ERAS-Protokolle in der Anästhesie: StatPearls Leitlinie
Hintergrund
Enhanced Recovery After Surgery (ERAS) umfasst evidenzbasierte, multimodale Behandlungspfade zur beschleunigten Genesung nach großen chirurgischen Eingriffen. Die StatPearls-Leitlinie beschreibt die zentrale Rolle der Anästhesie in der prä-, intra- und postoperativen Phase.
Ziel der ERAS-Protokolle ist es, die physiologische und psychologische Stressantwort des Körpers auf die Operation zu minimieren. Dadurch wird laut Leitlinie die Morbidität gesenkt und die Krankenhausverweildauer um durchschnittlich 2,3 Tage verkürzt.
Die erfolgreiche Umsetzung erfordert eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit. Der Anästhesist fungiert dabei als wichtiges Bindeglied zwischen den verschiedenen perioperativen Behandlungsphasen.
Empfehlungen
Die Leitlinie unterteilt die anästhesiologischen Maßnahmen in drei perioperative Phasen:
Präoperatives Management
Es wird empfohlen, die präoperative Nüchternheit zu minimieren. Laut Leitlinie ist die Aufnahme klarer Flüssigkeiten sowie ein sogenanntes "Carbohydrate Loading" (kohlenhydratreiches Getränk) bis zu zwei Stunden vor dem Eingriff vorgesehen.
Zudem rät die Leitlinie zu folgenden präoperativen Maßnahmen:
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Verzicht auf routinemäßige Darmvorbereitungen
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Optimierung bestehender Begleiterkrankungen (z. B. Diabetes mellitus, Hypertonie)
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Aufklärung der zu behandelnden Person zur Erwartungshaltung und Schmerztherapie
Intraoperatives Management
Die Leitlinie empfiehlt den Einsatz einer multimodalen, opioidsparenden Analgesie. Hierbei sollten regionalanästhesiologische Verfahren sowie Nicht-Opioid-Analgetika bevorzugt werden.
Zur Vermeidung von postoperativem Erbrechen und Übelkeit (PONV) wird ein multimodaler Ansatz empfohlen:
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Präoperative Gabe von Dimenhydrinat
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Intraoperative Gabe von Dexamethason, Ondansetron und Propofol
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Verwendung eines transdermalen Scopolamin-Pflasters bei hohem PONV-Risiko
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Vermeidung von Lachgas und Reduktion volatiler Anästhetika
Für das intraoperative Flüssigkeitsmanagement wird die Aufrechterhaltung einer Eovolämie empfohlen, um Salz- und Wasserüberschüsse zu vermeiden. Zudem betont die Leitlinie die Wichtigkeit der Normothermie, welche durch Flüssigkeitswärmer und konvektive Wärmesysteme sichergestellt werden sollte.
Für die perioperative Blutzuckereinstellung definiert die Leitlinie folgende Zielwerte:
| Patientenpopulation | Perioperativer Blutzucker-Zielbereich |
|---|---|
| Diabetiker und Nicht-Diabetiker | 80 - 180 mg/dL |
Eine aggressivere Blutzuckersenkung wird aufgrund des Hypoglykämierisikos ausdrücklich nicht empfohlen.
Postoperatives Management
In der postoperativen Phase wird eine frühzeitige Mobilisation empfohlen, um einem Ileus, Lungenkomplikationen und Thromboembolien vorzubeugen.
Zudem rät die Leitlinie zu einem frühen oralen Kostaufbau. Dies verbessert laut Leitlinie die Wundheilung, verringert die Insulinresistenz und beschleunigt die Wiederherstellung der Muskelfunktion.
💡Praxis-Tipp
Ein häufiger Fehler bei der Umsetzung von ERAS-Protokollen ist die isolierte Anwendung einzelner Maßnahmen. Die Leitlinie betont, dass die positiven Effekte auf die postoperative Genesung am stärksten sind, wenn alle Komponenten des multimodalen Pfades synergistisch und vollständig umgesetzt werden.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie wird empfohlen, die Nüchternheitsphase zu minimieren. Die Aufnahme von klaren Flüssigkeiten und kohlenhydratreichen Getränken ist bis zu zwei Stunden vor dem Eingriff vorgesehen.
Es wird eine Kombinationstherapie aus Dimenhydrinat, Dexamethason und Ondansetron empfohlen. Zudem rät die Leitlinie zur Vermeidung von Lachgas und zur Reduktion volatiler Anästhetika.
Die Leitlinie empfiehlt, den Blutzuckerspiegel sowohl bei Diabetikern als auch bei Nicht-Diabetikern zwischen 80 und 180 mg/dL zu halten. Eine striktere Einstellung wird wegen der Gefahr von perioperativen Hypoglykämien nicht empfohlen.
Ein früher oraler Kostaufbau verbessert laut Leitlinie die Wundheilung und verringert die postoperative Insulinresistenz. Zudem wird dadurch die Wiederherstellung der Muskelfunktion beschleunigt.
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Quelle: StatPearls: Anesthetic Management for Enhanced Recovery After Major Surgery (ERAS) (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.