Asthma-Management: SIGN-Leitlinie 2024
📋Auf einen Blick
- •Bei akutem schwerem Asthma sind hochdosierte inhalative Beta-2-Agonisten und systemische Steroide die Therapie der ersten Wahl.
- •Die Sauerstoffgabe bei Exazerbationen zielt auf eine Sättigung (SpO2) von 94-98% ab.
- •Atemübungen und Gewichtsreduktion werden als wirksame nicht-medikamentöse Maßnahmen zur Symptomkontrolle empfohlen.
- •Psychosoziale Faktoren in Kombination mit schwerem Asthma erhöhen das Risiko für fatale Verläufe signifikant.
Hintergrund
Die britische SIGN-Leitlinie (Update 2024) liefert evidenzbasierte Empfehlungen zur Diagnose, Überwachung und Therapie von Asthma. Ein besonderer Fokus liegt auf der Erkennung von Risikopatienten, der Behandlung akuter Exazerbationen sowie nicht-medikamentösen und interventionellen Ansätzen.
Differenzialdiagnosen
Bei der initialen klinischen Beurteilung müssen alternative Diagnosen ausgeschlossen werden. Folgende klinische Hinweise deuten bei Erwachsenen auf andere Erkrankungen hin:
| Klinischer Hinweis | Mögliche Diagnose |
|---|---|
| Prominenter Schwindel, periphere Parästhesien | Dysfunktionale Atmung, Panikattacken |
| Wiederkehrende schwere Asthmaanfälle ohne objektive Bestätigung | Stimmbanddysfunktion (Vocal cord dysfunction) |
| Posturale und nahrungsabhängige Symptome, dominanter Husten | Gastroösophagealer Reflux |
| Orthopnoe, periphere Ödeme, bekannte Herzerkrankung | Herzinsuffizienz |
| Signifikante Raucheranamnese (>20 Packungsjahre), Beginn >35 Jahre | COPD |
Akutes Asthma
Die Behandlung des akuten Asthmas erfordert ein schnelles und zielgerichtetes Vorgehen. Patienten mit Merkmalen eines akuten schweren oder lebensbedrohlichen Asthmas müssen umgehend in ein Krankenhaus eingewiesen werden.
- Sauerstoffgabe: Bei allen hypoxämischen Patienten mit akutem schwerem Asthma (SpO2 <94%) muss kontrolliert Sauerstoff verabreicht werden. Der Ziel-SpO2-Wert liegt bei 94-98%.
- Bronchodilatatoren: Hochdosierte inhalative Beta-2-Agonisten sind die Therapie der ersten Wahl und müssen so früh wie möglich verabreicht werden. Intravenöse Beta-2-Agonisten sind Patienten vorbehalten, bei denen eine inhalative Therapie nicht zuverlässig angewendet werden kann.
- Steroide: Alle Patienten mit einem akuten Asthmaanfall müssen frühzeitig systemische Steroide in adäquater Dosierung erhalten.
Risikofaktoren für fatale Verläufe
Die Leitlinie betont, dass Todesfälle oft bei Patienten mit chronisch schwerem Asthma und unzureichender Therapie auftreten. Ein hohes Risiko besteht bei einer Kombination aus schwerem Asthma und psychosozialen Faktoren:
| Kategorie | Risikofaktoren (Beispiele) |
|---|---|
| Schweregrad der Erkrankung | Vorheriges beinahe fatales Asthma, Krankenhauseinweisung im letzten Jahr, hoher SABA-Gebrauch |
| Psychosoziale Faktoren | Non-Adhärenz, verpasste Termine, Psychosen, Depressionen, Alkohol-/Drogenmissbrauch, soziale Isolation, Adipositas |
Nicht-medikamentöse Therapie
Die Leitlinie bewertet verschiedene nicht-medikamentöse Ansätze zur Prävention und Symptomkontrolle:
- Atemübungen: Programme für Atemübungen können Erwachsenen als adjuvante Therapie angeboten werden, um die Lebensqualität zu verbessern und Symptome zu reduzieren.
- Gewichtsreduktion: Übergewichtigen und adipösen Patienten (Erwachsene und Kinder) wird eine Gewichtsreduktion empfohlen, um die Asthmakontrolle zu verbessern.
- Rauchen: Patienten und Eltern/Betreuer müssen über die Gefahren von Tabakrauch aufgeklärt und bei der Raucherentwöhnung unterstützt werden.
- Allergenkarenz: Physikalische oder chemische Methoden zur Reduktion von Hausstaubmilben werden nicht routinemäßig empfohlen. Auch Ratschläge zur Haustierhaltung als primäre Präventionsstrategie werden nicht empfohlen.
Spezifische und interventionelle Therapien
Für Patienten, die trotz optimaler medikamentöser Therapie nicht kontrolliert sind, stehen spezialisierte Verfahren zur Verfügung:
- Bronchiale Thermoplastie: Kann bei Erwachsenen (ab 18 Jahren) mit schwerem, unkontrolliertem Asthma erwogen werden. Die Behandlung muss in spezialisierten Zentren erfolgen.
- Immuntherapie: Die subkutane oder sublinguale Immuntherapie wird für die Behandlung von Asthma bei Kindern und Erwachsenen nicht empfohlen.
- Allergische bronchopulmonale Aspergillose (ABPA): Bei erwachsenen Patienten mit ABPA sollte ein viermonatiger Behandlungsversuch mit Itraconazol erwogen werden.
💡Praxis-Tipp
Achten Sie bei Patienten mit schwerem Asthma und häufigem SABA-Gebrauch gezielt auf psychosoziale Risikofaktoren (z.B. Non-Adhärenz, Depression), da diese das Mortalitätsrisiko massiv erhöhen.