Peritonsillarabszess: StatPearls Leitlinie
Hintergrund
Der Peritonsillarabszess ist die häufigste tiefe Halsinfektion bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Er entsteht meist als Komplikation einer akuten Tonsillitis oder Pharyngitis durch die Ansammlung von eitrigem Material im peritonsillären Raum.
Die Infektionen sind typischerweise polymikrobiell bedingt. Zu den am häufigsten isolierten Erregern gehören Streptococcus pyogenes, Fusobacterium necrophorum sowie verschiedene aerobe und anaerobe Bakterien.
Unbehandelt kann sich die Infektion rasch in angrenzende Gewebe wie den parapharyngealen Raum ausbreiten. Dies kann zu lebensbedrohlichen Komplikationen wie Atemwegsobstruktionen oder einer Mediastinitis führen.
Empfehlungen
Die StatPearls-Zusammenfassung formuliert folgende Kernaspekte für das Management des Peritonsillarabszesses:
Klinische Diagnostik
Laut den Autoren erfolgt die Diagnose häufig klinisch anhand typischer Symptome. Dazu zählen einseitige Halsschmerzen, Odynophagie, Trismus, eine kloßige Sprache ("hot potato voice") und eine Abweichung der Uvula zur gesunden Seite.
Bildgebung
Wenn die klinische Diagnose unklar ist, wird der Einsatz von Bildgebung empfohlen:
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Point-of-Care-Ultraschall (POCUS) gilt als bildgebendes Verfahren der ersten Wahl zur Bestätigung und Drainage-Führung.
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Eine kontrastmittelverstärkte Computertomografie (CECT) wird als Goldstandard empfohlen, wenn der Ultraschall nicht eindeutig ist oder der Verdacht auf weitere tiefe Halsinfektionen besteht.
Atemwegssicherung und medikamentöse Therapie
Die Leitlinie betont, dass bei Anzeichen einer schweren Atemwegsobstruktion die sofortige Atemwegssicherung oberste Priorität hat.
Nach der Diagnosestellung wird eine rasche empirische Antibiotikatherapie empfohlen, die Streptococcus pyogenes und orale Anaerobier abdeckt.
Zusätzlich wird die Gabe von intravenösen Flüssigkeiten bei Dehydratation sowie der Einsatz von Kortikosteroiden zur Schmerzreduktion und Verkürzung der Erholungszeit empfohlen.
Chirurgische Intervention
Die Entscheidung zur chirurgischen Intervention sollte laut den Autoren individualisiert getroffen werden. Für die Entlastung des Abszesses werden folgende Verfahren beschrieben:
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Nadelpunktion (Nadelaspiration) unter lokaler Betäubung.
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Inzision und Drainage, was möglicherweise mit einem geringeren Rezidivrisiko verbunden ist.
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Quinsy-Tonsillektomie (Tonsillektomie im akuten Stadium), insbesondere bei Kindern mit Rezidiven oder obstruktiver Schlafapnoe.
Dosierung
| Wirkstoff | Dosierung | Indikation / Anmerkung |
|---|---|---|
| Clindamycin | 450 mg PO 3x täglich ODER 600-900 mg IV 3x täglich | Empirische Antibiotikatherapie |
| Ampicillin-Sulbactam | 3 g IV 4x täglich | Empirische Antibiotikatherapie |
| Amoxicillin-Clavulansäure | 875 mg PO 2x täglich | Empirische Antibiotikatherapie |
| Metronidazol + Ceftriaxon | Metronidazol 400-500 mg PO/IV 4x täglich + Ceftriaxon 1 g IV 2x täglich | Kombinationstherapie |
| Metronidazol + Cefdinir | Metronidazol 400-500 mg PO/IV 4x täglich + Cefdinir 300 mg PO 2x täglich | Kombinationstherapie |
| Metronidazol + Vancomycin | Metronidazol (wie oben) + Vancomycin 1 g IV 2x täglich | Bei Verdacht auf MRSA |
| Metronidazol + Linezolid | Metronidazol (wie oben) + Linezolid 600 mg PO 2x täglich | Bei Verdacht auf MRSA |
| Dexamethason | 8-10 mg IV 3x täglich | Kortikosteroid zur Schmerz- und Ödemreduktion |
| Methylprednisolon | 2-3 mg/kg IV | Alternative zu Dexamethason |
Kontraindikationen
Die Autoren warnen vor potenziell lebensbedrohlichen Komplikationen bei verzögerter Behandlung. Dazu gehören die Ausbreitung in tiefe Halsräume, Mediastinitis und Atemwegsobstruktionen.
Zudem wird auf das Risiko einer Verletzung der Arteria carotis interna während der Nadelpunktion hingewiesen. Dies gilt insbesondere bei Kindern, da die Distanz zur Tonsillenfossa hier mit 8 bis 9 mm deutlich geringer ist als bei Erwachsenen.
💡Praxis-Tipp
Ein zentraler Praxis-Hinweis der Autoren ist die Modifikation der Nadel bei der Aspiration. Es wird empfohlen, die Plastikhülle auf der Nadel zu belassen und nur die distalen 1 bis 1,5 cm abzuschneiden. Dies dient als mechanischer Schutz, um ein zu tiefes Eindringen und eine versehentliche Punktion der Arteria carotis interna zu verhindern.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt eine empirische Therapie, die Streptokokken und Anaerobier abdeckt. Häufig eingesetzte Optionen sind Clindamycin, Ampicillin-Sulbactam oder Amoxicillin-Clavulansäure.
Laut den Autoren ist eine chirurgische Drainage besonders bei Abszessen mit einem Durchmesser von über 2 cm indiziert, da diese seltener allein durch Medikamente abheilen. Die Wahl zwischen Nadelpunktion und Inzision hängt vom klinischen Bild ab.
Es wird der Einsatz von entzündungshemmenden Medikamenten wie Ketorolac oder Ibuprofen empfohlen. Bei starken Schmerzen können laut Leitlinie auch Opioide erforderlich sein.
Der Point-of-Care-Ultraschall (POCUS) wird als bildgebendes Verfahren der ersten Wahl empfohlen. Ein CT mit Kontrastmittel gilt jedoch als Goldstandard und sollte bei unklaren Befunden oder Verdacht auf Komplikationen durchgeführt werden.
Ja, die Leitlinie empfiehlt die Gabe von Kortikosteroiden wie Dexamethason. Diese reduzieren nachweislich die Schmerzen und verkürzen die Erholungszeit der Betroffenen.
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Quelle: StatPearls: Peritonsillar Abscess (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.