Laterale Humeruskondylusfraktur bei Kindern: StatPearls
Hintergrund
Die laterale Humeruskondylusfraktur ist nach der supracondylären Fraktur die zweithäufigste Ellenbogenfraktur im Kindesalter. Sie macht etwa 12 bis 20 Prozent aller Frakturen der oberen Extremität bei Kindern aus.
Der Altersgipfel liegt bei sechs Jahren, wobei Jungen häufiger betroffen sind. Der typische Unfallmechanismus ist ein Sturz auf die ausgestreckte Hand bei gestrecktem Ellenbogen und supinierter Unterarmstellung.
Da die Fraktur intraartikulär verläuft und durch den Zug der Unterarmextensoren dislokationsgefährdet ist, besteht ein hohes Risiko für Komplikationen. Eine adäquate Diagnostik und Therapie sind entscheidend, um Fehlstellungen und Pseudarthrosen zu vermeiden.
Empfehlungen
Die StatPearls-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Diagnostik und Therapie:
Diagnostik
Als primäres bildgebendes Verfahren wird die Röntgenuntersuchung in drei Ebenen (anterior-posterior, lateral und streng schräg) empfohlen. Die Schrägaufnahme ist besonders hilfreich, um minimal dislozierte Frakturen von weniger als 2 mm zu erkennen.
Ergänzend können laut Leitlinie weitere Modalitäten eingesetzt werden:
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Ultraschall zur Beurteilung der Knorpelintegrität bei jüngeren Kindern
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MRT zur genauen Darstellung des Gelenkknorpels (ein intakter Knorpel spricht für Frakturstabilität)
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CT zur detaillierten Beurteilung von Frakturmuster und Trümmerzonen
Klassifikationssysteme
Zur Einteilung der Frakturen und zur Therapieplanung werden verschiedene Klassifikationen herangezogen. Die Einteilung nach Jakob und Weiss bewertet Dislokation und Knorpelintegrität:
| Klassifikation nach Jakob & Weiss | Dislokation | Gelenkknorpel |
|---|---|---|
| Typ I | < 2 mm | Intakt |
| Typ II | ≥ 2 mm | Intakt |
| Typ III | ≥ 2 mm | Rupturiert/Inkongruent |
Konservative Therapie
Eine konservative Behandlung wird bei Frakturen mit einer Dislokation von weniger als 2 mm empfohlen.
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Ruhigstellung im Oberarmgips für mindestens 4 Wochen
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Verlängerung der Ruhigstellung um weitere 2 Wochen je nach Heilungsverlauf
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Röntgenkontrolle nach 1 Woche zum Ausschluss einer sekundären Dislokation
Operative Therapie
Chirurgische Interventionen sind indiziert bei einer Dislokation von mehr als 2 mm, Gelenkinkongruenz oder einem Repositionsverlust im Verlauf.
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Geschlossene Reposition und perkutane Spickung (CRPP): Empfohlen für Weiss Typ II. Die Fixierung mit 2 Kirschner-Drähten wird bevorzugt, um Stabilität zu gewährleisten.
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Offene Reposition und interne Fixation (ORIF): Indiziert bei Weiss Typ III oder nach frustraner geschlossener Reposition. Die Verwendung von Zugschrauben zeigt geringere Raten an Malrepositionen.
Nachsorge und Rehabilitation
Nach operativer Versorgung wird die Entfernung der Kirschner-Drähte nach 4 bis 6 Wochen empfohlen. Daran schließt sich eine Gipsruhigstellung für weitere 2 bis 4 Wochen an.
Kontaktsportarten und schweres Heben sollten für 1 bis 2 Monate nach der Gipsabnahme vermieden werden. Die vollständige Wiederherstellung des Bewegungsausmaßes kann bis zu einem Jahr dauern.
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie gilt eine Dislokation von 2 mm als entscheidender Grenzwert zwischen konservativer und operativer Therapie. Es wird betont, dass auch bei initial minimal dislozierten Frakturen bis zum siebten Tag eine sekundäre Dislokation auftreten kann. Daher wird eine zwingende Röntgenkontrolle nach einer Woche empfohlen, unabhängig von Alter, Geschlecht oder Gipsart.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt eine Operation bei einer Dislokation von mehr als 2 mm. Auch eine Inkongruenz der Gelenkfläche oder ein Repositionsverlust in den Verlaufskontrollen stellen Operationsindikationen dar.
Bei konservativer Therapie wird eine Ruhigstellung im Oberarmgips für mindestens vier Wochen empfohlen. Je nach Heilungsverlauf kann diese um weitere zwei Wochen verlängert werden.
Zu den häufigsten Komplikationen zählen eine Prominenz des lateralen Kondylus, Pseudarthrosen und Achsfehlstellungen wie der Cubitus varus oder valgus. Seltener werden Wachstumsstörungen, avaskuläre Nekrosen oder eine späte Ulnarisparese beschrieben.
Es wird empfohlen, die Kirschner-Drähte nach vier bis sechs Wochen zu entfernen, sobald eine klinische und radiologische Heilung erkennbar ist. Danach erfolgt in der Regel eine weitere Gipsruhigstellung für zwei bis vier Wochen.
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Quelle: StatPearls: Pediatric Lateral Humeral Condyle Fractures (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.