Asthma-Diagnostik & Therapie: GINA-Leitlinie 2024
📋Auf einen Blick
- •Asthma wird durch variable respiratorische Symptome und eine variable exspiratorische Atemflusslimitierung definiert.
- •Die Diagnose sollte vor Beginn einer ICS-Therapie durch Spirometrie (oder PEF) objektiviert werden.
- •Track 1 (bevorzugt) nutzt ICS-Formoterol als Bedarfs- und Erhaltungstherapie zur Reduktion von Exazerbationen.
- •Die maximale Tagesdosis für Formoterol in der MART-Therapie liegt bei Erwachsenen bei 72 µg.
- •Husten-variantes Asthma erfordert oft Provokationstests zur Diagnose, da die Spirometrie normal sein kann.
Hintergrund
Asthma ist eine heterogene Erkrankung, die meist durch eine chronische Atemwegsentzündung gekennzeichnet ist. Die Diagnose basiert auf der Historie variabler respiratorischer Symptome (Giemen, Atemnot, Engegefühl in der Brust, Husten) in Kombination mit einer variablen exspiratorischen Atemflusslimitierung.
Es existieren verschiedene klinische Phänotypen, darunter:
- Allergisches Asthma: Oft Beginn in der Kindheit, assoziiert mit allergischen Erkrankungen (Ekzem, Rhinitis). Gutes Ansprechen auf inhalative Kortikosteroide (ICS).
- Nicht-allergisches Asthma: Sputum kann neutrophil, eosinophil oder paucigranulozytär sein. Geringeres Kurzzeitansprechen auf ICS.
- Husten-variantes Asthma: Husten als einziges Symptom. Spirometrie oft normal, Diagnose durch bronchiale Provokationstests.
- Late-onset Asthma: Beginn im Erwachsenenalter, oft bei Frauen. Häufig nicht-allergisch und erfordert höhere ICS-Dosen.
Diagnostik und Kriterien
Die Diagnose sollte vor Beginn einer ICS-Therapie objektiviert werden, da die Therapie die Variabilität von Symptomen und Lungenfunktion reduziert. Wenn keine Spirometrie verfügbar ist, sollte die Peak-Expiratory-Flow (PEF) Messung genutzt werden.
| Kriterium | Erwachsene | Kinder (6-11 Jahre) |
|---|---|---|
| Bronchodilatator-Reversibilität | FEV1-Anstieg ≥12% und ≥200 ml (PEF ≥20%) | FEV1-Anstieg ≥12% vom Sollwert (PEF ≥15%) |
| PEF-Variabilität (2 Wochen) | Durchschnittliche tägliche Variabilität >10% | Durchschnittliche tägliche Variabilität >13% |
| Therapieansprechen (4 Wochen) | FEV1-Anstieg ≥12% und ≥200 ml | FEV1-Anstieg ≥12% vom Sollwert |
| Provokationstest (Methacholin) | FEV1-Abfall ≥20% | Nicht spezifisch angegeben |
| Belastungstest | FEV1-Abfall >10% und >200 ml | FEV1-Abfall >12% vom Sollwert |
Differentialdiagnosen
Die Differentialdiagnose variiert stark nach Alter der Patienten.
| Altersgruppe | Häufige Differentialdiagnosen | Spezifische Hinweise |
|---|---|---|
| 6-11 Jahre | Chronisches Hustensyndrom der oberen Atemwege, Fremdkörperaspiration, Bronchiektasen, Mukoviszidose | Plötzlicher Beginn spricht für Fremdkörper; rezidivierende Infekte für Bronchiektasen. |
| 12-39 Jahre | Induzierbare Larynxobstruktion, Hyperventilation, Bronchiektasen, Alpha-1-Antitrypsin-Mangel | Inspiratorischer Stridor spricht für Larynxobstruktion; Schwindel für Hyperventilation. |
| Ab 40 Jahren | COPD, Herzinsuffizienz, Medikamenten-induzierter Husten (ACE-Hemmer), Lungenembolie | Belastungsdyspnoe und Knöchelödeme sprechen für Herzinsuffizienz. |
Therapieprinzipien und Updates 2024
Das langfristige Ziel der Asthmatherapie ist die bestmögliche Kontrolle der Symptome sowie die Minimierung des Risikos für Exazerbationen, Lungenfunktionsverlust und Medikamentennebenwirkungen.
Track 1 (Bevorzugt): Nutzt ICS-Formoterol als Anti-Inflammatory Reliever (AIR).
- Step 1-2: Bedarfstherapie mit niedrig dosiertem ICS-Formoterol.
- Step 3-5: Maintenance and Reliever Therapy (MART) mit ICS-Formoterol.
- Maximale Tagesdosis: Für Erwachsene und Jugendliche liegt die maximale Tagesdosis für Formoterol (mit ICS) bei 72 µg (entspricht 12 Inhalationen à 6 µg). Für Kinder (6-11 Jahre) bei 48 µg.
Track 2 (Alternativ): Nutzt kurzwirksame Beta-2-Mimetika (SABA) als Reliever.
- Wichtig: SABA sollte niemals ohne gleichzeitige ICS-Gabe verwendet werden.
- Bei seltenen Symptomen (Step 1) sollte ICS immer dann inhaliert werden, wenn SABA genutzt wird.
💡Praxis-Tipp
Sichern Sie die Asthma-Diagnose immer objektiv (Spirometrie oder PEF), bevor Sie eine ICS-Therapie einleiten. Unter laufender Therapie ist der Nachweis der variablen Atemflusslimitierung oft deutlich erschwert.