Linksventrikuläre Ejektionsfraktion (LVEF): StatPearls
Hintergrund
Die linksventrikuläre Ejektionsfraktion (LVEF) ist ein zentraler Parameter zur Beurteilung der systolischen Herzfunktion. Sie beschreibt den prozentualen Anteil des Blutes, der mit jedem Herzschlag aus dem linken Ventrikel ausgeworfen wird.
Laut der StatPearls-Leitlinie ist die LVEF einer der zuverlässigsten Prädiktoren für kardiovaskuläre Ereignisse und Mortalität. Sie spielt eine entscheidende Rolle bei der Diagnose und dem Management von ischämischen Herzerkrankungen, Kardiomyopathien und Klappenvitien.
Die LVEF wird durch physiologische Faktoren wie Vorlast, Nachlast und die intrinsische myokardiale Kontraktilität beeinflusst. Eine präzise Quantifizierung ist für die Risikostratifizierung und die Therapieplanung unerlässlich.
Empfehlungen
Die StatPearls-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Bestimmung und klinischen Anwendung der LVEF:
Klassifikation der Herzinsuffizienz
Die Leitlinie teilt die Herzinsuffizienz basierend auf der LVEF in verschiedene Kategorien ein. Diese Einteilung ist maßgeblich für die Therapieplanung.
| Kategorie | Abkürzung | LVEF-Grenzwert |
|---|---|---|
| Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion | HFpEF | ≥ 50 % |
| Herzinsuffizienz mit leicht reduzierter Ejektionsfraktion | HFmrEF | 41 % bis 49 % |
| Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion | HFrEF | ≤ 40 % |
| Herzinsuffizienz mit verbesserter Ejektionsfraktion | HFimpEF | ≥ 40 % (zuvor ≤ 40 %) |
Bildgebende Verfahren
Für die Quantifizierung der LVEF werden verschiedene Modalitäten bewertet:
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Echokardiografie: Gilt als Standardmethode. Die Leitlinie empfiehlt die 2D-Biplan-Methode nach Simpson als bevorzugtes Verfahren.
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Kardiale Magnetresonanztomografie (CMR): Wird als Goldstandard für die höchste Genauigkeit und Reproduzierbarkeit angesehen.
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Radionuklid-Ventrikulografie (MUGA/SPECT): Wird besonders bei eingeschränkten echokardiografischen Schallbedingungen oder zur Überwachung kardiotoxischer Chemotherapien empfohlen.
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Computertomografie (CT): Gilt nicht als primäre Modalität, kann aber bei ohnehin geplanter CT-Angiografie genutzt werden.
Therapeutische Schwellenwerte und Device-Therapie
Die Leitlinie definiert spezifische LVEF-Grenzwerte für interventionelle und operative Maßnahmen:
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Bei einer LVEF ≤ 35 % wird die Implantation eines Kardioverter-Defibrillators (ICD) zur Primärprävention des plötzlichen Herztods empfohlen.
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Eine kardiale Resynchronisationstherapie (CRT) wird bei einer LVEF ≤ 35 %, einer QRS-Dauer von ≥ 150 ms und einem Linksschenkelblock empfohlen.
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Bei asymptomatischer schwerer Aortenstenose oder Aorteninsuffizienz wird ein Klappenersatz bei einer LVEF < 50 % empfohlen.
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Bei asymptomatischer schwerer Mitralinsuffizienz wird eine Operation bei einer LVEF ≤ 60 % in Betracht gezogen.
Kardio-onkologische Überwachung
Bei Personen unter kardiotoxischer Chemotherapie wird eine engmaschige echokardiografische Überwachung empfohlen.
Ein Ausgangswert der LVEF < 53 % erfordert laut Leitlinie eine kardiologische Vorstellung. Fällt die LVEF während der Therapie um mehr als 10 % auf einen Endwert von < 53 %, wird eine Überweisung in die Kardio-Onkologie zur Anpassung der Krebstherapie und Einleitung einer Herzinsuffizienztherapie empfohlen.
Kontraindikationen
Die Leitlinie nennt folgende Kontraindikationen und Warnhinweise für spezifische Bildgebungsverfahren:
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Invasive Kontrastmittel-Ventrikulografie: Kontraindiziert bei Nierenfunktionseinschränkung oder bekannten Kontrastmittelallergien.
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Kardiale Magnetresonanztomografie (CMR): Kontraindiziert bei Vorhandensein bestimmter implantierter Devices oder bei schwerer Nierenfunktionsstörung (sofern Gadolinium-Kontrastmittel verwendet wird).
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Computertomografie (CT): Der Einsatz von jodhaltigem Kontrastmittel schränkt die Anwendbarkeit bei Personen mit Niereninsuffizienz oder Kontrastmittelallergie ein.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie betont, dass eine quantitative LVEF-Bestimmung (z. B. mittels biplaner Simpson-Methode) der rein visuellen Schätzung ("Eyeballing") stets vorzuziehen ist, um die Interobserver-Variabilität zu reduzieren. Zudem wird darauf hingewiesen, dass bei kardiotoxischen Chemotherapien bereits ein LVEF-Abfall um mehr als 10 % auf einen Wert unter 53 % eine kardio-onkologische Intervention erfordert.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie gilt die kardiale Magnetresonanztomografie (CMR) als Goldstandard. Sie bietet die höchste Genauigkeit und Reproduzierbarkeit, da sie nicht auf geometrischen Annahmen basiert.
Eine Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion (HFrEF) wird bei einer LVEF von 40 % oder weniger diagnostiziert. Diese Klassifikation ist entscheidend für die Einleitung einer leitliniengerechten medikamentösen Therapie.
Die Leitlinie empfiehlt die Implantation eines Kardioverter-Defibrillators (ICD) zur Primärprävention, wenn die LVEF 35 % oder weniger beträgt. Dies gilt insbesondere bei Vorliegen einer Herzinsuffizienz oder nach einem Myokardinfarkt.
Es wird die 2D-Biplan-Methode nach Simpson (modifizierte Simpson-Regel) als Standardverfahren empfohlen. Ältere geometrische Methoden wie die Teichholz-Methode werden aufgrund ihrer Ungenauigkeit bei regionalen Wandbewegungsstörungen nicht mehr primär empfohlen.
Bei unzureichender Bildqualität in der Echokardiografie wird der Einsatz von Kontrastmitteln empfohlen. Alternativ kann auf die Radionuklid-Ventrikulografie (MUGA-Scan) oder die kardiale Magnetresonanztomografie (CMR) ausgewichen werden.
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Quelle: StatPearls: Left Ventricular Ejection Fraction (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.