Sprachscreening (KiSS): Diagnostik und Früherkennung
Hintergrund
Der Bericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) aus dem Jahr 2011 bewertet die KiSS.2-Studie zum Kindersprachscreening in Hessen. Ziel war es zu prüfen, ob die Studie die Einschlusskriterien des vorherigen Abschlussberichts S06-01 erfüllt.
Im Fokus stand die Früherkennungsuntersuchung auf umschriebene Entwicklungsstörungen des Sprechens und der Sprache (UESS) bei Vorschulkindern. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hatte um diese ergänzende Bewertung gebeten.
Das KiSS.2-Verfahren zielt auf die Sprachstandserfassung bei vier- bis viereinhalbjährigen Kindergartenkindern ab. Es soll primär allgemeine Sprachentwicklungsstörungen (SES) aufdecken.
Empfehlungen
Der IQWiG-Bericht formuliert folgende zentrale Bewertungsergebnisse zur KiSS.2-Studie:
Einschlusskriterien und Relevanz
Laut Bericht erfüllt die KiSS.2-Studie nicht die geforderten Einschlusskriterien für die Nutzenbewertung. Das Verfahren ist auf die Identifikation allgemeiner Sprachentwicklungsstörungen ausgelegt und nicht spezifisch auf die Entdeckung von UESS.
Es wird festgestellt, dass die Studie keinen Einfluss auf das Fazit des ursprünglichen Abschlussberichts S06-01 hat.
Methodische Einschränkungen
Das IQWiG identifiziert mehrere methodische Mängel, die das Verzerrungspotenzial der Studienergebnisse erhöhen:
-
Der eingesetzte Referenztest ist kein etablierter Goldstandard und wurde nicht ausreichend validiert.
-
Die notwendige Ausschlussdiagnostik zur Feststellung einer UESS fehlte im Referenztest gänzlich.
-
Index- und Referenztest wurden von denselben Personen (Studenten) erhoben, was die Unabhängigkeit der Ergebnisse infrage stellt.
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Angaben zu sprachrelevanten Komorbiditäten fehlten bei 36,3 % der untersuchten Kinder.
Übertragbarkeit der Ergebnisse
Die Übertragbarkeit auf den deutschen Versorgungskontext wird als fraglich eingestuft. Das untersuchte Kollektiv aus Frankfurt und Offenbach wies einen überdurchschnittlich hohen Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund (58,5 %) auf.
Zudem wurde der Indextest in der Studie von Studenten durchgeführt, während er im Versorgungsalltag von Erzieherinnen angewendet werden soll.
Diagnostische Güte
Die Studie liefert Daten zur Übereinstimmung von Indextest und Experten-Konsensurteil bezüglich einer exklusiven klinischen Auffälligkeit. Eine sichere Ermittlung der diagnostischen Güte für UESS war laut Bericht nicht möglich.
| Parameter | Wert | Zielgröße |
|---|---|---|
| Sensitivität | 66,7 % | Exklusive klinische Auffälligkeit |
| Spezifität | 89,4 % | Exklusive klinische Auffälligkeit |
💡Praxis-Tipp
Der Bericht weist darauf hin, dass ein allgemeines Sprachscreening nicht die spezifische Diagnose einer umschriebenen Entwicklungsstörung des Sprechens und der Sprache (UESS) ersetzen kann. Für die sichere Entdeckung einer UESS wird eine dezidierte fachärztliche Diagnostik zum Ausschluss von Komorbiditäten als zwingend erforderlich erachtet.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bericht fehlte in der Studie die notwendige Ausschlussdiagnostik für Komorbiditäten im Referenztest. Daher ließen sich keine sicheren Maße zur diagnostischen Güte bezüglich der Entdeckung von UESS ableiten.
Eine allgemeine Sprachentwicklungsstörung (SES) schließt auch Auffälligkeiten ein, die mit Komorbiditäten assoziiert sind. Eine umschriebene Entwicklungsstörung (UESS) erfordert laut Bericht den expliziten Ausschluss solcher Komorbiditäten durch fachärztliche Diagnostik.
Die Studie gibt für die Entdeckung einer exklusiven klinischen Auffälligkeit eine Sensitivität von 66,7 % und eine Spezifität von 89,4 % an. Das IQWiG betont jedoch, dass diese Werte nicht auf die spezifische Diagnose einer UESS übertragen werden können.
Das KiSS.2-Verfahren ist für die Anwendung durch Erzieherinnen im Kindergarten konzipiert. In der bewerteten Studie wurde der Test jedoch von Studenten durchgeführt, was die Übertragbarkeit der Ergebnisse einschränkt.
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Quelle: IQWiG GA10-04: Früherkennungsuntersuchung auf umschriebene Entwicklungsstörungen des Sprechens und der Sprache bei Kindern: Bewertung der KiSS.2-Studie (IQWiG, 2011). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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