Kardiovaskuläre Risikobewertung: StatPearls Leitlinie
Hintergrund
Die präoperative kardiale Risikobewertung ist entscheidend, um perioperative Komplikationen bei nicht-kardialen Eingriffen zu minimieren. Laut der StatPearls-Zusammenfassung, die auf den ACC/AHA-Richtlinien basiert, erleiden jährlich zehntausende Menschen einen postoperativen Myokardinfarkt.
Das Ziel der Evaluation ist die Identifikation von Risikofaktoren für schwerwiegende unerwünschte kardiale Ereignisse (MACE). Dazu gehören unter anderem eine eingeschränkte funktionelle Kapazität, ischämische Herzerkrankungen und Herzinsuffizienz.
Die Leitlinie empfiehlt ein stufenweises Vorgehen, das die Dringlichkeit der Operation, aktive kardiale Erkrankungen und das spezifische Operationsrisiko berücksichtigt. Darauf aufbauend wird die Notwendigkeit weiterer Diagnostik oder einer Therapieoptimierung ermittelt.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur präoperativen Evaluation:
Stufenweiser Bewertungsalgorithmus
Es wird ein fünfstufiger Algorithmus zur präoperativen Risikostratifizierung beschrieben. Zunächst wird die Dringlichkeit des Eingriffs bewertet, gefolgt von der Identifikation aktiver kardialer Erkrankungen.
Bei Vorliegen aktiver Bedingungen wie einem akuten Myokardinfarkt, instabiler Angina pectoris oder einer dekompensierten Herzinsuffizienz wird eine Verschiebung elektiver Eingriffe empfohlen.
Operationsrisiko und funktionelle Kapazität
Das chirurgische Risiko wird in drei Kategorien eingeteilt, basierend auf der geschätzten 30-Tage-Rate für kardiale Ereignisse (MACE):
| Risikostufe | Geschätzte MACE-Rate |
|---|---|
| Niedriges Risiko | < 1 % |
| Mittleres Risiko | 1 - 5 % |
| Hohes Risiko | > 5 % |
Zudem wird die funktionelle Kapazität in metabolischen Äquivalenten (METs) beurteilt. Ein Wert von unter 4 METs gilt als reduzierter funktioneller Status und stellt einen klinischen Risikofaktor dar.
Revised Cardiac Risk Index (RCRI)
Für Personen mit unklarer funktioneller Kapazität vor Eingriffen mit mittlerem oder hohem Risiko wird die Anwendung des RCRI empfohlen. Dieser Index nutzt sechs klinische Prädiktoren zur Risikoberechnung:
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Koronare Herzkrankheit
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Kongestive Herzinsuffizienz
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Zerebrovaskuläre Erkrankung
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Insulinpflichtiger Diabetes mellitus
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Niereninsuffizienz (Serumkreatinin > 2 mg/dL)
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Hochrisiko-Operation (z. B. intrathorakal, intraperitoneal)
Präoperative Diagnostik
Ein präoperatives EKG wird bei Vorliegen von Risikofaktoren vor Eingriffen mit mittlerem oder hohem Risiko ausdrücklich empfohlen. Bei risikoarmen Eingriffen ohne Vorliegen von Risikofaktoren wird von einem Routine-EKG abgeraten.
Eine Echokardiographie wird nicht routinemäßig empfohlen. Sie ist laut Leitlinie indiziert bei Dyspnoe unklarer Genese, kürzlicher Exazerbation einer Herzinsuffizienz oder zur Beurteilung bekannter schwerer Klappenerkrankungen.
Perioperatives Medikamentenmanagement
Die Leitlinie formuliert spezifische Empfehlungen zur Fortführung der Dauermedikation:
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Betablocker sollen bei chronischer Einnahme perioperativ fortgeführt werden.
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Ein naiver Beginn von Betablockern unmittelbar präoperativ wird nicht empfohlen, da dies das Risiko für Komplikationen erhöht.
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Bei liegenden Stents ist die Fortführung der dualen Thrombozytenaggregationshemmung (DAPT) essenziell, um Stentthrombosen zu vermeiden.
Kontraindikationen
Die Leitlinie benennt klare Kontraindikationen für die Durchführung elektiver Eingriffe. Bei Vorliegen aktiver kardialer Bedingungen wie einem akuten Myokardinfarkt, instabiler Angina pectoris, dekompensierter Herzinsuffizienz oder schweren Arrhythmien wird von elektiven Operationen abgeraten.
Zudem wird vor dem unbedachten Absetzen einer dualen Thrombozytenaggregationshemmung (DAPT) bei Personen mit kürzlicher Stent-Implantation gewarnt. Dies stellt einen der stärksten Risikofaktoren für Stentthrombosen und Mortalität dar.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt ausdrücklich davor, Betablocker bei bisher nicht behandelten Personen unmittelbar vor einer Operation neu anzusetzen. Es wird darauf hingewiesen, dass diese Praxis laut der POISE-Studie zu einer höheren Inzidenz von Hypotonie, Schlaganfällen und Todesfällen führen kann. Stattdessen wird empfohlen, lediglich eine bereits bestehende chronische Betablocker-Therapie perioperativ fortzuführen.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt, nach einem Myokardinfarkt mindestens 4 bis 6 Wochen bis zu einer elektiven Operation zu warten. Es wird betont, dass das Risiko für kardiale Ereignisse nach 60 Tagen auf unter 10 Prozent sinkt.
Ein EKG wird empfohlen, wenn Risikofaktoren vorliegen und ein Eingriff mit mittlerem oder hohem Risiko geplant ist. Bei risikoarmen Operationen ohne patientenseitige Risikofaktoren wird laut Leitlinie kein Routine-EKG benötigt.
Die Empfehlung zur Verschiebung elektiver Eingriffe richtet sich nach der Stent-Art. Es wird geraten, bei Ballonangioplastien 14 Tage, bei unbeschichteten Stents (BMS) 30 Tage und bei medikamentenfreisetzenden Stents (DES) 3 bis 12 Monate zu warten.
Die Leitlinie weist darauf hin, dass die Einnahme von ACE-Hemmern am Operationstag zu intraoperativer Hypotonie führen kann. Wenn die Medikation morgens pausiert wird, wird eine zeitnahe Wiederaufnahme in der postoperativen Phase empfohlen.
Eine routinemäßige Belastungstestung wird nicht empfohlen. Sie kann jedoch bei Hochrisiko-Eingriffen und unbekannter funktioneller Kapazität erwogen werden, sofern das Ergebnis das weitere klinische Management verändern würde.
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Quelle: StatPearls: Cardiac Risk Assessment (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.