Unterarmfrakturen: StatPearls Leitlinie
Hintergrund
Unterarmfrakturen gehören zu den häufigsten Knochenbrüchen bei Kindern und Erwachsenen. Sie entstehen meist durch ein axiales Trauma, wie den Sturz auf die ausgestreckte Hand, oder durch direkte Krafteinwirkung bei Hochrasanztraumata.
Die funktionelle Einheit des Unterarms besteht aus Radius, Ulna sowie den proximalen und distalen Radioulnargelenken. Eine korrekte anatomische Wiederherstellung ist laut der StatPearls-Leitlinie essenziell, um die Pro- und Supinationsfähigkeit sowie die Kraft der Hand intakt zu halten.
Besondere Frakturformen wie die Galeazzi- und Monteggia-Frakturen gehen mit Gelenkluxationen einher. Diese gelten als hochgradig instabil und erfordern eine spezifische chirurgische Aufmerksamkeit, um langfristige Bewegungseinschränkungen zu vermeiden.
Empfehlungen
Die StatPearls-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Diagnostik und Therapie von Unterarmfrakturen:
Klinische und radiologische Diagnostik
Bei Hochrasanztraumata wird zunächst eine Untersuchung nach dem ATLS-Protokoll empfohlen, um lebensbedrohliche Begleitverletzungen auszuschließen. Zur spezifischen Diagnostik der Fraktur wird standardmäßig eine Röntgenuntersuchung in zwei Ebenen (anterior-posterior und lateral) gefordert.
Die Leitlinie empfiehlt eine erweiterte Bildgebung in folgenden spezifischen Fällen:
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Computertomografie (CT) bei Verdacht auf intraartikuläre Frakturen des distalen Radius
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Magnetresonanztomografie (MRT) zur Beurteilung von Verletzungen des distalen Radioulnargelenks (DRUJ) oder des TFCC
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Schräge Röntgenaufnahmen bei Überlagerungen von Radius und Ulna im lateralen Bild
Therapieauswahl
Eine konservative Behandlung wird nur bei strengen Indikationen als angemessen erachtet. Die Leitlinie unterscheidet die Therapiepfade primär nach Frakturtyp und Patientenalter.
| Frakturtyp | Bevorzugte Therapie | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Minimal disloziert (<50% Dislokation, <10° Abknickung) | Konservativ | Gipsverband oder funktionelle Schiene |
| Isolierte Ulnafraktur | Konservativ | Hohe Erfolgsrate bei engmaschiger Röntgenkontrolle |
| Diaphysäre Unterarmfraktur (Erwachsene) | Operativ (Plattenosteosynthese) | Goldstandard zur anatomischen Reposition |
| Diaphysäre Unterarmfraktur (Kinder) | Operativ (Marknagelung) | Minimalinvasiv, Erhalt des Frakturhämatoms |
Operative Therapie
Für Erwachsene wird die offene Reposition und interne Fixation (ORIF) mit Platten und Schrauben als Goldstandard empfohlen. Bei einfachen Frakturen beider Knochen sollte laut Leitlinie bevorzugt der Radius zuerst fixiert werden, um die Stabilität für die Ulna-Versorgung zu erhöhen.
Bei offenen Frakturen richtet sich das Vorgehen nach der Gustilo-Anderson-Klassifikation. Die Leitlinie empfiehlt:
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Grad 1 und 2: Definitive Fixation nach adäquatem Debridement in einer Sitzung
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Grad 3: Debridement und Anlage eines Fixateur externe, gefolgt von einer zweizeitigen internen Fixation
Komplikationsmanagement
Das Kompartmentsyndrom stellt einen chirurgischen Notfall dar. Es wird eine sofortige Fasziotomie des volaren oder dorsalen Kompartiments empfohlen, um Gewebeischämien zu vermeiden.
Zur Vermeidung einer radioulnaren Synostose wird von einem einzelnen chirurgischen Zugang für beide Knochen abgeraten. Stattdessen wird die Nutzung separater Zugänge für Radius und Ulna empfohlen.
Kontraindikationen
Laut Leitlinie gelten folgende Kontraindikationen für die intramedulläre Nagelung bei Unterarmfrakturen:
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Aktive Infektionen im Frakturbereich
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Ein zu enger intramedullärer Kanal
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Begleitende metaphysäre oder epiphysäre Frakturen
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Frakturen von Radiusköpfchen und -hals
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Metaphysäre Frakturen von Radius und Ulna, die eine korrekte Verriegelung nicht zulassen
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt eindringlich davor, ein beginnendes Kompartmentsyndrom zu übersehen, da Frakturen des distalen Radius hierfür die häufigste Ursache am Unterarm sind. Es wird empfohlen, bei entsprechenden klinischen Zeichen umgehend eine Kompartmentdruckmessung durchzuführen und bei Bestätigung eine sofortige Fasziotomie einzuleiten.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie ist eine konservative Therapie nur bei unikortikalen, unverschobenen oder minimal dislozierten Frakturen indiziert. Als Grenzwert für eine minimale Dislokation wird eine Verschiebung von unter 50 Prozent und eine Abknickung von unter 10 Grad genannt.
Die offene Reposition und interne Fixation (ORIF) mittels dynamischer Kompressionsplatte (DCP) gilt bei Erwachsenen als Goldstandard. Die Leitlinie betont, dass dieses Verfahren eine anatomische Reposition und absolute Stabilität gewährleistet.
Das Vorgehen richtet sich nach der Gustilo-Anderson-Klassifikation. Während bei Grad 1 und 2 eine primäre Fixation nach Debridement empfohlen wird, rät die Leitlinie bei Grad 3 zu einem zweizeitigen Vorgehen mit initialem Fixateur externe.
Eine häufige Ursache für den Verlust der Pro- und Supination ist eine inkorrekte anatomische Ausrichtung oder eine radioulnare Synostose. Die Leitlinie weist darauf hin, dass bereits eine Abknickung von 20 Grad zu einem Rotationsverlust von etwa 30 Grad führen kann.
Es wird beschrieben, dass der Nervus ulnaris, der Nervus radialis und der oberflächliche Ast des Nervus radialis häufig verletzt werden. Bei operativen Eingriffen, insbesondere am proximalen Radius, besteht laut Leitlinie zudem ein hohes Risiko für iatrogene Läsionen des Nervus interosseus posterior.
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Quelle: StatPearls: Forearm Fractures (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.