Reentry-Tachykardien: StatPearls Leitlinie
Hintergrund
Reentry-Arrhythmien umfassen eine heterogene Gruppe kardialer Erregungsbildungsstörungen. Dazu gehören Vorhofflimmern, Vorhofflattern, die atrioventrikuläre Knotentachykardie (AVNRT), die atrioventrikuläre Reentrytachykardie (AVRT) sowie ventrikuläre Tachykardien (VT).
Der zugrunde liegende Mechanismus ist ein elektrischer Kreislauf, bei dem ein kardialer Impuls das Gewebe nach Ablauf der Refraktärzeit wiederholt erregt. Dies kann durch anatomische oder funktionelle Hindernisse im Myokard bedingt sein.
Während supraventrikuläre Reentry-Tachykardien wie die AVNRT oft gutartig verlaufen, bergen ventrikuläre Tachykardien ein hohes Risiko für einen plötzlichen Herztod. Die klinische Präsentation reicht von asymptomatischen Palpitationen bis hin zur Synkope oder zum Herzstillstand.
Empfehlungen
Die StatPearls-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für das Management von Reentry-Arrhythmien:
Diagnostik
Als erster Schritt wird die Ableitung eines 12-Kanal-EKGs während der Tachykardie sowie im Sinusrhythmus empfohlen. Bei symptomatischen Personen mit unauffälligem Ruhe-EKG ist ein Langzeit-EKG zur weiteren Abklärung indiziert.
Zusätzlich wird eine echokardiografische Untersuchung angeraten bei:
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Vorhofflimmern und Vorhofflattern
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Ventrikulären Tachykardien zur Beurteilung der kardialen Struktur
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Verdacht auf zugrunde liegende strukturelle Herzerkrankungen
Für ausgewählte Fälle mit ventrikulären Arrhythmien wird ein kardiales MRT zur Ursachenfindung und Prognoseabschätzung empfohlen.
Akuttherapie
Bei hämodynamischer Instabilität ist laut Leitlinie unabhängig vom Ursprung der Arrhythmie eine sofortige elektrische Kardioversion indiziert.
Für hämodynamisch stabile supraventrikuläre Tachykardien (SVT) wird folgendes stufenweises Vorgehen empfohlen:
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Vagusmanöver (Valsalva-Manöver oder Karotissinusmassage) als Erstlinientherapie
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Intravenöses Adenosin bei Therapieversagen der Vagusmanöver
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Nicht-Dihydropyridin-Kalziumkanalblocker oder Betablocker, falls Adenosin wirkungslos bleibt
Bei hämodynamisch stabilen ventrikulären Tachykardien wird die intravenöse Gabe von Procainamid, Amiodaron oder Sotalol empfohlen.
Langzeitmanagement
Nach der initialen Stabilisierung wird bei AVNRT und AVRT eine Überweisung zur elektrophysiologischen Untersuchung und Katheterablation empfohlen. Die Ablation gilt hier als sehr sicheres Verfahren mit hohen Erfolgsraten.
Für Personen mit rezidivierenden ventrikulären Arrhythmien wird eine medikamentöse Langzeittherapie mit Betablockern oder Antiarrhythmika angeraten. Zudem muss laut Leitlinie stets die Indikation für einen implantierbaren Kardioverter-Defibrillator (ICD) geprüft werden.
Kontraindikationen
Die Leitlinie warnt ausdrücklich vor der Gabe von Adenosin bei vorliegendem Wolff-Parkinson-White-Syndrom (WPW-Syndrom).
Durch die Blockade des AV-Knotens bleibt die akzessorische Leitungsbahn ungehemmt. Dies kann zu einer raschen Überleitung auf die Ventrikel, Kammerflimmern und einem potenziellen Herzstillstand führen.
💡Praxis-Tipp
Ein essenzieller Hinweis der Leitlinie betrifft die Differenzialdiagnostik vor der medikamentösen Therapie einer supraventrikulären Tachykardie. Es wird dringend empfohlen, ein Wolff-Parkinson-White-Syndrom vor der Gabe von Adenosin auszuschließen, da die alleinige Blockade des AV-Knotens über die akzessorische Bahn ein lebensbedrohliches Kammerflimmern auslösen kann.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie ist bei hämodynamischer Instabilität eine sofortige elektrische Kardioversion die Therapie der Wahl. Dies gilt unabhängig davon, ob es sich um eine supraventrikuläre oder ventrikuläre Arrhythmie handelt.
Bei hämodynamisch stabilen supraventrikulären Tachykardien werden zunächst Vagusmanöver empfohlen. Dazu zählen das Valsalva-Manöver sowie die Karotissinusmassage.
Die Leitlinie empfiehlt die Katheterablation als Standardtherapie für Personen mit AVNRT und AVRT nach der initialen Akutbehandlung. Das Verfahren weist in diesen Fällen eine Erfolgsquote von über 90 bis 95 Prozent auf.
Zur akuten Durchbrechung einer hämodynamisch stabilen ventrikulären Tachykardie wird die intravenöse Gabe von Procainamid, Amiodaron oder Sotalol empfohlen. Bei rezidivierenden Ereignissen kommen Betablocker zum Einsatz.
Neben dem 12-Kanal-EKG wird standardmäßig eine Echokardiografie zur Beurteilung der Herzstruktur empfohlen. In ausgewählten Fällen rät die Leitlinie zusätzlich zu einem kardialen MRT, um die genaue Ursache zu ermitteln.
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Quelle: StatPearls: Reentrant Arrhythmias (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.