Radiushalsfraktur bei Kindern: StatPearls Leitlinie
Hintergrund
Radiushalsfrakturen machen bis zu 10 % aller kindlichen Ellenbogenfrakturen aus. Sie treten laut der StatPearls-Leitlinie am häufigsten im Alter von 9 bis 10 Jahren auf. Der typische Verletzungsmechanismus ist ein Sturz auf die ausgestreckte Hand mit einer Valgus-Kompressionskraft auf das Ellenbogengelenk.
Die Frakturen betreffen meist die proximale radiale Physe und werden als Salter-Harris-Typ-2-Verletzungen klassifiziert. Zur Einteilung des Schweregrads werden üblicherweise die Judet- und O'Brien-Klassifikationen herangezogen.
Die Ossifikation des Ellenbogens erfolgt in bestimmten Altersstufen, die mit dem Akronym "CRITOE" zusammengefasst werden. Das Radiusköpfchen fusioniert schließlich zwischen dem 16. und 18. Lebensjahr mit dem Schaft.
| Ossifikationszentrum | Akronym | Alter bei Auftreten |
|---|---|---|
| Capitellum | C | 1 Jahr |
| Radiusköpfchen | R | 3 Jahre |
| Epicondylus medialis (Internal) | I | 5 Jahre |
| Trochlea | T | 7 Jahre |
| Olecranon | O | 9 Jahre |
| Epicondylus lateralis (External) | E | 11 Jahre |
Empfehlungen
Die StatPearls-Leitlinie formuliert folgende Kernaspekte zur Diagnostik und Behandlung:
Diagnostik
Die initiale Beurteilung umfasst eine klinische Untersuchung des Ellenbogengelenks sowie konventionelle Röntgenaufnahmen. Es werden orthograde Projektionen in anterior-posteriorer (AP) und lateraler Ansicht empfohlen.
Zusätzlich kann eine schräg-laterale Aufnahme (Greenspan- oder Radiocapitellar-Zielaufnahme) zur besseren Darstellung des Radiusköpfchens angefertigt werden. Bei unverschobenen Frakturen wird auf das hintere Fettpolsterzeichen (posterior fat pad sign) als Hinweis auf eine okkulte Fraktur verwiesen.
Konservative Therapie
Eine konservative Behandlung ist bei minimal dislozierten Frakturen indiziert. Auch bei einer Angulation von etwa 30 Grad wird eine geschlossene Reposition mit anschließender Ruhigstellung in einem Oberarmgips als akzeptabel beschrieben.
Operative Therapie
Die Leitlinie nennt klare Kriterien für ein operatives Vorgehen:
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Eine Operation ist indiziert bei einer Angulation von über 30 Grad nach erfolglosen geschlossenen Repositionsversuchen.
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Weitere Indikationen sind eine Translation von mehr als 3 mm sowie eine eingeschränkte Supination und Pronation von unter 45 Grad.
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Als minimalinvasive Verfahren werden die geschlossene perkutane Reposition (K-Draht-Joystick-Technik) oder die Métaizeau-Technik (elastisch-stabile intramedulläre Nagelung) empfohlen.
Offene Reposition
Wenn trotz perkutaner Repositionsversuche eine Fehlstellung von mehr als 45 Grad bestehen bleibt, wird eine offene Reposition beschrieben. Diese sollte jedoch mit großer Vorsicht erfolgen.
Die Leitlinie warnt davor, dass eine offene Reposition mit höheren Raten an Funktionsverlusten, avaskulären Nekrosen und Synostosen einhergeht. Es wird betont, die periostale Hinge zu schonen und die Blutversorgung zu erhalten.
Nachsorge und Rehabilitation
Zur Vermeidung einer Ellenbogensteife wird ein frühzeitiger Beginn mit aktiv-assistierten Bewegungsübungen empfohlen. Kinder sollen laut Leitlinie angeleitet werden, den betroffenen Arm mit Hilfe des gesunden Arms zu bewegen.
Kontraindikationen
Laut Leitlinie ist eine operative Versorgung bei minimal angulierten (unter 30 Grad) und minimal translatierten (unter 3 mm) Radiushalsfrakturen kontraindiziert. Diese Frakturen sollten konservativ behandelt werden.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt eindringlich vor dem hohen Risiko einer avaskulären Nekrose (AVN) des Radiusköpfchens, welches bei offenen Repositionen auf bis zu 70 % ansteigen kann. Es wird empfohlen, primär geschlossene oder perkutane Repositionstechniken auszuschöpfen und eine offene Reposition nur bei persistierender Angulation von über 45 Grad äußerst schonend durchzuführen. Zudem wird auf das Kompartmentsyndrom als mögliche, schwer zu diagnostizierende Frühkomplikation bei Kindern hingewiesen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie wird eine Operation bei einer Angulation von über 30 Grad nach erfolgloser geschlossener Reposition, einer Translation von mehr als 3 mm oder einer Bewegungseinschränkung (Supination/Pronation unter 45 Grad) empfohlen.
Es werden Röntgenaufnahmen des Ellenbogens in zwei Ebenen (AP und lateral) empfohlen. Zusätzlich kann eine schräg-laterale Greenspan-Aufnahme zur besseren Beurteilung des Radiusköpfchens hilfreich sein.
Die Métaizeau-Technik ist ein geschlossenes Repositionsverfahren mittels elastisch-stabiler intramedullärer Nagelung (ESIN). Dabei wird ein retrograder Nagel eingeführt, um das Radiusköpfchen von innen aufzurichten.
Das allgemeine Risiko für eine AVN liegt bei 10 bis 20 %. Bei einer offenen Reposition steigt dieses Risiko laut Leitlinie aufgrund der möglichen Verletzung der periostalen Blutversorgung auf bis zu 70 % an.
Der sekundäre Ossifikationskern des Radiusköpfchens tritt typischerweise im Alter von 3 Jahren auf. Die vollständige Fusion mit dem Radiusschaft erfolgt zwischen dem 16. und 18. Lebensjahr.
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Quelle: StatPearls: Radial Neck Fracture Repair In A Child (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.