SCID-Neugeborenenscreening: IQWiG-Bericht

Diese Leitlinie stammt aus 2017 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: IQWiG (2017)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Der schwere kombinierte Immundefekt (SCID) umfasst eine Gruppe genetischer Erkrankungen, die durch ein völliges Fehlen der Immunabwehr gekennzeichnet sind. Unbehandelt versterben die meisten betroffenen Kinder innerhalb der ersten ein bis zwei Lebensjahre an schweren Infektionen.

Als etablierte kurative Therapie gilt die allogene Knochenmark- oder Stammzelltransplantation zur Rekonstitution einer intakten Immunfunktion. Vor der Einleitung einer solchen Therapie ist eine Stabilisierung durch strenge hygienische Maßnahmen und Infektionsprophylaxe erforderlich.

Das Neugeborenenscreening zielt darauf ab, betroffene Kinder vor der ersten Infektion zu identifizieren. Hierzu wird im Alter von 48 bis 72 Lebensstunden Filterkartenblut entnommen und mittels Polymerase-Kettenreaktion (PCR) auf spezifische DNA-Fragmente untersucht.

Empfehlungen

Der IQWiG-Bericht S15-02 formuliert basierend auf einer systematischen Literaturrecherche folgende zentrale Ergebnisse zum SCID-Screening:

Nutzenbewertung des Screenings

Laut Bericht zeigt das Neugeborenenscreening auf SCID in Kombination mit einer infektionsprophylaktischen und anschließenden kurativen Therapie einen Anhaltspunkt für einen Nutzen.

Für den Endpunkt Mortalität wird ein dramatischer Effekt zugunsten eines früheren gegenüber einem späteren Therapiebeginn beschrieben. Die frühzeitige Identifikation ermöglicht eine rechtzeitige Intervention vor dem Auftreten schwerer opportunistischer Infektionen.

Diagnostische Güte

Hinsichtlich der Testgenauigkeit kommt die Untersuchung zu folgenden Schlüssen:

  • Die Bestimmung von TREC aus Filterkartenblut ist grundsätzlich geeignet, Kinder mit SCID zuverlässig zu identifizieren.

  • Der positive prädiktive Wert (PPV) des Tests wird als gut bewertet.

  • Aufgrund der unzureichenden Datenlage aus den eingeschlossenen Studien ließen sich Sensitivität und Spezifität jedoch nicht exakt berechnen.

  • Es bleibt unklar, wie viele betroffene Kinder durch das Screening nicht erkannt werden.

Methodik und Marker

Für die laborchemische Diagnostik im Rahmen des Screenings werden spezifische Marker herangezogen. Die Quantifizierung erfolgt aus dem getrockneten Filterkartenblut.

MarkerZielstrukturKlinische Bedeutung
TRECT-Zell-RezeptorNachweis einer T-Zell-Defizienz (Standard-Screening)
KRECB-Zell-RezeptorZusätzlicher Nachweis einer B-Zell-Defizienz (z.B. bei ADA-Mangel)
Beta-ActinZelluläre DNAKontrollmarker für den methodischen Erfolg der Messung

Kontraindikationen

Bei Kindern mit einem schweren kombinierten Immundefekt (SCID) bestehen aufgrund der fehlenden Immunabwehr absolute Kontraindikationen für bestimmte medizinische Maßnahmen.

Lebendimpfungen, wie beispielsweise die in der Schutzimpfungs-Richtlinie vorgesehene Rotavirus-Impfung, sind bei diesen Kindern streng kontraindiziert.

Ebenso wird vor der Transfusion von unbestrahlten Blutprodukten gewarnt, da diese zu lebensbedrohlichen Komplikationen führen können.

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💡Praxis-Tipp

Ein entscheidender Faktor für das Überleben von Neugeborenen mit SCID ist der frühzeitige Beginn einer Infektionsprophylaxe noch vor der ersten klinischen Manifestation. Es wird im klinischen Alltag betont, dass bis zum Vorliegen eines unauffälligen Screeningergebnisses oder dem Ausschluss eines schweren Immundefekts strikt auf Lebendimpfungen verzichtet werden muss.

Häufig gestellte Fragen

Beim Neugeborenenscreening auf SCID wird getrocknetes Filterkartenblut mittels PCR untersucht. Dabei werden sogenannte TRECs (T-Cell Receptor Excision Circles) quantifiziert, die als Marker für die Anzahl frisch entstehender T-Zellen dienen.

Laut den Vorgaben wird das native Venen- oder Fersenblut im Alter von 48 bis 72 Lebensstunden entnommen. Dieses wird auf Filterpapierkarten aufgetropft und für die spätere Analyse getrocknet.

Als etablierte kurative Therapie gilt die allogene Knochenmark- oder Stammzelltransplantation. Bis zur Durchführung müssen die Säuglinge durch strenge Hygiene und medikamentöse Infektionsprophylaxe stabilisiert werden.

Der Bericht beschreibt einen dramatischen Effekt auf die Mortalität, wenn die Therapie frühzeitig begonnen wird. Unbehandelt versterben die meisten betroffenen Kinder innerhalb der ersten ein bis zwei Lebensjahre.

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Quelle: IQWiG S15-02: Screening auf schwere kombinierte Immundefekte (SCID-Screening) bei Neugeborenen (IQWiG, 2017). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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