StatPearls2026

Atrioventrikuläre Reentrytachykardie (AVRT): StatPearls

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: StatPearls (2026)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die atrioventrikuläre Reentrytachykardie (AVRT) ist eine makroreentrante supraventrikuläre Tachykardie (SVT). Sie basiert auf einem Kreislauf, der mindestens zwei verschiedene Leitungswege mit unterschiedlichen elektrischen Eigenschaften umfasst, typischerweise das reguläre Reizleitungssystem und akzessorische Leitungsbahnen.

Laut der StatPearls-Leitlinie ist die AVRT bei Erwachsenen über 20 Jahren die vierthäufigste SVT. In der pädiatrischen Population stellt sie hingegen die häufigste Form der supraventrikulären Tachykardie dar.

Die Erkrankung tritt am häufigsten im Rahmen des Wolff-Parkinson-White-Syndroms (WPW-Syndrom) auf. Unbehandelt kann eine AVRT zu signifikanten Komplikationen wie einer tachykardieinduzierten Kardiomyopathie oder, insbesondere bei Vorhofflimmern mit schneller Überleitung, zum plötzlichen Herztod führen.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Diagnostik und Therapie:

Diagnostik

Zur Differenzierung der Tachykardie-Mechanismen wird ein 12-Kanal-EKG empfohlen. Die Leitlinie unterscheidet dabei primär zwischen einer orthodromen AVRT mit schmalem QRS-Komplex und einer antidromen AVRT mit breitem QRS-Komplex.

Für eine definitive Diagnose und gleichzeitige Therapiemöglichkeit wird eine elektrophysiologische Untersuchung (EPU) empfohlen. Diese ermöglicht die genaue Lokalisation der akzessorischen Leitungsbahnen.

Akuttherapie

Die Akutbehandlung richtet sich nach der hämodynamischen Stabilität:

  • Bei hämodynamischer Instabilität, verändertem Bewusstseinszustand oder Verdacht auf ischämischen Brustschmerz wird eine sofortige elektrische Kardioversion empfohlen.

  • Bei stabilen Patienten mit orthodromer AVRT sollten zunächst vagale Manöver (Valsalva-Manöver, Karotissinusmassage) durchgeführt werden.

  • Bei Erfolglosigkeit vagaler Manöver wird die intravenöse Gabe von Adenosin empfohlen.

  • Als medikamentöse Alternativen bei orthodromer AVRT nennt die Leitlinie Verapamil, Procainamid oder Betablocker.

Langzeittherapie und Prävention

Zur Vermeidung von Rezidiven empfiehlt die Leitlinie:

  • Die Radiofrequenzablation (RFA) der akzessorischen Leitungsbahn als bevorzugte Therapie für symptomatische und ausgewählte asymptomatische Patienten.

  • Eine medikamentöse Prophylaxe (z. B. mit Betablockern wie Propranolol) bei Patienten, die eine RFA ablehnen, bei denen sie erfolglos war oder bei Säuglingen.

  • Bei Säuglingen kann die antiarrhythmische Therapie oft nach 12 Monaten abgesetzt werden, da die Tachykardie in vielen Fällen spontan sistiert.

Besondere Patientengruppen

Für Leistungssportler mit WPW-Syndrom wird eine elektrophysiologische Risikostratifizierung empfohlen, unabhängig vom Vorliegen von Symptomen. Bei fetalen Tachykardien gilt die mütterliche antiarrhythmische Therapie (z. B. mit Digoxin oder Sotalol) als Erstlinienbehandlung.

Dosierung

Die Leitlinie nennt folgende Dosierungen für die medikamentöse Akuttherapie der orthodromen AVRT:

MedikamentDosierungIndikation / Bemerkung
Adenosin6 mg i.v. (Kinder: 0,1 mg/kg, max. 6 mg)Mittel der ersten Wahl nach vagalen Manövern; bei Erfolglosigkeit auf 12 mg steigerbar
Verapamil5 mg i.v. alle 2-3 Minuten (max. 15 mg)Alternative zu Adenosin; Vorsicht bei Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion
Procainamid20-50 mg/min i.v. (max. 17 mg/kg)Gabe bis Rhythmuswechsel, Hypotonie oder QRS-Verbreiterung >50%
Metoprolol5 mg i.v. als langsame Injektion über 2 Min.Wiederholung alle 10 Minuten möglich (max. Gesamtdosis 15 mg)

Kontraindikationen

Bei einer bestätigten antidromen AVRT (Tachykardie mit breitem QRS-Komplex) wird laut Leitlinie vor dem Einsatz von AV-Knoten-blockierenden Substanzen gewarnt. In diesen Fällen sollte stattdessen die intravenöse Gabe von Procainamid erwogen werden.

Zudem wird bei der Behandlung fetaler Tachykardien von der Gabe von Atenolol abgeraten, da dies mit einem geringeren Geburtsgewicht assoziiert ist. Diltiazem sollte aufgrund möglicher Teratogenität im Tierversuch ebenfalls vermieden werden.

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💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie weist auf das Coumel-Gesetz hin: Wenn eine Tachykardie mit breitem QRS-Komplex abrupt in eine Tachykardie mit schmalem QRS-Komplex übergeht und gleichzeitig die Herzfrequenz ansteigt, ist eine orthodrome AVRT mit einer ipsilateral zum Schenkelblock gelegenen akzessorischen Leitungsbahn sehr wahrscheinlich. Zudem wird betont, dass Vorhofflimmern bei Patienten mit WPW-Syndrom lebensbedrohlich sein kann, da eine schnelle Überleitung über die akzessorische Bahn Kammerflimmern auslösen kann.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie zeigt die orthodrome AVRT typischerweise einen schmalen QRS-Komplex, da die Erregung anterograd über den AV-Knoten geleitet wird. Die antidrome AVRT präsentiert sich hingegen mit einem breiten QRS-Komplex, da die Kammererregung anterograd über die akzessorische Leitungsbahn erfolgt.

Die Leitlinie empfiehlt bei hämodynamischer Instabilität, verändertem Bewusstsein oder ischämischen Brustschmerzen eine sofortige elektrische Kardioversion.

Es wird empfohlen, die Radiofrequenzablation als bevorzugte Langzeittherapie bei symptomatischen Patienten sowie bei bestimmten asymptomatischen Hochrisikopatienten (wie Leistungssportlern) durchzuführen. Sie bietet die Möglichkeit einer definitiven Heilung.

Gemäß den zitierten Richtlinien der European Society of Cardiology ist das Fahren nach einer Synkope während einer SVT bis zur adäquaten Behandlung untersagt. Bei Patienten mit WPW-Syndrom wird eine vorherige elektrophysiologische Evaluation empfohlen.

Die Leitlinie empfiehlt als Erstlinientherapie die antiarrhythmische Behandlung der Mutter. Häufig wird hierfür Digoxin eingesetzt; bei Erfolglosigkeit kann auf Sotalol oder Flecainid umgestellt werden.

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Quelle: StatPearls: Atrioventricular Reciprocating Tachycardia (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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