Ellenbogenfrakturen: StatPearls Übersicht
Hintergrund
Ellenbogenfrakturen machen bis zu 5 % aller Frakturen aus und treten bei Kindern häufiger auf als bei Erwachsenen. Bei Kindern unter 7 Jahren sind suprakondyläre Frakturen am häufigsten, während bei Erwachsenen intraartikuläre Frakturen dominieren.
Der häufigste Verletzungsmechanismus ist ein Sturz auf den ausgestreckten Arm (FOOSH). Die komplexe Anatomie des Ellenbogengelenks erfordert eine präzise Diagnostik, um Begleitverletzungen von Nerven und Gefäßen auszuschließen.
Eine verzögerte oder verpasste Diagnose kann zu schwerwiegenden Komplikationen wie Malunion, Nervenschäden oder einem Kompartmentsyndrom führen. Daher ist eine strukturierte klinische und radiologische Evaluation unerlässlich.
Empfehlungen
Die StatPearls-Übersicht formuliert folgende Kernempfehlungen zur Evaluation und Behandlung von Ellenbogenfrakturen:
Klinische Evaluation
Laut Leitlinie wird eine sofortige und systematische neurovaskuläre Untersuchung empfohlen. Es wird betont, dass eine warme, gut durchblutete Hand eine Verletzung der Arteria brachialis nicht ausschließt.
Die Leitlinie empfiehlt die Überprüfung der Nervenfunktion, insbesondere des Nervus interosseus anterior (AIN). Dies erfolgt durch die Aufforderung, das "OK"-Zeichen mit Daumen und Zeigefinger zu bilden.
Bildgebende Diagnostik
Als initiale Bildgebung werden Röntgenaufnahmen des Ellenbogens in anterior-posteriorer und lateraler Projektion empfohlen. Ein sichtbares hinteres Fettpolster (posterior fat pad) wird immer als pathologisch gewertet und gilt als indirektes Frakturzeichen.
Bei unklaren Befunden oder zur Beurteilung komplexer intraartikulärer Frakturen wird eine Computertomografie (CT) empfohlen. Bei Kindern sollte die altersabhängige Verknöcherung anhand der CRITOE-Regel beachtet werden.
Klassifikationen
Die Leitlinie beschreibt verschiedene Klassifikationssysteme zur Einteilung der Frakturen. Für suprakondyläre Frakturen wird die Gartland-Klassifikation verwendet:
| Typ | Beschreibung |
|---|---|
| Typ I | Nicht oder minimal disloziert |
| Typ II | Nach posterior disloziert, intakte posteriore Kortikalis |
| Typ III | Vollständig disloziert, Unterbrechung beider Kortikalisstrukturen |
| Typ IV | Zirkumferentielle periostale Unterbrechung, multidirektionale Instabilität |
Für Radiusköpfchenfrakturen wird die Mason-Klassifikation herangezogen:
| Typ | Beschreibung |
|---|---|
| Typ I | Nicht disloziert (Verschiebung ≤ 2 mm) |
| Typ II | Disloziert (Verschiebung > 2 mm) |
| Typ III | Trümmerfraktur |
| Typ IV | Fraktur mit Ellenbogenluxation |
Therapieprinzipien
Die Behandlung richtet sich nach dem Frakturtyp und dem Dislokationsgrad. Die Leitlinie empfiehlt folgende Ansätze:
-
Konservative Therapie mit Ruhigstellung bei nicht dislozierten Frakturen (z. B. Gartland Typ I)
-
Geschlossene Reposition und perkutane Spickung bei dislozierten suprakondylären Frakturen
-
Offene Reposition und interne Fixation (ORIF) bei instabilen, offenen oder nicht reponierbaren Frakturen
Bei Vorliegen einer neurovaskulären Beeinträchtigung wird eine sofortige Reposition empfohlen. Es wird darauf hingewiesen, dass eine frühzeitige Mobilisation wichtig ist, um Gelenksteife zu vermeiden.
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie ist ein sichtbares hinteres Fettpolster (posterior fat pad sign) im Röntgenbild immer pathologisch und weist auf einen intraartikulären Erguss hin. Es wird betont, dass dies bei Kindern oft der einzige radiologische Hinweis auf eine okkulte suprakondyläre Fraktur ist. Zudem wird davor gewarnt, sich auf eine intakte periphere Durchblutung zu verlassen, da diese eine Verletzung der Arteria brachialis nicht sicher ausschließt.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt, den Patienten aufzufordern, ein "OK"-Zeichen mit Daumen und Zeigefinger zu bilden. Eine Unfähigkeit, diese Bewegung auszuführen, deutet auf eine motorische Dysfunktion des Nervus interosseus anterior hin.
Laut Leitlinie erfordern dislozierte Frakturen (ab Gartland Typ II) eine chirurgische Intervention. Es wird meist eine geschlossene Reposition mit perkutaner Spickung empfohlen.
Die CRITOE-Regel beschreibt die chronologische Reihenfolge der Ossifikationszentren am kindlichen Ellenbogen (Capitellum, Radiusköpfchen, Interner Epikondylus, Trochlea, Olecranon, Externer Epikondylus). Die Leitlinie betont, dass die Kenntnis dieser Abfolge wichtig ist, um okkulte Frakturen von normalen Wachstumsfugen zu unterscheiden.
Die Leitlinie definiert die "Terrible Triad" als Kombination aus posterolateraler Ellenbogenluxation, Radiusköpfchenfraktur und Fraktur des Processus coronoideus. Diese Verletzung geht mit einer erheblichen Instabilität einher und erfordert eine komplexe chirurgische Versorgung.
Bei nicht dislozierten suprakondylären Frakturen wird eine Ruhigstellung im Gips oder Splint für etwa 3 bis 4 Wochen empfohlen. Die Leitlinie rät zu einer Röntgenkontrolle nach einer Woche, um die korrekte Ausrichtung zu überprüfen.
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Quelle: StatPearls: Elbow Fractures Overview (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.