden.
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie ist bei der Interpretation der diffusionsgewichteten MRT (DWI) auf den sogenannten T2-Shine-Through-Effekt zu achten. Es wird betont, dass ein hyperintenses Signal in der DWI auch durch ein reines T2-Signal, wie etwa bei einem Hirnödem, verursacht werden kann. Zur sicheren Unterscheidung zwischen einer echten Diffusionsrestriktion und einem T2-Effekt muss immer die korrespondierende ADC-Karte (Apparent Diffusion Coefficient) herangezogen werden.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie ist die native Computertomografie (NCCT) die primäre Bildgebung der Wahl. Sie dient in erster Linie dem schnellen Ausschluss einer intrakraniellen Blutung.
Es wird der ASPECTS-Score (Alberta Stroke Program Early CT Score) für das Stromgebiet der Arteria cerebri media angewendet. Ein Score von unter 7 ist gemäß Leitlinie mit einem schlechteren klinischen Outcome assoziiert.
Die diffusionsgewichtete Bildgebung (DWI) kann einen ischämischen Kern bereits innerhalb von Minuten nach Symptombeginn darstellen. In den konventionellen FLAIR-Sequenzen zeigen sich erste Signalveränderungen laut Leitlinie nach etwa drei Stunden.
Die digitale Subtraktionsangiografie gilt als Goldstandard zur Beurteilung von Gefäßstenosen und Vaskulitiden. Da sie invasiv ist, wird sie heute primär für therapeutische Interventionen oder bei Subarachnoidalblutungen eingesetzt.
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Quelle: StatPearls: Stroke Imaging (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.