Fast-Track-Chirurgie bei Gynäkologischen Tumoren: Cochrane
Hintergrund
Gynäkologische Krebserkrankungen machen weltweit etwa 15 Prozent der neu diagnostizierten Krebsfälle bei Frauen aus. In der perioperativen Versorgung wird zunehmend deutlich, dass traditionelle Ansätze teilweise unnötig oder sogar schädlich sein können.
Als Alternative etablieren sich zunehmend sogenannte Enhanced Recovery After Surgery (ERAS) Programme, auch bekannt als Fast-Track-Chirurgie. In anderen chirurgischen Disziplinen konnte bereits gezeigt werden, dass diese Konzepte die Krankenhausverweildauer und Kosten senken, ohne die Komplikationsraten zu erhöhen.
Dieser systematische Cochrane-Review aus dem Jahr 2022 untersucht die Evidenz für ERAS-Programme spezifisch bei großen Operationen aufgrund von gynäkologischen Karzinomen. Verglichen wird das ERAS-Konzept mit traditionellen perioperativen Versorgungsstrategien anhand von sieben randomisiert-kontrollierten Studien.
Empfehlungen
Der vorliegende Cochrane-Review fasst die Ergebnisse aus sieben randomisiert-kontrollierten Studien mit insgesamt 747 Teilnehmerinnen zusammen. Es werden folgende zentrale Erkenntnisse zur Anwendung von ERAS-Programmen im Vergleich zur traditionellen Versorgung formuliert:
Klinische Endpunkte im Vergleich
Die Meta-Analyse zeigt verschiedene Effekte der Fast-Track-Chirurgie auf den postoperativen Verlauf:
| Klinischer Endpunkt | Effekt durch ERAS (vs. Standard) | Evidenzgrad |
|---|---|---|
| Krankenhausverweildauer | Verkürzt (Mittelwert -1,71 Tage) | Niedrig |
| Komplikationsrate | Kein Unterschied | Niedrig |
| Wiedereinweisungsrate (30 Tage) | Reduziert (RR 0,45) | Niedrig |
| Zeit bis zum ersten Flatus | Verkürzt (Mittelwert -0,82 Tage) | Niedrig |
| Zeit bis zum ersten Stuhlgang | Verkürzt (Mittelwert -0,96 Tage) | Niedrig |
| Medizinische Kosten | Kein Anstieg | Sehr niedrig |
Postoperative Komplikationen und Mortalität
Die Auswertung zeigt keinen Unterschied bei den allgemeinen Komplikationsraten zwischen ERAS und traditioneller Versorgung. Bezüglich der Gesamtmortalität innerhalb von 30 Tagen nach Entlassung ist die Evidenzlage laut den Autoren sehr unsicher.
Es gibt jedoch keine Hinweise auf eine Gefährdung der Sicherheit der behandelten Frauen durch die beschleunigten perioperativen Prozesse.
Gesundheitsökonomie und Lebensqualität
Die Implementierung von ERAS-Strategien führt laut den vorliegenden Daten nicht zu einem Anstieg der medizinischen Ausgaben.
Zur postoperativen Lebensqualität machten die eingeschlossenen Studien keine Angaben. Auch die Daten zur Zufriedenheit mit der Behandlung waren aufgrund der geringen Studienzahl sehr unsicher.
💡Praxis-Tipp
Obwohl die Evidenzqualität der eingeschlossenen Studien als niedrig bis sehr niedrig eingestuft wird, zeigt der Review, dass ERAS-Programme die Liegedauer signifikant verkürzen, ohne die Sicherheit zu gefährden. Es wird deutlich, dass die Implementierung von Fast-Track-Konzepten insbesondere die Erholung der postoperativen Darmfunktion messbar beschleunigt.
Häufig gestellte Fragen
Ja, der Cochrane-Review zeigt, dass die postoperative Krankenhausverweildauer durch ERAS-Programme im Durchschnitt um 1,71 Tage verkürzt wird. Die zugrundeliegende Evidenz wird jedoch als niedrig eingestuft.
Laut den ausgewerteten Studien gibt es keinen Unterschied in den allgemeinen Komplikationsraten zwischen ERAS-Programmen und traditioneller perioperativer Versorgung. Die Patientensicherheit wird durch das beschleunigte Vorgehen nicht beeinträchtigt.
Die Auswertung belegt, dass ERAS-Programme die Erholung der Darmfunktion signifikant beschleunigen. Sowohl die Zeit bis zum ersten Flatus als auch bis zum ersten Stuhlgang wird im Mittel um fast einen ganzen Tag reduziert.
Die vorliegenden Daten deuten darauf hin, dass die Anwendung von ERAS-Strategien die medizinischen Ausgaben nicht erhöht. Die Vertrauenswürdigkeit dieser gesundheitsökonomischen Evidenz ist laut den Autoren jedoch sehr gering.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: Cochrane Review: Perioperative enhanced recovery programmes for women with gynaecological cancers (Cochrane, 2022). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.